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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-19 · Heft 8 (19.2.1849) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 8 (19.2.1849)
Date
1849-02-19
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 geist auf kirchlichem Gebiete. Es laßt sich freilich nicht leugnen, daß von Kultus in unseren Gemeinden wenig gesagt werden kann; denn wenn deren Standpunkt auf diesem Gebiete bis zur Emanirung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 berüchtigten Andenkens, ein nur sehr kläglicher war, so hat sie die Uebergangsperiode des 18. Marz v. I. in einen noch tiefern Schlaf versenkt, aus dem sie nur ein Messias erwecken könnte, der ihnen die mahnenden Worte des Schiffsherrn an Jonas öv-o ‘jb nn zurüfe. Selbst der Sturm der Zeit, welcher jetzt aus politischem und kirchlichem Boden tobt und auch die Bande der jüdischen Gemeinden aufzulösen droht, geht spurlos an ihnen vorüber. Selten nur hört man in unseren Gemeinden von Fortschritt und wenn man es hört, so ist es der Wille; dieser scheitert-aber an der That. Eigentliche konstituirte Gemeinden findet man in unserer Mark nur wenige; wer beiträgt ist Mitglied, d. h. der Kultusbeamte, nämlich der Schochet — darf für ihn schächten; wer den Beitrag verweigert, nun der bekommt kein koscheres Fleisch. Sie sehen, man sorgt für das Materielle, während man das Geistige ganz unberücksichtigt läßt. Kommen Sie nach Arnswalde, einer Gemeinde von 24 meist wohlhabenden Mitgliedern, da finden Sie eine herrliche Synagoge mit veraltetem Gottesdienste, eine Schale ohne Kern. Jeder singt und schreit ad libitum; Ablösungen wie auf der Hauptwache, d. h. die welche zur nip erscheinen, empfehlen sich zu r>diu und die welche in der naawn gebetet, lösen jene ab. Der dasige Kultusbeamte ist — ein tüchtiger Schochet. Er ist zwar nach dem Urtheile der y'nttrr in» ein prob, aber die Pädagogik, welche er als Religionslehrer besitzen soll, hat ihm der Zahn der Zeit abgenagt. Als Prediger fungirt dieser Mann nicht und eine Predigt ablesen, wird dieses auch dem greisen H. F. keinen Anstoß geben? Dieser als tüchtiger Talmudist bekannte Privatgelehrte, giebt für alles Kirchliche in dieser Gemeinde den Ton an. Man kann sich denken, welche Reformen da zu Stande kommen können, wenn diese von einem im strengsten Sinne des Wortes ergreisten Orthodoxen sanktionirt werden sollen. Doch die Gemeinde Reetz wird sich Ihnen in einem trefflichern Geiste vorstellen. Da kann die Jugend nach zurückgelegtem fünften Jahre fertig hebräisch lesen. Ach, und diese sollte Einer in der Synagoge oren sehen, mit welcher Würde ihr der Rabbi das Schaukeln nach dem Grundsätze si:nmn iniMä» bs und das Schreien beigebracht. Diese Jugend verspricht uns ein neu aufblühendcs Israel — im alten Style. Jüdische Kursivschrift und Lesen, damit wird diese in der Religionsschule wahrend seiner acht Schuljahre, die Knaben allenfalls mit Pentateuch ä la warn wsx Uebersetzung und Kommentirung, ausgerüstet und wenn sie aus derselben scheidet, da weiß sie weder von Glaubensnoch von Sittenlehre, weder von der Unsterblichkeit noch von den Eigenschaften Gottes, wenn diese nicht Mutter Natur, oder ihr eigenes Selbst sie kennen lehrte. Ich will sie aber auch auf fruchtbaren Boden bringen, auf dem das Judenthum auch in unserer Mark vegetirt. Sie treffen diesen in Neuwedell an, wo der fromme Eifer der Herren vr. Stern, Kaufmann Hirschf. u. dgl. durch den Lehrer Oppenheim einen Ch'or geschaffen, wo dieser Lehrer O. deutsche Predigten abhält, wie überhaupt derselbe, seit seinem Dortsein, den Gottesdienst durch Choralgesang, Predigt, deutsche Gebete und deutsche Lieder aus seiner Verfallenheit bedeutend gehoben. Auch die Schule ist da blühend und wie die Stunden des Unterrichtes den Zöglingen eine gute Erziehung und Belehrung verschaffen, so erhebt auch da Gebet "und Gesang, mit denen der Unterricht beginnt und schließt. An Opposition hat es da auch nicht gemangelt, allein kein Sieg ohne Kampf. Auch in Woldenberg kämpfte man, indem einige Mitglieder Lehrer- und Schochetamt getrennt wissen wollten, welches aber daran scheiterte, daß beide Aemter, aus Rücksicht auf die Lage eines frühem Mitgliedes der Gemeinde, demselben übertragen wurden. Auch gut! enaam bima"' Aber solche Rücksicht erfordert mehr Vorsicht, die man der Jugend schuldig ist, wenn sie dem Geiste der Zeit entsprechend erzogen werden soll, wenn nicht einst diese Generation klagen soll: i:n:rri isan imas isbas ü{T,n;w. Von Predigt weiß man im Allgemeinen in unserer Gegend noch wenig und findet sie besonders so lange schweren Eingang, als man dem religiösen Bedürfnisse mit den bestehenden Gebeten genügt zu haben glaubt, aber selbst auch von den akzessorischen Nichts schwinden lassen will. Unter den kleineren Gemeinden macht Driefen darin eine Ausnahme, daß es Herrn vr. Stein aus Filehne allmonatlich zu einer Predigt beruft. Möge dieses von Dauer sein und dieser Fortschritt diese Gemeinde auch zur Verbesserung des Gottesdienstes und Organisirung des Religions-

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