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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-19 · Heft 8 (19.2.1849) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 8 (19.2.1849)
Date
1849-02-19
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 die Wildheit der menschlichen Natur wird sich immer roher Herausstellen und die Herrschaft erlangen. Mitten zwischen Formwesen und Irreligiosität hindurch muß der neue Weg gehen. Oder will der Mensch Gottes entbehren? Gehet hin, und sehet, was daraus werde! Ich aber sage Euch mit dem Psalmisten: Heit denen, die seine Zeugnisse wahren, mit ganzem Herzen ihn suchen! III. Erst als Israel die Verpflichtung zum Gesetze auf sich genommen, und nachdem es zween Tage sich gelautert und geheiligt, da ging die wundersame Erscheinung vor sich, auf welche die Verkündigung erfolgte. Und diese Erscheinung bestand in schwerem Gewölke mit Blitzesflammen und Donner, das auf den Gipfel des Berges sich legte, und in einer hohen Feuerflamme, die von dem Gipfel des Berges in den Himmel hinauf sich erhob, und in der Stimme, die mitten aus den beiden Flammen und dem Gewölk vernehmbar tönte und sprach. Auch hierin, geliebte Zuhörer, finden wir das Abbild dessen, was der Mensch ist und soll, was in ihm Vorgehen muß, wenn er dem Worte des göttlichen Gesetzes sich ganz ergeben soll. Der Mensch, steht er nicht ewig zwischen Erd' und Himmel da, Beiden angehörig. Keinem allein? Und mögen noch so Viele den Himmel verleugnen und der Erde allein sich zuwenden: die innere Stimme ihrer Sehnsucht, ihres Verlangens, ihres Unbefriedigtseins gehet über die Erde hinaus. Wie der Körper der Erde, der Geist des Himmels ist, wie die Flamme der Leidenschaft uns zur Erde hinab, die Flamme der Tugend zum Himmel hinauf führet, wie der Mensch immer zwischen Beiden schwanket, und dieser Kampf seines Lebens ganzer Inhalt ist, wie der Mensch also ein Mittelgeschöpf ist, gewoben aus Irdischem und Himmlischem: so ist es auch sein Beruf, Beides in sich zu entwickeln, und die Flamme von unten und die Flamme von oben also zu vereinigen, daß aus ihnen klar und vernehmbar das Wort des Gottesgesetzes als das Gesetz seines Lebens ertönt. Wir haben zu bauen auf Erden; unser Blick muß gerichtet sein auf die Erde, um gegen uns, die Unseren, all unsere Nebenmenschen die Pflichten des Lebens zu erfüllen. Dann aber dürfen wir auch jenes überirdische Reich nicht vergessen, welchem wir entsprossen sind und welchem unsere Zunkunft gehört. Zu ihm müssen wir uns erheben, und in dem festen Glauben an die Unsterblichkeit unsers Geistes, an die göttliche Vorsehung, und an die Heiligung, die sie in uns wirken will, uns jener himmlischeu Schöne weihen, welche die Erde mit dem Rosenroth des jenseitigen Morgens bekränzt. Da muß kein Verlust uns treffen, dessen Schmerz wir nicht überwinden, keine Täuschung, die wir nicht freudig zu unserm Heile kehren: dadurch werden wir verklärt, und stehen auf dem Gipfel, auf jener Höhe, wo Erd' und Himmel sich vereinen, und die klare Gottesstimme verkündet: Wahrheit, Recht und Liebe! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Wie«, 4. Februar. Vom Reichstag, wo jetzt Ferien sind, kam Nichts als ein Witzwort herüber. Der neuerwählte krakauer Deputirte Rabbiner Meisels wurde von einem Minister befragt, warum er sich denn zur Linken setze. „Erzellenz", war die Antwort, „die Juden haben keine Rechte!" Oldenburg, 4. Februar. Wir hatten heute in hiesiger Stadt, vielleicht in hiesiger Gegend, den ersten Fall, daß eine gemischte Ehe zwischen Juden und Christen abgeschlossen worden ist. Der Bräutigam war Christ, die Braut Israelitin. Herr Landesrabbiner B. Wechsler vollzog die Trauung. Zwar könnte es noch sehr zweifelhaft sein, ob §. 20 der Grundrechte schon als rechtskräftig angesehen werden kann, indem noch keine Zivilbehörde zum Abschlüsse der Zivilehe da ist. allein durch zuvor eingeholte Erlaubniß des Großherzogs wurde dieses Hinderniß beseitigt. -Oldenburg, 8. Februar. (Privatmitth.) Schon längst hätte ich Ihnen einige Mittheilungen aus unserm Großherzogthume für Ihr geschätztes Blatt zukommcn lassen; ich wollte jedoch die Vollendung unsers Verfassungswerkes abwarten, um sodann Alles, was uns Israeliten, als Solche, angeht, in Summa mitzutheilen. Unsere Verfassung, welche im Ganzen eine der freisinnigsten Deutschlands zu nennen ist, ist nun mit dem Großherzoge, nachdem lange hin und her debattirt worden, endlich „vereinbart" und wird in nächsten Tagen durch unser Gesetzblatt publizirt werden. Die Ursache dieses so späten Zustandekommens wird Ihnen

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