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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-12 · Heft 7 (12.2.1849) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 7 (12.2.1849)
Date
1849-02-12
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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89 zeuge und Träger hinterlassen hat, so ganz mit einem Male verschwunden ist? Lebt in all den willigen Organen des pietistischen Regime's nicht derselbe Geist fort? Wir haben es bereits erlebt. Ein hiesiger Schuldirektor hat erklärt, daß er keinen Juden an seiner Anstalt zulassen werde, lieber wolle er sein Amt niederlegen. Der gute Mann, er hat Nichts zu fürchten. So sehen wir denn, nachdem der Gang der Dinge seine alte Bahn der Entwickelung eingeschlagen, einer kampsvollen Zukunft entgegen, in der wir uns mühsam zu erringen haben werden, was uns gebührt. Wie? wollen wir Vorrechte? streben wir nach Begünstigung? Fürwahr nein! Wir wollen nur gleiche Bedingungen mit allen Menschen, wir wollen eine ebene Bahn, in der wir unsere Kräfte unter gleichen Bedingungen, wie alle anderen Menschen, entwickeln und bethätigen können, und wo unser gleiche Ziele, wie aller Anderen, warten. Man macht es uns sauer, man wird es uns noch lange sauer machen. Posen, 18. Januar. Auf Ansuchen der jüdischen Gemeinde zu Gnesen und Czarnikau, ihnen die Grundsteuer für ihre öffentlichen Gebäude zu erlassen, hat der Generaldirektor der Steuern, Herr Kühne, unter dem 28. November v. I. erklärt, daß, da den Juden gleiche politische Rechte mit den Christen zugestanden seien, die öffentlichen Gebäude der jüdischen Gemeinde jetzt ebenfalls von der Grundsteuer befreit sein sollten. Posen, 29. Januar. Die D. Z. enthält folgenden Artikel von hier. „Noch sind unsere Wahlen für die zweite Kammer im deutschen Sinne nicht gesichert. Denn wie günstig sich auch in den größeren Städten und im Allgemeinen auch auf dem platten Lande die Sachen stellten, so hat doch merkwürdiger Weise in einer Anzahl kleiner Städte, wo das Judenthum sehr stark vertreten ist, die Wahlhandlung eine für die Polen günstige Wendung dadurch genommen, daß es ihnen gelungen ist, die jüdischen Krämer und Kaufleute durch Versprechungen zu sich herüber zu ziehen. An einzelnen Stellen soll dieser Abfall auch dadurch veranlaßt worden sein, daß die Juden von den Deutschen verlangten, sie möchten ihre Kandidaten unterstützen und entgegengesetzten Falls mit dem Uebcrgang zu den Polen drohten. — Wo diese Drohung ausgeführt worden, ist neben den Polen gewöhnlich ein oder der andere Jude als Wahlmann durchgekommen. Aber auch die Preußenvereine werden wegen ihres schroffen Auftretens an mehreren Orten scharf getadelt. Wir theilen diesen Artikel mit, ohne zu wissen, was daran Wahres ist oder nicht, aber würdigen ihn aus folgendem Gesichtspunkte. Unsere Leser wissen, daß in Ländern, wo die Juden unter einer Nationalität leben, wir stets den Grundsatz festhielten, daß unsere Glaubensgenossen sich dieser Nation anschließen und ihr in jeder Beziehung, außer der des Glaubens, sich amalgiren müsse. Da aber, wo verschiedene Nationalitäten in einander gekeilt sind, und ein Streit der Nationalitäten lebhaft entbrannt ist, da ist es nothwendig, daß auch die Juden so lange eine gewisse Selbstständigkeit sich wahren und stärken müssen, bis der Streit geschlichtet und das Gleichgewicht hergestellt ist. Sie müssen dies, um nicht der Spielball jeder Laune, jeder Bewegung, um nicht der Gegenstand der Verachtung zu sein, um eine gewisse Bedeutung im Kampfe der Nationalitäten zu haben, die ihnen die Achtung und Berücksichtigung der streitenden Parteien sichert. Wer innerhalb eines solchen Kampfes ganz ohnmächtig undunselbstständig erscheint, der ist der Gnade jedes Siegers preisgegeben. Von diesem Gesichtspunkte haben wir in den Kämpfen der deutschen und polnischen Nationalitäten die Stellung der Juden zu beurth eilen. Im Allgemeinen müssen wir aber als den leitenden Gedanken der Juden in allen solchen Ländern hinstellen und mit aller Kraft empfehlen: „Stellet Euch überall auf die Seite der Kultur und Gesittung!" Posen, 1. Februar. In der gestrigen außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung handelte es sich um eine wichtige städtische Angelegenheit. Ein an die Versammlung abgegebenes, mit außerordentlich vielen Unterschriften bedecktes Gesuch jüdischer Einwohner stellt das Verlangen, die Kommunalbchörde zu veranlassen, daß dieselbe, nachdem in Folge der Verfassung vom 5. Dezember die bisherige jüdische Korporation sich aufgelöst, den Vertrag vom 12. Mai 1842 für aufgehoben erkläre und die Pflege der jüdischen Ortsarmen hinfort übernehme. (In jenem Vertrage hatte sich die Korporation gegen ein jährliches Averstonalquantum von 1750 Thalern verbindlich gemacht, die jüdische Armenpflege für ewige Zeiten ganz

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