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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-12 · Heft 7 (12.2.1849) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 7 (12.2.1849)
Date
1849-02-12
Page
Seite 95 (sequence 11)
Language
German
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95 sein, die religiöse Weisheit der Hebräer durch die Priester dem Volke vorenthalren zu lassen, da Kenntniß und Uebung des Gesetzes vielmehr eine Vorschrift für Jedermann und der Boden war, auf dem sich Priester und Volk täglich begegneten. Auf diese Weise war eS auch möglich, daß Propheten, welche Nicht-Priester waren, aber in demselben Sinne und zu demselben göttlichen Zwecke wirkten, nicht selten den Priestern schroff und tadelnd gegenübertraten, wenn diese ihre Aufgabe verkannten oder verfehlten. Nicht minder wird so erst aus dieser wesentlichen Gleichstellung der Priester und des Volks, welche die Bevorzugung und Erhebung der Ersteren zu einer blos scheinbaren herabdrückt, in Sonderheit aber aus der gleichen Betheiligung Beider an der religiösen Weisheit und Erkenntniß die (traditionelle) volksthümliche Ansicht und Vorschrift erklärlich: jfbb vnp rin rib (M. Hör. Ende). Wir wiederholen: Beides, das Aufkommen eines außerpriesterlichen Prophetenthums, wie die Bevorzugung eines weisen, sogar illegitimen Laien vor einem unwissenden Hohenpriester, wäre nimmermehr möglich gewesen, wenn im mosaischen Priesterthum Kastengeist geherrscht hätte und die religiöse Wissenschaft vor dem Volke geheim gehalten worden wäre. Und was nun endlich die Hierarchie betrifft, so scheint es, als wenn diese gerade unter Israel, als in einem theatralischen Staate lebend, wo die Priester als Lehrer und Richter des Volks gleichsam die Stellvertreter Gottes auf Erden waren und heißen (trs-iba), wo das Priesterthum in einer Familie herrschend war und in einem Individuum gipfelte, am Ausgebildetsten angetroffen werden müßte. Und doch zeugt Lehre und Erfahrung dagegen. Im Heidenthum galten die Priester, als Gott am Nächsten stehend, als die höchste Kaste, alle anderen waren ihnen unterworfen. Daher vereinigten sie auch mit ihrer priesterlichen gleichzeitig die königliche Würde, oder, wo diese getrennt auf dem Haupte eines nicht priesterlich Geborenen ruhte, waren auch die Könige ihnen unterthan. Im Judenthum aber waren dieser Kastengeist und alle die Bedingungen, welche ihn hervorriefen und nährten, nicht anzutreffen. Auch die heidnische Einrichtung, daß ein sehr großer O/3) Theil der Ländereien Eigenthum der Priester war, außer der beträchtlichen Zahl und Masse von anderen Einkünften, vermied Moses für seine Priester in Anwendung zu bringen. Die Priester waren ohne Erbe und Eigenthum in Israel, zu ihrem Unterhalte lediglich auf die Gaben (Zehnten) von dem Ertrage des Bodens angewiesen *). Hierdurch wurden die Priester gleichzeitig in Abhängigkeit vom Volke, wie von Gott gestellt, von dem der Segen des Landes kam und in dessen Hand die Ertragfähigkeit des Bodens gestellt war. So waren also nicht nur die Priester systematisch auf den religiösen Glauben und das göttliche Vertrauen hingewiesen, sondern da sie, selbst bei dem" reichsten göttlichen Segen für die Ernte, ohne Volk noch arm gewesen waren, das religiöse Verhältniß zu Gott aber nur das Volk zu seinen Zehntengaben verpflichtete; so lag die Unterstützung dieses Verhältnisses, die Stärkung und Pflege des Glaubens und der Religion in ihrem eigenen Interesse. Auch sich selbst gegenüber waren die Priester nicht frei gestellt, sondern das Gefühl der Abhängigkeit und das Bewußtsein der gleichen Berechtigung des Volks mit ihnen auch dadurch genährt, daß die Priester selbst wieder ihre Zehnten und Erstlinge (in letzter Instanz an Gott) abgeben mußten. Ohne Erbe also, auf ein nicht großes, dazu noch zweifelhaftes Einkommen hingewiesen, durchaus abhängig von Gott und Volk gestellt, im Bewußtsein gleicher Berechtigung des Volks mit ihnen fortdauernd erhalten, da war keine Ueberhebung der Priester möglich, da ist jeder Gedanke an Hierarchie lächerlich. Und in der That hat Solche auch nie unter Israel Raum gewonnen. Eine derartige Beschuldigung, welche man auf die Priester des Judenthums wirft, ist falsch, die Furcht, welche man heutigen Tages noch vor hierarchischem Streben und Gelüste der Rabbiner hegt, ist ungegründet. Trafen wir also im mosaischen Priesterthum keine Spur des gehässigen Pfaffenthums an, so werden wir dies noch viel weniger in dem spatern Rabbinerthum, welches gar nicht aus dem Erster« hervorgegangen ist. — Seitdem der Opferdienst aufgehört, ist auch das Institut der Priester verschwunden. Wenn auch die Aharoniden als Solche kenntlich erhalten sind vor den Abkömmlingen der übrigen Stämme und Familien Israels, so ist diese Sonderung doch für die Gegenwart ohne wesentliche Geltung und Bedeutung. Die Rabbiner sind Nichts, als Volkslehrer, an das alte Prophetenthum sich anlehnend, wenn auch nicht unmittelbar daraus hervorgegangen. Ob ihr Beruf aber in gar Nichts dem der alten Priester ähnelt? Diefe Frage beantworten wir *) Ganz genau ist dies nicht, da die Levijim 48 Städte nebst Bezirken bekamen, wovon die Priester 13. Redakt.

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