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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-12 · Heft 7 (12.2.1849) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 7 (12.2.1849)
Date
1849-02-12
Page
Seite 93 (sequence 9)
Language
German
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SS stellende Scköpfung der Welt (koo^oc). Die Priester als die der Gottheit am Nächsten stehende und die meisten Vollkommenheiten in sich vereinigende Kaste bildet darum die höchste Klasse der menschlichen Gesellschaft. Als Offenbarer der göttlichen Verkündigungen waren sie daher auch im Besitz alles Wissens, jedoch, was aus dem Inhalte und Zusammenhänge der ganzen Religion schon von selbst deutlich und verständlich wird, bezog sich dieses mehr auf Naturgegenstände (Mathematik, Astronomie, Astrologie, Medizin rc.) und machte, weil es allein für die Priester bestimmt und verständlich war, sowol der Art seiner Mittheilung (Schrift, Hieroglyphen), wie seinem Inhalte nach (Mysterium) für diese eine Geheimlehre aus. So begreift sich auch die Unterwerfung der übrigen Klassen der menschlichen Gesellschaft, die Ausübung einer priesterlichen Hierarchie als eine natürliche, durch die Schöpfung der Welt und die in sie hineingelegte göttliche Ordnung gleichsam geforderte. Die Hervorgehung der Brahmanen aus dem Haupte, die der Paria aus den Füßen des höchsten Gottes ist bei den Indern der symbolische Ausdruck dafür. Jndeß war bei den Heiden Kastengeist und Hierarchie nicht nur nothwendig nach der eigenthümlichen Welt- und Naturanschauung derselben, sondern auch möglich gemacht durch die bevorzugte Stellung der Priester sowol hinsichtlich ihrer moralischen Stellung, als der reichen Besitzungen und Einkünfte, welche sie sich als in dem Willen der Götter liegend zusprachen und das gläubige Volk ihnen zuerkannte. Hierin ist das, was man mit dem Begriff des gehässigen Pfaffenthums oft mehr dunkel, als im guten Bewußtsein zu verbinden pflegte, zum deutlichen Ausdruck gekommen; es ruht dem Prinzips nach auf religiösem Boden. Bei der Beurtheilung der jüdischen Geistlichen, der Rabbiner, ist Nichts gewöhnlicher und erklärlicher, als daß man auf die mosaischen Priester zurückgeht, daher wir diese auch näher betrachten müssen. Es ist falsch, so man in der Einrichtung des mosaischen Priesterthums blos die Bestellung vakanter und müßiger Personen steht, welche Zeit und Geschicklichkeit genug haben zur Wahrnehmung des täglichen Opfer- und Gottesdienstes. Vielmehr ruht auch hier der Begriff des Priesterthums auf religiösem Grunde, und zwar dem der Vermittelung zwischen dem durch Allmacht und Heiligkeit erhabenen, über den Abfall und die Fehler der Menschen zürnenden, aber zur Wiederaufnahme der sich reuevoll Bekehrenden bereitwilligen — Gotte und der durch Schwäche und Sünden moralisch gesunkenen Menschheit. Von dem Begriff der Vermittelung kommt einmal das jüdische, wie heidnische Priesterthum nicht los, indem der moralisch gesunkene Mensch in der That nicht in sich selbst die Kraft hat, zur eigenen und selbstständigen Aufrichtung und Erhebung zu Gott. Es ist deshalb auch keine Religion denkbar, die einer solchen Vermittelung ganz entbehren könnte, mögen die mit diesem Amte betrauten Männer nun Priester, Geistliche, Rabbiner, Prediger oder wie sonst noch heißen. Das Judenthum unterscheidet sich hierbei von dem Heidenthum nur dadurch, daß in jenem Gott als ein extramundaner gedacht wird, und seine Forderung und Lehre an die Menschen Heiligkeit und Sittlichkeit des Lebens heißt, während im Heidenthum Gott und Welt eins sind, Gott und die Wesen der Schöpfung gar nicht getrennt gedacht werden können, woraus eines Theils die Vielheit der Götter, andern Theils je nach ihrer kosmologischen und kreatürlichen Geltung die Forderung eines derselben entsprechenden Gottesdienstes folgte. Daher ist es erklärlich, wie das bei den Heiden als Gottesgebot gelten kann und muß, was nach ethischen Begriffen als Sünde und Verbrechen erscheint, wie beispielsweise die Menschenopfer des Molochdienstes, die leidenschaftlichen Orgien des Peor und anderer Götzen. Wenn auch so äußerlich das jüdische und heidnische Priesterthum im Begriff der Vermittelung zusammenkommen, so sind sie doch wesentlich von einander verschieden, indem im Heidenthum die Vermittelung durch den Priester nur durch den natürlichen Abstand bedingt war, in welchem sich die nichtpriesterlichen Klassen der menschlichen Gesellschaft von der Gottheit befanden, im Judenthum aber das gottesdienstliche Opfer um der moralischen Trennung willen gefordert wurde, in welche der sündhafte Mensch seinem Gott gegenüber gerathen war, und welche wieder aufzuheben der von Sünden reinere und durch eine gewisse religiöse Heiligkeit ausgezeichnete mosaische Priester würdiger erschien, als der Laie. Im heutigen Judenthum, welches durch den Wegfall der materiellen Opfer dem Begriff einer abstrakten Religion von allen Religionen am Nächsten steht (auch näher, als das Christenthum, welches der Idee nach auch das materielle Opfer nicht entbehrt), ist, wie schon oben angedeutet, die Nothwendigkeit einer fremden Vermittelung zwischen Gott und dem gefallenen Menschen durch die Ohnmacht des Letztem bedingt, die nöthige moralische Kraft und Hilfe in sich selbst und allein zu finden. Zwar soll damit nicht gesagt sein, daß die Sühne eine äußerliche sei. Vielmehr kommt diese erst durch die Sin- 7*

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