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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-19 · Heft 8 (19.2.1849) · p. Seite 111

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 8 (19.2.1849)
Date
1849-02-19
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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111 den wir deren Vorhandensein dem Sachkenner wol nicht erst nachzuweisen brauchen und können sie als notorisch voraussetzen. Wir wollen vielmehr versuchen, dem Beweggründe jener Aversion nachzuforschen und ein Mittel zu ihrer Beseitigung aufzusinden. Unter den Judenfeinden war es stets ein beliebtes Thema, wenn sie aus diese Abneigung zu sprechen kamen; ihnen war sie lediglich eine Folge der jüdischen Trägheit, die keinen sauer erworbenen Bissen Brod genießen, sondern von dem Schweiße Anderer in Ueppigkeit leben wollte. Aber wem die Lebensweise der niederen Stande unter den Juden nur einigermaßen bekannt ist, der wird, wenn er anders seine Augen nicht absichtlich der Wahrheit verschließt, wohl wissen, daß diese Klaffe wahrlich kein Schlaraffenleben führt. Sie besteht größtentheils entweder aus hausirenden Kleinhändlern, die ihren schweren Warenpack von Dorf zu Dorf schleppen, oder aus Metzgern die ihr Vieh auf langen Fußreisen mühsam heimtreiben und das zum Verkauf bestimmte Fleisch noch weit mühsamer in kleinen Quantitäten von einem Bauernhof zum andern umher tragen, oder aus Viehhändlern, die Jahr aus Jahr ein auf der Landstraße den Mühseligkeiten der Witterung ausgesetzt sind, u. s. w. Man wird einraumen müssen, daß alle diese Leute, die fast regelmäßig ihr Mittagsmahl erst Abends zu sich nehmen, nicht auf Seide gebettet sind und daß das Loos eines in seiner Werkstatt ruhig beschäftigten Handwerkers im Vergleich zu dem ihrigen ein beneidenswerthes genannt werden kann. Trägheit kann also unmöglich der Grund jener Abneigung sein, die oft sogar so weit geht, daß junge Leute, die ein Handwerk erlernt haben. Solches später an den Nagel hängen. Man hat ferner die Veranlassung in den Schwierigkeiten gesucht, welche dem jüdischen Handwerksgesellen von den verschiedenen Zunftbehörden gemacht worden oder in den vielen Neckereien, denen schon der Lehrbursche in der Werkstatt ausgesetzt gewesen rc., allein dieses i Alles ist nicht genügend, um Jemanden die Wahl eines Lebensberufes zu verleiden, der ihm ein gesichertes Auskommen zu bieten vermag. Nach unferm Dafürhalten liegt der Grund tiefer und , zwar lediglich in den Sabbat- und Speisegesetzen. Die Behinderungen, welche aus der Beobach- }, lung dieser Satzungen für den Handwerker hervorgehen, | sind unzählbar und machen es ihm zur halben Unmöglichkeit, mit seinen nichtjüdischen Konkurrenten gleichen Schritt zu halten. So z. B. kann weder ein Lehrling noch ein Geselle bei einem Meister Beschäftigung finden, der seinen Leuten die Kost zu geben pflegt. Sodann giebt es Gewerbe, z. B. die Landwirthschaft, bei welchen es undenkbar ist, daß der Gehilfe nicht an dem allgemeinen Tische Theil nehme. Sehr viele Meister verweigern schlechterdings die Annahme eines Gehilfen, der am Samstag, dem überhäuftesten Arbeitstage, feiern will. Es würde uns zu weit führen, wenn wir alle die Jnkonvenienzen aufzählen wollten, die aus der Befolgung der erwähnten Satzungen für den Handwerker in allen Stadien seiner Laufbahn erwachsen und wir sind fest überzeugt, daß diese Schwierigkeiten es fast ausschließlich sind, welche vom Betriebe der Handwerke zurückfchrecken. Was ist nun da zu thun? Hier giebt es nur ein radikales Mittel und dieses heißt: Dispensation durch eineSynode in gleicher Weise wie der Mititärstand von der Ausübung derZeremonialgesetze dispensirt ist. Die Sache ist so wichtig für die Entwickelung der sozialen Zustande unter unseren Glaubensgenossen, daß wir den Zusammentritt einer Synode schon um dieses einen Zweckes willen für gerechtfertigt halten würden. Wir wünschen daher sehnlich, daß die in Frankfurt beabsichtigte recht bald zu Stande und die hier angeregte Frage zur Erledigung kommen möge, denn so lange die Fesseln der religiösen Observanzen nicht beseitigt werden, ist an das Aufkommen weder eines jüdischen Handwerkernoch eines Bauernstandes jemals zu denken. Zusatz der Redaktion zu diesem Artikel. Ohne dem Vers, im Allgemeinen die Richtigkeit seiner Bemerkungen ganz abzustreiten, glauben wir doch um der Sache willen Mehreres hinzufügen zu müssen. Wir geben zu, daß derjenige, welcher Sabbat-und Speisegesetz genau beobachtet, große Hindernisse im Handwerk und Feldbau findet. Allein daß sie wesentliche Hindernisse im großen Ganzen sind, scheint bezweifelt werden zu müssen. Denn nach den statistischen Nachweisungen beschäftigen sich gerade in den Provinzen, wo unbezweifelt die Orthodoxie und strenge Observanz noch am Meisten heimisch sind, die Juden am Meisten mit Handwerken und Feldbau, wogegen in den Provinzen, wo ein laxer Geist herrscht, die geringste Zahl Juden

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