Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1849)
- Date
- 1849-02-19
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 Unterrichtes hinführen. Friedeberg, Berlinchen, Bärwalde gehen in dem alten Geleise, und so verdient Bernstein noch besonders Erwähnung, wo die Gemeinde das Andenken des, frühem dortigen und in Pyritz gegenwärtigen, Lehrers Backhaus ehrt, indem sie beim Ein- und Ausheben der Tora einige Tonstücke im Ehore singt, welche erwähnter H. B. zu seiner Zeit einübte. Dieses Wenige und ewige Einerlei stumpft freilich ab. Sie sehen, verehrter Herr Redakteur, wie wenig bei uns am Weinberge des Herrn gearbeitet wird und wehe, daß auch uns zugerufen werden muß: ip'i .D'ma ws'i b'ti m®»b .m Ikeuwedell, 29. Januar. (Privatmitth.) Unter den 10 Wahlmännern, welche unsere Stadt zur zweiten Kammer wählte, sind 2 Juden, während diese in der Einwohnerzahl nur den 30. Theil ausmachen. Auch für die erste Kammer, wozu wir nebst mehreren Dörfern nur einen Wahlmann stellen, ging ein Jude, Herr l>r. Stern, aus der Wahlurne hervor. Dieser ist hier wegen seiner demokratischen Gesinnung allgemein beliebt. Krotoschin, 7. Februar. (Privatmitth.) Zu den Eigenthümlichkeiten unserer Zeit gehört wol auch, daß die Wahlhandlung hierorts in der Synagoge stattfand. Da an anderen Orten auch Kirchen hierzu gebraucht wurden, so wird man sich nur freuen, faktisch überall das Leben von dem Grundsatz der Gleichstellung durchdrungen zu sehen. Magdeburg, 12. Februar. (Privatmitth.) Schon mehrere Male ist in diesen Blättern die in Hildburghausen erscheinende „Dorfzeitung" des schnödesten Judenhasses angeklagt worden. Wir geben zu, daß innerhalb unserer Glaubensgenossen, so gut wie bei allen menschlichen Massen, nicht alle Zustände so sind, wie wir sie wünschen und erstreben müssen; aber Niemand, der vorurtheilslos ist, wird das Biele übersehen, was besser geworden, wird vergessen, daß ein anderthalb Jahrtausende langer Druck nicht ohne lang dauernde Wirkung bleiben konnte. Wir geben zu, daß sich Unzählige nicht so schnell von Haß und Vcrfolgungssucht gegen eine zahlreiche Glaubensgenossenschaft befreien können, wie es zur Ehre der Menschheit geschehen sollte, denn wir wissen, daß Leidenschaft noch schwerer zu tilgen ist, als Einsicht und Duldung zu erlangen. Aber in einer Zeit, wie die Unsrige, wo soeben ganz Deutschland durch seine hervorragendsten Geister die Gleichstellung aller Konfessionen, die Vernichtung alles Religionshaders beschlossen hat, wo alle Konfessionen von dem aufrichtigen Wunsche beseelt sind, sich zu vereinen in der gemeinsamen Liebe zum Vaterlande, jetzt blind Alles zu verfolgen und zu brandmarken, was einer bestimmten Konfession angehört, das brandmarkt sich selbst als mittelalterlich, vernunftswidrig, gesinnungslos. Die „Dorfzeitung" wird vielleicht damit Manchem ihrer ländlichen Leser, ein Lächeln abgewinnen, ob sie aber bei irgend Einem, der Kopf und Herz auf der rechten Stelle hat, dadurch den Ruf eines zeitgemäßen, den wahren Fortschritt der Menschheit fördernden und fördern wollenden Blattes erlangt, mag sie sich selbst beantworten. — Jüngst war der Redakteur dieser Zeitung die unschuldige Veranlassung ihrer stereotypen Witzeleien. Im „Henneberger Kreise" hatten viele Wahlmänner, insonders die Handwerker, bei den Wahlen an mich gedacht. Die „Dorfzeitung" suchte diese Wahl zu hintertreiben. Nun, dazu gestehe ich Jedem das Recht zu. War es die Gesinnung, die politische Richtung, der Charakter, der Lebenswandel, die ihr nicht gefielen? Nichts von allem dem. Was denn? Sie hatte kein anderes Motiv und kein anderes Argument, als — der Jude Philippson! No. 24 sagt sie: „Viele unserer Handwerker möchten durch den Juden Dr. Philippson in Magdeburg vertreten sein, und unsere Bauern?" No. 25: „Sollte denn in dem Kreise nicht auch noch ein Mann zu finden sein, der die Bedürfnisse desselben nach allen Seiten hin besser kennt und zu vertreten weiß, als ein Fremder und der Herr Rabbiner nicht Gelegenheit haben, in feiner Heimath als Deputirter gewählt zu werden?" Zum Tröste kann ich der Dorfzeitung sagen, daß in der Heimath auch an mich gedacht wurde, denn in Neuhaltensleben unterlag meine Wahl nur durch 6 oder 8 Stimmen, in Eisleben und Salzwedel war ich ebenfalls auf der Wahl. Die Dorfzeitung müßte sich doch gerechter Weise wundern, daß ein Jude an so vielen Orten Anklang findet. Und wenn sie bedächte, durch wen ich empfohlen und in der Wahl scstgehalten wurde, nämlich die Handwerker, so müßte sie doch ein Wenig stutzig werden. Also nicht Juden — die haben in