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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-26 · Heft 9 (26.2.1849) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 9 (26.2.1849)
Date
1849-02-26
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 mußte, wofür die Gemeinde solidarisch haftete, so daß der Vermögende die Taxe der Armen mitbezahlen mußte. Die Denkschrift verlangt dieser Lage gegenüber als einziges Heilmittel völlige Rechtsgleichheit und verwahrt sich gegen jede halbe Emanzipation. Die Entschiedenheit ihrer Sprache ist um so bemerkenswerther, als die radikalen Elemente in Wien jüdischem Einfluß zugeschrieben werden, und fanatischer Judenhaß durch die wiener „Schandliteratur", die unter dem Schatten der Kanonen und in der Sonne des Belagerungsstandes wuchert, ja nach verschiedenen Angaben sogar durch die Geistlichkeit auf alle Weise gepredigt wird. Auch ist es ungeachtet so schreiender Thatsachen zweifelhaft, ob der Reichstag den §. 16 der Grundrechte: „die Religionsverschiedenheit begründet keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger" annehmen wird. Es ist merkwürdig genug, wie die verschiedenen Provinzen (denn diese, nicht die Parteifraktionen geben hier den Ausschlag) sich zu dem Antrag verhalten. Tyroler, Steierer und Oesterreicher (außer Wien) sind in der Mehrzahl gegen die Emanzipation, die Czechen sind für halbe Maßregeln, nur die Polen sind durchaus dafür. Die Gewalt, die man den Gemeindeordnungen kürzlich einräumte, hat ohnehin schon dem Egoismus Thür und Thor geöffnet. Die Lage ist so, daß der Reichstag der Forderung des Rechts und der Stimme des Volkes kaum zugleich wird genügen können, die hier noch in großem Widerspruche stehen. Jndrß bereiten sich, namentlich in Böhmen, Hunderte von Juden, und zwar die Vermögenderen, zur Auswanderung nach Amerika vor. —. Die Köln. Ztg. schreibt aus Wien: „Der Reichstag hat in den nächsten Tagen eine arge Klippe zu umschiffen, und Alles ist gespannt, wie sich die Glaubensfrage lösen wird. Die Emanzipation der Juden wird heftige Diskussionen Hervorrufen; selbst die liberalsten Deputirten Oberösterreichs, Steiermarks und Tyrols aber — in welchen Provinzen bis jetzt kein Jude wohnen durfte — würden es nicht wagen, bei namentlicher Abstimmung für die Judenfrage zu votiren, während bei der Ballotage andererseits zu befürchten steht, daß demokratisch-thuende Abgeordnete der rechten Seite im Geheimen eine schwarze Kugel in die Urne werfen, um so ihrer von Kindheit an anerzogencn Antipathie gegen die Juden zu genügen." —. Die Lithograph. Korresp. vom 12. schreibt: „Die Presse beschäftigt sich fortwährend mit §. 16 der Grundrechte, der die Judenemanzipation betrifft. Von geachteten Blättern ist gar Keines, das nicht entschieden Partei dafür genommen; auch waltet über die Anerkennung des Prinzips am Reichstage kein Zweifel ob. Allein es verlautet, daß von Seiten einiger czechischen Deputirten die Anwendung hinausgeschoben werden sollte; hiergegen sind im Voraus sehr energische Protestationen ergangen." Wien, 15. Februar. (Privatmitth.) Man kann sich gar keine Vorstellung machen, wie weit man hier zu Lande geht, um das Volk gegen die Juden aufzuregen. Allerdings sind es die Juden in specie weniger, als vielmehr die Stellung der Kirche, die ihre Obmacht zu verlieren fürchtet. Als Mittel bedient man sich nun des Judenhasses. Bald schiebt man alle traurigen Folgen der Revolution den Juden in die Schuhe, bald sagt man, der Reichstag zu Kremsier bestehe aus lauter Juden, wenigstens aus lauter getauften Juden — wer hat denn gewählt? — bald fordert man auf, die Kirche gegen die Juden mit Gut und Blut zu vertheidigen rc. Zum Glück wohnen im Erzherzogthum Oesterreich keine Juden; sonst würden diese es bitter zu empfinden haben. Allein auf den Reichstag werden diese Wühlereien einen gro. ßen Einfluß üben; denn die Abgeordneten werden schon um der Heimath willen gegen die Gleichstellung stimmen. Nun, wir müssen das Nähere abwarten! Pesth» 13. Februar. Es mußte längst Wunder nehmen, daß in dem, jetzt Ungarn durchziehenden Kampfe so gar Nichts von den Juden verlautete, und man nicht ihnen wieder aufzubürden sucht in ihrer Gesammtheit, woran hier und da Einer Theil nimmt. Endlich ist es geschehen. Eine Proklamation des Feldmarschalls Fürsten zu Windischgrätz, welche äußerste Strenge der Ahndung androht, endigt folgendermaßen: „Schließlich will ich die Juden von Pcsth und Ofen, besonders aber von Altofen, warnen, sich jedes wie immer Namen habenden Einvernehmens mit dem Hochverräther Kossuth, dem sogenannten honvedolmi bizoltmäny und dem Rebellenreichstage zu enthalten, denn ich habe die Gewißheit erlangt, daß gerade die Israeliten sich zu Spionen und Lieferanten der Rebellen gebrauchen lassen, so wie sie es sich auch zur Aufgabe machen, falsche und schlechte Nachrichten über

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