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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-12 · Heft 7 (12.2.1849) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 7 (12.2.1849)
Date
1849-02-12
Page
Seite 94 (sequence 10)
Language
German
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94 nesänderung als einen Akt des Lnnern Menschen zu Stande. Wir behaupten nur, zur Vermittelung dieses Akts hat der gefallene Mensch die Kraft nicht in sich selbst und allein, auch wenn ihm das abstrakte Gesetz noch so objektiv gegenüber stände. Wie wenig jedoch die mosaischen Priester als abgeschlossene Kaste gelten können, geht daraus hervor, daß den Aharoniden der Begriff des Priesterthums nicht ausschließlich zukam, sondern ganz Israel zu einem Reich von Priestern werden sollte, und zwar nicht nur im bildlichen Sinne des Worts der übrigen Welt gegenüber, sondern auch für sich selbst nach den diesem Worte zu Grunde liegenden biblisch religiösen Ideen. Ueberhaupt ist dem mosaischen Priester durchaus keine Eigenschaft beigelegt, welche nicht in allgemeinster Geltung Eigenthum des ganzen Israel wäre, so daß eben nur der Priester und spezieller der Hohepriester der objektive Ausdruck oder, wenn man will, die persönliche Darstellung des nationalen wie religiösen Lebens dieses Volks ist. Er repräsentirt dasselbe in seinen politischen wie religiösen Ideen. Auch kommen im mosaischen Priesterbegriffe nicht die anderen Momente zusammen, welche den Kastengeist nähren und bedingen. Zunächst die aus der heidnischen Natur- und Weltanschauung folgende Niedrigkeit und Verwerflichkeit der menschlichen Gesellschaft den Priestern und Göttern gegenüber. Selbst die Sünde bedingte nach mosaischer Religionslehre keine solche Ansicht, sondern die dadurch hervorgerufene Trennung von Gott war nur eine moralische, keine physische. Die Mittel zur Aufhebung dieser Trennung, zur Annäherung und Erhebung zu Gott waren darum auch nicht, wie im Heidenthum, materielle Opfer, denn auch die Bedeutung der materiellen Opfer im Mosaismus war keine reale, sondern eine symbolische. Vielmehr wurde auch hier schon die Sühne durch einen Akt des innern Menschen vollbracht, nämlich vermittelst der Restauration des durch die Sünde verletzten göttlichen Gesetzes. Die Auszeichnung und Bevorzugung der Aharoniden bedingte demnach keine Zurücksetzung und Verwerfung der übrigen Stämme, wenn auch eine regelmäßige Ausschließung derselben von den priesterlichen Funktionen stattfand; sondern, da rücksichtlich der religiösen Anforderungen Priester und Laien sich auf demselben Boden bewegten, sollte in Bezug aus die Erfüllung der religiösen Pflichten dadurch nur eine graditative Unterscheidung bezweckt werden. Die Priester sollten ein Vorbild des Volks sein für den an dasselbe ergangenen Beruf sittlich-religiöser Rein- und Vollkommenheit, der Heiligkeit in Sitte und Wandel, um denselben in der Familie Aharons und mehr noch dem Hohenpriester zum konzentrirten Ausdruck und zur potenzirten Darstellung zu bringen. Daß demnach ein ausschließender Kastengeist kein dem jüdischen Priesterthum immanentes Moment ist, dafür sprechen außerdem auch noch die Umstände, daß nach mosaischer Anschauung die Priester nicht sündenfrei gedacht wurden, sondern auch für sich selbst Sühnopfer darzubringen genöthigt waren, auch aus anderen Stämmen heiratheten, und nicht minder aus der Geschichte Fälle bekannt sind, wo, obgleich ausnahmsweise, von Laien theils priesterliche Funktionen verrichtet, theils priesterliche Rechte in Anspruch genommen wurden. Das Verhaltniß der mosaischen Priester zur Wissenschaft war ebenfalls ein ganz verschiedenes. Dieselbe wurde nicht geheim gehalten als ein ausschließliches Eigenthum der Priester, denen allein sie dem Inhalte (Mysterium), wie der Schrift (Hieroglyphen) nach zugänglich und verständlich gewesen wäre; sondern umgekehrt hatten die Priester neben der Pflicht, durch eigene Befolgung und Ausübung der Lehre dieselbe zu bewähren auch den Beruf, dieselbe zu lehren und deren Kenntniß unter dem Volke zu verbreiten. Auch war der Gegenstand des Wissens für die mosaischen Priester ein ganz anderer, wie bei den Heiden, wo dasselbe sich auf die Natur und deren Ordnung, deren Störung und Heilung bezog. Selbst die Spekulation über das innere Wesen der Natur (Naturphilosophie) lag ihnen fern. Für die Priester Israels reduzirte sich alle Weisheit auf das, was das Element des Lebens für Jedermann ausmacht, das Gesetz des Heils und des Lebens, — Sittlichkeit und Heiligkeit der Gesinnung und des Handels. Für Israel bezog sich alle vorgeschriebene Weisheit nur auf die Kenntniß des göttlichen Willens, war also die religiöse Weisheit eine praktische, ethische. Aber selbst für den Priester war sie fern davon, eine spekulative, — theosophische oder dogmatische zu sein, sondern bezog sich wie für das Volk auf denselben Inhalt des praktisch-sittlichen Lebens. Dafür sprechen Aussprüche wie Prov. 1, 7. 9, 10. Hiob 28, 28., welche den Grundtext aller biblischen Bücher ausmachen, der mosaischen hierbei gar nicht zu gedenken, die fast nichts Anderes zum ausschließlichen Inhalt haben, zum Beweise, daß in der praktischen Moral sich zu allen Zeiten das religiöse Denken und Leben, die Lehre und Weisheit der Priester und Schriftsteller Israels konzentrirte. So konnte demnach gar kein Grund vorhanden

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