Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1849)
- Date
- 1849-02-12
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
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88 nehmigung bedarf, so ist Letztere um so weniger zur Bewilligung des vorübergehenden Aufenthalts für jüdische Gewerksgehilfen rc. erforderlich. Die königl. Regierung wird hiervon zur Nachachtung in Kenntniß gesetzt. Berlin, den 13. Dezember 1848. Ministerium des Innern. Erste Abtheilung, v. Puttkammer. Es ist dies allerdings ein abermaliger Akt in Konsequenz der Gleichstellung, von dem wir gern Kenntniß nehmen. Es wäre demnach, wenn erst die deutschen Grundrechte in Preußen Gesetzeskraft erhalten hätten — und dies ist freilich noch nicht der Fall — die Freizügigkeit der Deutschen unsers Glaubens auch in Preußen keinem Zweifel mehr unterworfen. Berlin, 2. Februar. (Privatmitth.) Wenn auch äußerlich das alte Regime zu Ende gegangen zu sein scheint, wenn an die Stirn der Staatsmaschine die Grundsätze der Toleranz und Gleichstellung geschrieben sind — mögen wir uns nicht täuschen, wenn wir diesem äußern Schein noch nicht trauen. Im März vorigen Jahres fiel auch einmal die Freiheit vom Himmel herunter — die Freiheit, welche in der „Selbstregierung des Volkes" ihren Hauptinhalt hat — nun, das Volk selbst hat sie nicht verstanden, und ward so eine Zeitlang die Beute der leichtsinnigsten und umsturzsichtigsten Anarchisten, dann aber der eingefleischten Reaktionärs. Man gehe nur hinaus in die Provinzen, und lasse sich nicht von dem, bei jeder Gelegenheit erhobenen Siegesjubel der Demokraten täuschen — das Volk in seinen größten Theilen ist der Reaktion hingegeben, und diese Richtung des gcsammten Staats- und Volkslebens wird sich immer deutlicher kund geben. Die neuen Kammern werden gegen die aufgelöste Nationalversammlung ungeheuer rechts stehen, die Gesetze werden daher ganz rechts verlaufen, und aus diesen Gesetzen werden die zukünftigen Ministerien Auslegungen machen, welche ziemlich in den alten Zustand hineinlaufen. Von einer Umgestaltung, vom Geltendwerden neuer Lebensgrundsätze für den Staat ist daher nur im Traume die Rede. Es bleibt der alte büreaukratische Staat, nur mit dem Scheinkonstitutionalismus als fünftem Rade am Wagen. „Trennung der Kirche vom Staate, Trennung der Schule von der Kirche" — Papier und Wort. — Allerdings hat nun die Gleichstellung der Konfessionen das vor jener, vom Himmel gefallenen Freiheit voraus, daß sie schon seit Jahrzehenden sich der Idee nach heimisch gemacht in der Welt, und durchaus das Wunderkind nicht ist, das, nachdem cs sich auf Erden umgesehen, und gefunden, seine Stätte sei nicht hinieden, schnell wieder davon geeilt. Es ist demnach diese Gleichstellung auch sofort als ein sich von selbst verstehendes angenommen worden, und unterlag keiner Bestreitung mehr; ich glaube nicht, daß die neuen Kammern sie in Frage stellen werden. Aber diese Gleichstellung wird eben nur insofern sich verwirklichen, als sie im alten Staate Platz hat; was von ihr da nicht hineinpaßt, das bleibt draußen. Dessen sei man gewiß. Also Freizügigkeit, völlig freies gewerbliches Leben, völlige Geltung im Kommunalleben; hie und da auch ein Staatsamt, das sich dem Gange der Beamtenkarriöre nach nicht verweigern läßt. Weiter aber Nichts. Im Uebrigen werden die Juden — nur auf Hindernisse stoßen, und auf Nichts als Hindernisse. Für die Juden ist einer der Hauptzweige — das Lehrerfach. Man vergesse nicht, daß die Juden eigentlich auf dem Markte des Lebens als Spätlinge eintreffcn. Man hatte ihnen ein Jahrtausend nur den Trödel gestattet; nun eröffnete man ihnen das ganze Leben — aber sie kommen zu spät, sie finden Alles besetzt. Der Landbau ist ihnen im Allgemeinen verschlossen. Der Landbau ist es vor Allem, der auf Geburt, Erziehung, Gewohnheit und Besitz sich gründet, und wo diese fehlen — da sind sie unersetzlich für den Landbau. Es können Einzelne durch Zufall sich ihm zuwenden, im großen Ganzen kann die Richtung dahin prinzipiell nicht gegeben werden. Die höhere Beamtenwelt wird ihnen nicht geöffnet, das Militärwesen bleibt ihnen verschlossen, da man sie höchstens im Kriege avanciren lassen wird. Als ein neuer Lebcnszweig kann sich ihnen daher höchstens das Lehrerfach darbieten. Aber gerade hier wird es sein, wo Regierung und Volk sich vereinigt finden werden, um den Juden unübersteigliche Hindernisse zu schaffen. Welche christliche Ortsgemeinde wird sich entschließen, einen Juden als Lehrer anzustcllen? Wie wird sich die Regierung bewogen fühle«, einen Juden als Lehrer vorzupoussiren? Es werden demnach höchstens nur Nebenstellen an größeren, komplizirten Anstalten sein, welche den Juden zugänglich sein werden. Wie aber? glaubt man, daß das alte Regime mit seinen pietistischen Grundsätzen, da es uns überall seine alten Werk-