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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-12 · Heft 7 (12.2.1849) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 7 (12.2.1849)
Date
1849-02-12
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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91 Rundschreiben des Bischofs von Wien an den ihm untergebenen Klerus: das Ministerium werde Erklärungen des Klerus gegen die Grundrechte beifällig aufnehmen und kräftig unterstützen. — Ueberhaupt sucht der Klerus wieder allen seinen Einfluß zu gewinnen, und gebraucht hierzu zunächst die Zeitungshetzereien gegen die Juden. Es ist überall dieselbe Taktik. Nur recht losgefahren gegen die Juden und das Vorurtheil und den Haß hundertfach wieder ausgebrütet; dann die Bewegungen Europas als von den Juden ausgegangen erklärt; dann den ganzen Inhalt der Revolution als der Hölle gehörig erklärt — und man ist am schönen alten Ziele. Jndeß mögen die Leut«, welche diese Pläne aushecken, so schnell da wieder angelangt sein — das Volk folgt ihnen nicht. Daß es diese Leute gar nicht begreifen können — Gedanken, die in der Brust der Völker einmal erwacht sind, sie lassen sich nicht wieder erdrücken, nicht wieder beseitigen. —. Die bekannte grausame Ermordung einer Truppe gefangener Kroaten in Güns gab zu nachstehender tragischer Episode Anlaß. Unter der die Gefangenen bewachenden Honvöd-Eskorte befanden sich zwei Israeliten, die beim Herannahen der mörderischen Rotte sich vor die Gefangenen stellten, um das bedrohte Leben derselben mit ihrem eigenen Blut zu vertheidigen. Der eine dieser heldenmüthigen jungen Leute fiel sogleich üls Opfer seiner Hingebung, der andere wurde, mit neun Wunden bedeckt, für todt am Platze liegen gelassen; als er aber dennoch Lebenszeichen äußerte, von dem dortigen Kerkermeister in eine Kammer gebracht. Hier blieb er aus Berschen durch anderthalb Tage ohne alle Pflege. Man erinnerte sich seiner endlich und er befindet sich jetzt im Spital zu Güns in ärztlicher Behandlung. Wie«, 3. Februar (Privatmitth.) Zu den vielen Träumen, welch« das verflossene Jahr in die Welt gchracht, gehörte auch der, daß in Deutschland jener uralte Geist, der die Deutschen vermittelst des religiösen.Fanatismus spaltete, nunmehr in die Ahnengruft hinabgestiegcn sei und sich zur ewigen Ruhe begeben habe. Es war ein Traum. Die dynastischen Interessen widerstreben der Einheit Deutschlands. Wenn schon Oesterreich und Preußen sich innerhalb Deutschlands als zwei gleichmächtige und dadurch gleichberechtigte Gewalten gegenüberstehew, so ist an eine Einheit nicht zu denken, und vergebens wird man Oesterreich aus Deutschland hinauszudrängen suchen — es läßt sich dies nicht machen, weil es halt in der Natur der Sache nicht liegt. Nun aber giebt es auch mittlere Staaten in Deutschland, welche ihre Selbstständigkeit nicht verlieren wollen; und wenn hierzu Hannover vermöge seines Bolksgeistes nicht gerechnet werden kann, so sind es doch Baiern und Sachsen, die da Preußen darum entgegenarbeiten, weil sie von diesem eine größere Oberherrschaft erwarten, als von Oesterreich. Ja, wer steht mir dafür, wenn erst die Bolksbewegung ganz erloschen, und die Fürsten sich wieder im Besitz ihrer Gewalt sicher fühlen, daß nicht auch die kleineren Fürsten zum Widerstand gegen eine preußische Hegemonie sich rüsten? Jndeß dies interessirt uns weniger. Hauptsache ist, daß diese dynastischen Interessen sich jetzt auch des religiösen Fanatismus wieder bemächtigen, um die deutsche Einheit nicht zuzulaffen, daß man wieder die Unterscheidung eines katholischen und protestantischen Deutschlands hervorruft, und' daß so namentlich Oesterreich und Baiern auf die eine, Preußen und die anderen deutschen Staaten auf die andere Seite gedrängt werden. Was, fragen wir, wird hieraus entstehen?... Allein Ihre Leser brauchen nicht zu fürchten, daß ich hiermit die viel ventilirte Frage um die deutsche Einheit vor denselben durcharbeiten wollte. Nein, ich komme geraden Weges zu den Interessen der Gleichstellung der Konfessionen. Mit dem Augenblicke, in welchem der alte kirchliche Geist in Deutschland wieder heraufbeschworen wird, mit diesem, das sieht ein Jeder ein, ist die Gleichstellung schwieriger als Etwas. Konstituiren sich Oesterreich und Baiern wieder als katholische Länder, so kann an die Gleichstellung der Juden nicht mehr gedacht werden. Nicht allein, daß die deutschen Grundrechte nicht anerkannt werden, es können auch diesen nur sich annähernde Beschlüsse nicht gefaßt werden. Beweise hierfür liegen denn auch genügend nahe. Baiern's Thronrede verspricht abermal — ein Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten, in Oesterreich ist das Verbot gegen die Deutsch-Katholiken erneuert, die kirchlichen Würdenträger erheben sich wider die Gleichstellung der Akatholiken, und des Reichstags in Kremsier ist man in dieser Frage durchaus nicht sicher. Wie gesagt, das ist das Schlimme; die Entwickelung der politischen Zustände führt darauf, den kirchlichen

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