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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-05 · Heft 6 (5.2.1849) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 6 (5.2.1849)
Date
1849-02-05
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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8» setze. Da diese Bortrage nur einen Lheil der in dem Kommissionsbericht enthaltenen Punkte erledigten, so hielt sich die Bersammlung an den Bericht, und ohne irgend erhebliche Diskussion wurden die obigen sechs Paragraphen einstimmig angenommen, dann auch mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit der übrige Theil des Berichts dem Senat zur Einleitung der betreffenden Maßregeln überwiesen. Trotz der Einstimmigkeit der Versammlung hielt es 0r. Reinganum „wegen der Wichtigkeit des Gegenstandes" für seine „Pflicht", noch nachträglich die namentliche Abstimmung zu begehren: Die Operation nahm eine weitere Viertelstunde hinweg und es bedarf nicht der Bemerkung, daß sie die Einstimmigkeit der 113 Anwesenden bestätigte. — Wir sagen dem vr. Reinganum dennoch unfern Dank, denn — die Einstimmigkeit wurde dadurch über allen Zweifel hinaus konstatirt. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. ii. Hamm, im Januar. Die Rabbiner in ihrem gegenwärtigen Verhältnisse zu den Gemeinden. Die allgemeine Bewegung, welche die Zustande und Verhältnisse unserer Zeit ergriffen, kann auch das Judenthum nicht unberührt lassen. Wie in politischer Hinsicht, wird es auch rücksichtlich seiner kirchlichen und religiösen Zustande in eine andere Phase gedrängt. Nicht daß der Neubau einer Religion unternommen werden sollte, mit verändertem Lehr- und Glaubensinhalte, welcher dem Judenthum als von Ewigkeit her überkommen, sondern daß die Ideen immer mehr zur Geltung gebracht werden, für welche das Judenthum seit Jahrtausenden gekämpft und geduldet, daß die Formen seiner Gesetze von dem Roste gereinigt werden, welcher seit der Reihe von Jahrhunderten sich ihnen angesetzt, in denen die israelitische Kirche unter Hohn und Schmach gelebt, daß die Personen zu ihr zurückgeführt werden, welche durch den Druck der Vorzeit derselben entfremdet worden. Es soll kurz — eine Regeneration des Judenthums bewirkt werden, nachdem durch die niederdrückende Macht früherer Gewalten so viele seiner reichen Lebenskräfte erschlafft sind. Dazu ist es nöthig, die vorhandenen Zustände einer Betrachtung zu unterwerfen. Wir wähle« da zunächst das gegenwärtige Verhältniß der Rabbiner zu den Gemeinden, indem hiermit das oberste und unterste Ende des jüdischen Kirchenwesens zugleich berührt wird. Wir vermögen nicht zu leugnen, daß dies Verhältniß nicht das beste, nicht ein Solches ist, wie es gewünscht und für nothwendig erkannt werden muß. Ein großer Theil des erforderlichen Vertrauens zu den Rabbinern ist verloren gegangen. Ja in manchen Orten haben Berathungen über die Möglichkeit ihrer Amtsentsetzung und die völlige Entbehrlichkeit der Rabbiner stattgefunden; mit Zaudern wendet man sich fast allrvärts an neu anzustellende. Und doch ist es nicht möglich, daß ohne Rabbiner eine Bewegung und der Fortschritt im Judenthum bewirkt werde. Man verkenne das Sachverhältniß nicht. Wir stimmen am Allerwenigsten dafür, die religiöse Angelegenheit des Judenthums den Rabbinern allein in die Hände zu geben. Wir haben uns früher schon dafür erklärt, daß alle Bewegung vom Volke ausgehen müsse, da sonst keine Kraft das ruhende und vom Volke verlassene Schiff des kirchlichen Lebens von der Stelle zu bringen vermöge. Aber man tausche sich auch andererseits darin nicht, daß der Volkswille allem nicht fähig ist, die erwünschten Zwecke zu erreichen, sondern noch die Mitwirkung eines andern, ebenso wichtigen Faktors erfordert: der Wissenschaft; wir meinen: der spezifisch jüdischen, welche in dieser Zeit fast ausschließlich im Besitz der Rabbiner ist. Denn der gelehrten Laien werden immer weniger. Früher war dies anders, als die Pflege jüdischer Gelehrsamkeit und Religionswissenschaft Gemeingut fast aller Juden war. Aber selbst wäre auch noch unter Laien reichliches jüdisch-theologisches Wissen zu finden, so macht die Praxis, die aus ihrer Amtswirksamkeir gewonnene Erfahrung die Rabbiner dennnoch unentbehrlich, und zwar nicht blos für den Augenblick bei der Berathung neuer Reformen, sondern ebenso sehr für die Folge zur Leitung und Handhabung des Gottesdienstes, wie auch zur Pflege der jüdischen Religionswissenschaft. Zwar sind diese Zustande vielfach durch die allgemeine Irreligiosität bedingt und den kirchlichen Jndifferentismus hervorgerufen, welcher namentlich unter den Juden Biele beherrscht, aber nicht minder hat zur Erzeugung derselben sowol die Verkennung der Rabbiner, ihrer Stellung und Bedeutung, wie eine vielseitig gemißdeutete Thatenlosigkeit derselben Seitens des Volkes mitgewirkt. Was zunächst

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