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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-02-05 · Heft 6 (5.2.1849) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 6 (5.2.1849)
Date
1849-02-05
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 nicht so, und wol mit Recht. Wenn der Jubel kein so großer ist, so rührt es am Meisten daher, daß mit Ankündigung dieses Gesetzentwurfs die Grundrechte des deutschen Volkes faktisch nicht anerkannt sind, zudem ist der Grundrechte in der ganzen Thronrede mit keinem einzigen Worte Erwähnung gethan. Und was noch mehr, selbst vom Verhältnisse zu Deutschland ist durchaus nicht die Sprache; ob das gerade jetzt am Platze ist, mag dahingestellt bleiben. Die Adresse der Deputirten an den König wird sich wahrscheinlich genauer über diese Dinge aussprechen. Darüber nächstens. Wien» 6. Januar. Aus einer neuen Völker- und Länderkarte von Oesterreich, die von der Regierung besorgt worden ist, ziehen wir folgende Notizen. Aus Oesterreich werden keine Juden angegeben (und Wien?); in Steiermark, Kärnthen und Kram wohnen keine; im Küstenland unter 489,946 Ew. 3490 Juden; ausTyrol werden keine aufgeführt (Hohenems?); in Böhmen unter 4,347,444 Ew. 70,037 Juden (also circa der 62ste Mensch); in Mähren und Schlesien unter 2,263,021 Ew. 40,064 Juden (also ca. der 56ste); in Galizien, Bukowina und Krakau unter 5,255,621 Ew. 346,702 Juden (also ca. der IZste); in Dalmatien unter 404,640 Ew. 410 Juden (also nicht ganz der 1000ste); aus der Lombardei werden keine angeführt (und doch wohnen welche da); aus Venedig (Provinz) unter 2,257,200 Ew. 4760 Juden (also ca. der 500ste); in Ungarn unter 11 Millionen Ew. 260,000 Juden (also ca. der 42ste); in Siebenbürgen unter 2,383,880 Ew. 7000 Juden (also ca. der 340ste); in der Militärgrenze unter 1,091,748 Ew. 532 Juden. Aus dem Militär wird die Zahl der Juden, die bedeutend ist, nicht angegeben. Zusammen unter 37,662,135 Ew. 740,256 Juden (also ca. der 53ste Mensch, während in Preußen nicht ganz der 70ste angenommen wird.) Wien, 15. Januar. Nach dem Beispiel« der drei Erzbischöse von Wien, Olmütz und Salzburg wird die katholische Geistlichkeit Tyrols nächstens einen Protest gegen jene Paragraphe der Grundrechte einlegen, welche von den religiösen Angelegenheiten handeln. Wien, 23. Januar. Aus einem leitenden Artikel im gestrige Lloyd geht hervor, daß das Ministerium den 8-16 der Grundrechte — die Religionsverschiedenheit begründet keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger — ohne Vorbehalt und Rückhalt bevorwortet; hingegen der 8- 15 in Bezug auf neu anzuerkennende Religionsgenossenschaften (Deutschkatholiken) auf ministerielle Opposition stoßen werde. Berlin, 29. Januar. Unsere Wahlmännerlisten zeigen eine überraschend große Zahl jüdischer Namen. Es soll der 171« Theil der Wahlmänner Juden sein, während die Juden den 40sten Theil der Bevölkerung ungefähr ausmachen. —. Die Voss. Ztg. enthält folgende Erwiderung gegen den in vor. Nr. von uns mitgetheilten und bekämpften (ministeriellen) Artikel: Aus dem leitenden Artikel der Vossischen Zeitung in No. 15. erfahren wir, daß die Gesetzgebung es sich zur Aufgabe macht, die Verfassung auch in Bezug auf die jüdischen Einwohner zu einer lebendigen Wahrheit werden zu lassen, d. h. denselben überall die gleiche Berechtigung zuzugestehen, welche der alte Staat aus der Konsequenz des Prinzips.ihnen strenge versagte! — Die Vorlagen zum vereinigten Landtage bekunden dies, und hierin sollte man schon die Beantwortung der im vorerwähnten Aufsatz dann folgenden Ausführungen von selbst finden, da aus jenen Prämissen die Motive der regem Theilnahme der jüdischen Bürger an den politischen Fortschritten der Zeit sich genügend erklären. Wer ohne Grund gedrückt ward, wer wegen seines religiösen, nicht wegen seines Bildungsgrades, gewissermaßen geistig gebrandmarkt wurde, und zwar von einer Seite her, auf welcher man ein Stehen über den Parteien, nur Abwägen des innern Werthes des Menschen voraussetzen mußte, der wird wol die Hand, die ihn so lange unverschuldet niederhielt, die ihn der Nicht- oder doch Minderachtung seiner Nebenmenschen preisgegeben, nicht sogleich küssen, der wird die ihm gereichten Gaben nur mit Vorsicht annehmen — zumal wenn nur durch unfreiwillige Motive eine Aenderung der Ansichten herbeigeführt worden; er müßte denn wirklich der des Selbstbewußtseins entbehrende, entwürdigte Sklave sein, für welchen man bis dahin ihn gelten lassen wollte. Wenn daher den Juden aus jener Zeit ein bitte-

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