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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-29 · Heft 5 (29.1.1849) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 5 (29.1.1849)
Date
1849-01-29
Page
Seite 70 (sequence 14)
Language
German
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70 in die junge Brust zu verpflanzen, er wollte ihn nur Hinweisen auf die Quelle seines Unglücks. Denn in ihm stand es fest, der Fürst hätte seiner nicht entbehren können, wenn Juda ihm nicht ein willkommnes neues und geschmeidigeres Werkzeug dargeboten hatte. Unter solchen Einflüssen entwickelte sich der junge Abraham sehr eigenthümlich. Seine natürliche Geistesanlage und die unaufhörliche Uebung wetzte früh seinen Scharfsinn und stählte seinen Verstand; aber die Entbehrungen, denen er unterworfen war, der Tod der Mutter, die Düsterheit des Vaters, der wenige Umgang, diese weckten ebenso früh eine unendliche Sehnsucht, deren Gegenstand Nichts war, und die dennoch in ihm lebte und webte. Das weckte den Funken der Dichtkunst früh in ihm, und noch hatte er nicht die geringste Regel der Metrik kennen gelernt, als sich seine Seele schon in Dichtungen ergoß, die bald in den mannichfaltigsten Formen und Farben erschienen. Trotz der Abgeschlossenheit ihrer Lebensweise konnte es nicht ausbleiben, daß sich bald der Ruf des Wunderknaben verbreitete. Als Abraham dreizehn Jahre geworden, und nach jüdischer Sitte einen öffentlichen Vortrag hielt, der sogar durch Einreden einiger Gelehrten zu einer freien Disputation ward, erregte er eine seltene Bewunderung. Gedichte und Aufsätze von ihm zirkulirten bald in Abschriften. War des Vaters Reichthum geschwunden, so war doch die Erwartung von seines Sohnes Leistungen gestiegen. Aber bald darauf legte sich auch der Vater zum Sterben, und verschied in den Armen des Sohnes, mit sich nehmend die Anklage eines unverschuldeter^?) trübseligen Lebensendes. Er hatte seinen Haß gegen Juda Hallevi nicht zurückgenommen. Doch des Knaben Herz kannte diesen nicht. Wol stand es in ihm fest, daß Juda diesen Haß nicht verdient habe, aber ebenso fest hielt er den Glauben, daß der Geist seines Vaters ihm verböte, sich Juda Hallevi zu nahen. Der Vater hatte ihm so gut wie Nichts hinterlassen. Aber der Jüngling, der so wenig bedurfte und so früh selbstständig geworden, konnte seinen Unterhalt leicht durch Unterricht gewinnen, der sehr gern von ihm entgegengenommen wurde. Nichts desto weniger ertheilte er nur so vielen, wie es gerade mußte, seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sich möglichst seinen Studien nicht zu entziehen. Längst war der Hof von Toledo nach Kordova verlegt, längst Juda Hallevi diesem dahin gefolgt, so daß dieser die Verhältnisse von Toledo ganz aus den Augen verloren. In Toledo hatte Abraham mit den Jahren einen sich vergrößernden Ruf erlangt; seine öffentlichen Vortrage wurden stets mit dem größten Erfolg gekrönt; er begann seine schriftstellerische Laufbahn, und hier war es der Lorbeer des Ruhmes, der bald seine jugendliche Stirn umkränzte. Philosophische Abhandlungen in arabischer Sprache, exegetische Arbeiten in hebräischer Schrift, und Gedichte in beiden folgten sich rasch, und verschafften seinem Namen einen schönen Klang fast über dieGrenzen Hispanien's hinaus. Schon wurde sein Name neben dem Juda Hallevi's mit Nachdruck genannt. Die beiden Geschlechter begegneten sich noch einmal auf dem Felde des Ansehens. Dabei war er immer noch der arme, allein stehende Jüngling, der den besten Theil seiner Gefühle in sich verschloß. Aber eine neueZeit der Prüfung sollte über Abraham kommen. Ein entfernter Verwandter seines Vaters, von gleichem Namen, hatte vor einiger Zeit irgendeines Vortheils wegen, seine Religion verleugnet und den eifrigen Christen gespielt. Dann aber ließ er sich in Verbindungen mit den Mauren ein, und hatte einen höllischen Plan angelegt, um Toledo in die Hände der Muselmänner zu spielen. Der Plan wurde vercathen. Aber der heuchlerische Urheber hatte einen Wink bekommen, und entzog sich rechtzeitig der gerechten Strafe. Darob wütheten der Fürst und das geistliche Gericht gegen die ganze Familie, konfiszirten all ihr Hab'und Gut und verbannten alle Glieder dieses Namens aus Toledo. Die Häscher fanden bei unserm Abraham Nichts, als einige vergilbte Bücherrollen. Aber tief gebeugt"'von der Schmach, verließ er, nachdem er seine Manuskripte zu sich gesteckt, seine Vaterstadt, und legte seitdem, wie es einem verbannten Flüchtlinge zukomme, seinen Familiennamen ab. Er wandte sich nachKordova, wohin er schon langst gewollt. Wenn nämlich das Geschick aus dem, innerlich sich kräftig fühlenden Menschen ein Gegenstand seiner Laune, seines Spieles zu machen scheint: dann gerade senkt sich ein unerschütterlicher Glaube an dieses Geschick in des Menschen Brust. Und diesem Glauben gesellt sich dann ein anderer, nämlich daß dieser ewige Wandel doch an ein ewiges Gesetz gebunden sei. Und dieses Gesetz zu erkunden ist dann das Streben des reichen, zuversichtlichen Geistes. In der Zeit, wo Abraham lebte, war es daher um so natürlicher, daß er sich gänzlich der Astrologie zuwandte, welche das ewige Gesetz des Geschickes an die von der Vorsehung bestimmte Bahn der Gestirne gebunden ansah und da aufzusinden verhieß. Die Geheimnisse dieser damaligen Wissenschaft mußten unfern Abraham um so mehr anlocken, als er die Quellen

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