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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-19 · Heft 8 (19.2.1849) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 8 (19.2.1849)
Date
1849-02-19
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Predigt des Herrn Adolph Jellinek in Leipzig, betitelt: Drei Gräber, aufmerksam zu machen. Es wird darin das Andenken an den großen Moses Mendelssohn, der mit Jakob und David (vielleicht etwas zu phantastisch) parallelisirt ist, in beredter Sprache erneuert, auch namentlich in der Widmung auf die neuesten politischen Märtyrer angespielt. Besonders ist die kurze Apologie Mendelssohns und Darstellung seines Wirkens und der ihm gewordenen Verketzerung im dritten Theile der Predigt wohlgelungen und dürfte Solche, zumal in der jetzigen Zeit, wo Alles von Politik absorbirt wird, auch in größeren Kreisen Ausbreitung verdienen.*) *) Wir machen uns das Vergnügen, aus der schönen Predigt die folgende Stelle über Mendelssohn hier wiederzugeben. Redakt. „Die Hoffnung als Gebilde der Schwärmerei, die geschloffenen Auges in einer erträumten Welt die Farben mischt und ihre Gestalten schafft, ist eitel und nichtig, und zerfließt wie ein Nebelbild vor dem klaren Sonnenlichte. Jene Hoffnung aber, die ein Seherblick in die Zukunft ist, die den Verstand zum Vater und die Vernunft zur Mutter hat, deren Wiege auf dem Boden geschichtlicher Nothwendigkeit beruht, trügt selten und pilgert endlich, wenn auch unter Beschwerden und Mühseligkeiten, in das Reich der Wahrheit. „Die Hoffnungen guter Menschen sind Prophezeihungen/' Und diese Hoffnung, als Vorahnung der Zukunft, war das Morgen- und Abendroth, das die Tage Moses Mendelssohn's in mildem Schimmer bekränzte. Sein ganzes Leben war ein fortgesetztes Hoffen durch Gott. Ein Knabe von 13 Jahren verlaßt er, arm und kränklich das elterliche Haus, mit der Hoffnung in der jugendlichen Brust, daß Gott ihn, den ein höheres Bewußtsein erfüllte, auch in der Fremde nicht verlassen werde. Er fand sich nicht getäuscht, menschenfreundliche Glaubensgenossen, vorurtheilssreie Geister nahmen sich seiner an, und so erschloß sich sein Herz schöneren und höheren Hoffnungen, die fast alle nach 62 Jahren in den greifbaren Körper der Wirklichkeit sich hüllten und unter den Menschen als lebensvolle Wesen einherziehen. Als er zum ersten Male die heiligen Bücher in die deutsche Muttersprache übertrug und sie mit sachgemäßen Erklärungen versah, hoffte er, die israelitische Jugend werde nicht mehrstammelnd reden, und die Bibel werde nicht fortan der Tummelplatz wahnwitziger Erklärer sein — die Hoffnung ist erfüllt. Im ganzen deutschen Vatertande empfangt die israelitische Jugend die Lehre rein und ungetrübt, klar und deutlich in Form und Rede. Als er für die Bildung und Aufklärung seiner Glaubensbrüder arbeitete, und selbst eine deutsche Rede in Berlin hielt, beseelte ihn die freudige Hoffnung, die Bildung werde gehoben, der Gottesdienst Italien. Aus Piemont, im Januar. Italien hat im verflossenen Jahre den Reigen eröffnet zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden, und das schwerfällige Deutschland folgte ihm nach. Jetzt beginnt es auch an Reform zu denken — vielleicht daß sich hierfür ein fruchtbarer Boden zeigt. Der Oberrabbiner von Piemont, Lelio Cantoni, hat einen Entwurf darüber bekannt gemacht, über den wir hier nach den Arch. isr. de Fr. berichten. „Die neue sardinische Konstitution, indem sie die alten Ausnahmegesetze abschaffte und die bürgerliche und politische Gleichstellung aller Einwohner proklamirte, hat sich mit der innern Verwaltung des israelitischen Kultus nicht beschäftigt. Herr Lelio Cantoni suchte diese Lücke auszusüllen. Er gehört der, Leider nicht sehr zahlreichen Klaffe von Rabbinen an, welche veredelt, der Vortrag verständlich und verständig werden — die Hoffnung ist erfüllt. Fast in allen Gemeinden Deutschlands regt sich der Geist des Beffern, der Sinn für schönere und edlere Formen, die Belehrung ertönt in unserer Muttersprache, und in den Reihen der Wissenschaft zählen wir die ersten Männer. Als er für das Recht und die Freiheit seiner Brüder in die Schranken trat, wie leuchtete fern mildes Auge im Lichte der Hoffnung, daß Israel aufhören werde, der gebrandmarkte Sklave der Völker zu sein, daß auch für es die Zeit der Erlösung, die Stunde der Gleichheit und Freiheit herannahen werde — die Hoffnung ist erfüllt, erfüllt durch den beredten Mund so vieler gerechter Volksvertreter. Abgewälzr ist die Schmach, die Jahrhunderte unser Haupt bedeckte, kühn erheben wir die Stirne als freie Männer, und unsere Kinder sind nicht mehr die Erben des Hohnes und des Spottes, nicht mehr Sklavensöhne, nicht mehr ausgestoßen aus der Gesellschaft. Als er in seinen Schriften die Denk- und Glaubensfreiheit für Jedermann in Anspruch nahm. Keinen wegen Glaubensmeinungen aus dem Staate und der Gemeinde ausgestoßen, die politische Macht von der religiösen getrennt wissen wollte, hoffte er auf eine Zeit, wo der Gedanke frei, der Glaube frei, und weder der Staat noch die Gemeinde der Gewissensrichter des Einzelnen sein werde — auch diese Hoffnung ist zum Theil erfüllt. Die Fesseln, in welche der Gedanke geschlagen war, sind gebrochen, der Glaube ruht auf freieren Unterlagen und die beiden mächtigen Gewalten sind im Begriffe sich von einander zu trennen. „Die Zeit erobert, aber sie erfüllt auch Alles" schrieb ein Freund *) an den „Weltweisen". *) Gesammelte Schriften V, 428.

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