Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1849)
- Date
- 1849-02-19
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Grundrechte Betreffs der Israeliten Ln Württemberg mitgetheilt; diese Nummer giebt Ausschluß über die sächsische und hamburgische Auffassung. Wir sehen hier mehr oder wenig Differenzpunkte Vorbehalten, die in Sachsen bis zur vollständigen Jlludirung der betreffenden Paragraphen der Grundrechte gehen. In Baiern denkt man gar nur an „Verbesserung der Verhältnisse", und in Oesterreich ist noch Alles fraglich. Zum Glück hat der Gang der Ereignisse im vorigen Jahre in Preußen und den anderen deutschen Staaten schon das Beste gethan. Jndeß bleibt uns hierbei noch eine Hoffnung. Was werden die sächsischen und baierschen Kammern thun? Werden sie den Ministerien auf ihren engherzigen Standpunkt folgen, oder nicht? Es lauft hier das Interesse der gesummten Volksfreiheit mit dem der Emanzipation der Juden völlig zusammen, und wenn jenes gewahrt wird, kann man diese nicht fallen lassen. Das deutsche Parlament hat einmal die völlige Gewissensfreiheit eingetragen in das deutsche Recht, und nur mit diesem kann jene streitig gemacht werden. So ist es allerdings ein höchst denkwürdiger Vorgang, den wir jetzt schon klar fassen müssen, damit er dereinst den Nachkommen deutlich und verständlich sei: daß der Kampf um die Gleichstellung der Juden zugleich derKampfum die deutschen Grundrechte, um das erste und nothwendigste Fundament der deutschen Einheit ist. Aeußerlich gefaßt, kann diese Erscheinung auffallen. In ihrer Tiefe aber ist sie doch nur der Beweis dessen, was wir von jeher ausgesprochen: daß nämlich die Emanzipation der Juden keine isolirte Frage ist, sondern nur ein Glied des großen Kampfes um die Gewissensfreiheit, diese wieder ein Glied der Freiheit überhaupt; und die deutsche Einheit jetzt nicht mehr aus der Einheit der Fürsten, sondern lediglich aus der einheitlichen Freiheit des deutschen Volkes erwachsen kann, so ist die ganze Stellung unserer Angelegenheit von vorn herein gegeben. Es gilt also den Sieg der deutschen Einheit! Aus einer Predigt zu P. Jithro. I. Die Vorbereitungen zur Verkündigung der Zehn-Worte bestanden zuerst Ln einer offenen Anfrage an Israel, ob es die Verpflichtung zum göttlichen Worte, die Verpflichtung zur Vollführung des Gesetzes übernehmen wolle? „Gott sprach zu Mosche: also sprich zum Hause Jakobs und verkünde den Söhnen Israels. Gesehen habt ihr, was ich an Mizrajim that, daß ich euch trug auf Adlerflügeln, und euch zu mir brachte. Nun aber, wenn ihr gehorchen werdet meiner Stimme, und meinen Bund bewahret: so sollet ihr mir sein ein theures Eigenthum allen Völkern, denn wein ist die ganze Erde, und ihr sollet mir ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk sein." Da kam Mosche und sprach diese Worte zum Volke, und das ganze Volk antwortete einmüthig und sprach: „nwi '!n im Alles, was der Ewige redet, wollen wir thun!" M. Fr. So der Mensch geboren wird auf Erden, ein schwaches, hilfloses Geschöpf, bis daß er erwachsen und erstarkt, selbstständig und selbstbewußt, durch die Jahre der Kindheit und Jugend, bis er seines Körpers und seines Geistes mächtig: sagt, wie könnt' er bestehen, wenn ihn nicht Gott, der Schutz und Schirm, trüge auf Adlerflügeln? So du in dich schauest, und deines Lebens Schritte bemiffest, wie viele ihrer auch seien, wie du gegangen durch gute und schlimme Tage, wie du gekommen durch Auen und Wüste, wirst du nicht ausrufen aus deines Herzens Tiefe: fürwahr, so Ec mich nicht getragen aus Adlerfrttigen, wo war' ich und wie? Und fragen wir weiter: wohin hat ec uns getragen, uns tragen wollen? Als er die Leuchte des Geistes in uns zündete, die Leuchte der Erkenntniß und die Fackel des Gewissens, als er uns Eltern gab, die uns zum Guten, Lehrer, die uns zum Rechten leiteten, als er uns die Wege des Lebens ebnete, daß wir vorwätsschritten, und Freuden auf unseren Pfad streuete, damit wir aufgerichtet, Schmerzen auf unfern Weg warf, damit wir gemahnt und geläutert würden, Hindernisse, daß unsere Kraft wachse im Kampfe, Erleichterungen, daß wir nicht ermatten im Drangsal: was anders wollte Er, als daß er uns zu sich brächte, daß wir ihn uns nähern, ihm uns anschließen, an ihm heit, an ihm selig werden? Und wahrlich, ihm sind wir ein theures Eigenthum, ihm, dessen die ganze Erde, nein! das unendliche Weltall ist, ihm ist jegliche Menschenseele ein kostbares Gut, das er wahren möchte, das ihm gehöre, von ihm durchdrungen; ihm soll Jeglicher von uns ein Priester sein, ihm geheiligt, ein Priester seiner Anbetung, seiner Erkenntniß, seiner Weihe, von Liebe ünd Gerechtigkeit erfüllt, von Barmherzigkeit und Versöhnung geleitet. Und so stehen wir allesammt, m. Br. und Schw.,