Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1849)
- Date
- 1849-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XHI. Zahrgang^ No. 8. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Eiu unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Na bbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 19. Februar 1849. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 1b Ngx. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22^, Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspcdition für beide Letztere hat sich die königl. fachf. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Die deutschen Grundrechte. — Aus einer Predigt zu P. Jithro. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Wien, Oldenburg, Oldenburg, Hannover, Hamburg, aus der Neumark, Neuwedell, Krotoschin, Magdeburg, Dresden. Italien: aus Piemont. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: H. Die Rabbiner in ihrem gegenwärtigen Verhältnisse zu den Gemeinden. Von vr. Rothschild. (Schluß.) — HI. Jüdischsoziale Fragen. Leitende Artikel. Magdeburg, 12. Februar. Die deutschen Grundrechte. Jedermann kennet die Frage, welche gegenwärtig ganz Deutschland bewegt, die Frage um das deutsche Reichsoberhaupt. Hier steht Preußen mit seinem, in der Natur der Verhältnisse liegenden modernen Übergewicht; dort Oesterreich mit seiner geschichtlichen ersten Stelle im Reiche; und zu dritt die größeren deutschen Staaten, die ihre Unabhängigkeit wahren möchten, insonders Baiern und Hannover; endlich noch solche Stämme, denen der Gang, den das deutsche Parlament eingeschlagen, mißfällt, wie die Sachsen, die um d i e Einheit, welche gegenwärtig in Aussicht steht, ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben, sondern gerade vermittelst derselben eine andere Einheit wo möglich erzielen wollen. Es stehet also sehr fraglich um die deutsche Einheit, so weit sie von obiger Frage abhängt und enthalten wird. Mögen die kleineren Fürsten, Staaten, Kammern ihr Einverständniß mit dem preußischen Kaiserthum erklärt haben — die mächtigsten Stimmen sprechen laut dagegen, Oesterreich, Baiern, Sachsen, Hannover —und die preußische Krone nimmt eine neutrale Stellung ein, sie erklärt sich für Beides, für Ja und Nein! Neben -dieser großen Streitfrage läuft aber die, für das Volk noch wichtigere Frage um die deutschen Grundrechte. Die kleineren Staaten haben ebenfalls dieselben angenommen. Aber, während die größeren, Preußen, Oesterreich, Baiern, Hannover an ihre Publizirung nicht denken, heben jene mit der Interpretation derselben an, und die Auslegung versucht einstweilen ihr Wesen zu ersticken. Man publizirt sie, aber man deutet sie. Vergebens hat das deutsche Parlament im „Einführungsgesetz" klar und bestimmt ausgesprochen, was sofort gelten solle, und was noch weiterer gesetzlicher Bestimmung bedürfe — indem sich durch die Reichsoberhauptsfrage die Verhältnisse so sehr verwickelt haben, indem durch diese die Ansicht täglich mehr Raum gewinnt, daß die einzelnen Staaten ihr Interesse dabei zu wahren, und demgemäß selbstständig darin zu verfahren haben, glauben und beanspruchen sie dasselbe von den deutschen Grundrechten. So kann es leicht kommen, daß, wie die Reichsoberhauptsfrage ihrer Lösung noch lange entgegenharren wird, die deutsche Einheit in den Grundrechten nicht minder beanstandet werden kann. Wir haben in No. 6 die ministerielle Auslegung der