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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-12 · Heft 7 (12.2.1849) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 7 (12.2.1849)
Date
1849-02-12
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 Sekts, Gleichgiltigkeit anderer Seits. Aber wir werden zu ihm sagen: es wird desgleichen in Eurem Lande sein» wenn wir »ach den Deutschen rrccheilen Wen, die sich, iy. Frankreich nirde^MKn, ujtf» die in her Uegek die gleichgiltigsten, ja die sind, welche sich am Meisten Atkem, was israelitisch ist, entgegensetzen. Und man könnte hoffen, daß im Schooße Deutschlands die politische Emanzipation den geistigen Interessen des Judenthums mehr Raum gewahren würde? Das scheint uns sehr zweifelhaft."*) Wo wäre denn nun die Aussicht einer Aushilfe? Auf wen soll man seine Blicke richten? Auf unsere Jugend? Jedermann steht das Trostlose da ein. Unsere wissenschaftlich gebildete Jugend ist, mit geringen Ausnahmen, dem Atheismus, dem modernen Heidenthum verfallen. Was hiervon eine Ausnahme macht, das hält sich lediglich an das Dogmatische, das es aus dem Judenthum geschöpft, und läßt die positive Erscheinung bei Seite liegen. Auf das Alter? Das ist entweder in der Uebung der orthodoxen Formen ergraut, und trägt sie als Etwas, was zu feinem Leben gehört; oder es gehört jener Zeit an, die nur eine ästhetische Bildung kannte, und in dieser, ohne Inhalt, einem passiven Deismus huldrgte, der eben noch einen Gott duldete, aber Nichts weiter. Auf unser Mannesgeschlecht? Was von diesem nicht ganz allein dem Materialismus, dem Handel und Gewerbe ganz ausschließlich gehört, das lebt und webt in der Polstik. Und diese politrschen Händel werden wir viele Jahrzehende nicht los werden, denn sie haben ja erst begonnen. So wie die Sachen jetzt stehen, haben wir nur eine langsame, mühsame politische Entwickelung zu erwarten, die Schritt vor Schritt errungen sein will, und welche mittlerweile alle anderen Bestrebungen tusGeistes absorbirt. Wir haben also Nichts, als Politik auf der einen, die schwer bedrohte materielle Existenz auf der andern Seite — und zwischen diesen wird Alles zerfallen, was sonst geistiges Eigenrhum des Menschen ist, Religion, Wissenschaft, Kunst. Fürwahr! es geht feit langer Zeit ein Klang durch die zivilistrte Menschheit, der schon oft genug grell in unsere Ohven drang, der Ruf: es geht mit den positiven Religionen zu Ende! Dieser Ruf ließ langst manche Befürchtungen in dn Brust des aufmerksamen Beobachters erstehen, und ist nicht auf diesem Gebiete ein Zweifel schon eine hakbe Niederlage? Es ist nicht blos der Haufe der s. g. Gebildeten, d. h. derer, welche das Gift der zersetzenden Bildung in sich ausgenommen, ohne daß sie darr Honig der gestaltenden, der schöpferischen Bildung §skcHet, es ist schon der große, wirre Hause der Masse, welcher den Gegensatz zur positiven Religion in sich ausgenommen. Allerdings sind die Träger der positiven Religionen, ist die ganze Gestaltung derselben Schuld daran. Nachdem das Mittelalter die positiven Religionen mit zu vielem Aberglauben, mit zu vielem Wust durchknetet hatte, wollten sie sich nirgends bequemen, zur rechten Zeit die Verunstaltungen hinwegzuräumen; sie ließen sich stets erst vom Leben zwingen, aufzugeben was gar nicht mehr zu halten war; sie haben die Menschheit dumm erhalten oder immer wieder von Neuem verdummen wollen. Dies geschah in allen positiven Religionen. Die Mahner, die zur rechten Zeit auftraten, wurden verketzert, und wenn man sie nicht wie Huß verbrannte, so verfolgte man sie doch im Kleinen und Großen. Da kam denn alle Reformation zu spat, und jede Reformation behielt des Todten so vieles in sich, daß mit ihr doch nichts Wesentliches geschehen war, und der Kampf immer wieder von vorn ansing. So war es in der Kirche wie in der Synagoge. Jetzt ernten wir die Früchte davon, indem immer mehr Theile der Menschheit aller positiven Religion und aller Positivetät der Religion den Rücken zukehren. Jndeß halten wir den Jubelruf' der Gegner doch für zu früh. Und warum? Weil sie der Menschheit gar Nichts zu bieten haben. Machet Euch nur groß mit Eurem metaphysischen Kram, werfet mit Euren großen Worten von „neuer Weltanschauung" um Euch — da überall Nichts darin ist, und was dann ist, doch nur eine Herübernahme aus den Schätzen der positiven Religion, und eine willkürliche, eine, der ihr vergebens die Grundlage der Sophistik zu geben versucht: so bleibt das Herz leer und der Geist unbefriedigt. Denn neben Eurem künstlichen Bau fühlt das Herz immer noch Etwas schlagen, was in jenem keine Stelle hat, und der Geist denkt immer noch Etwas, was von Euch nicht erklärt und nicht gegeben ist. Aber die Menschheit muß Etwas haben, sie kann ohne dieses nicht sein. Es ist schlimm, daß die Geschichte uns lehrt, daß, wenn erst die Menschheit in ihrer Maffe des Nichts überdrüssig geworden, sie sich immer gerade dem krassesten Aberglauben in die Arme wirft. Einen solchen Rückschlag hat die Menschheit schon mehr als einmal durchgemacht. -Das fühlt ein Jeder, der mit allen Herzens- *) Arch. isr. de Fr. p. 102.

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