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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-29 · Heft 5 (29.1.1849) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 5 (29.1.1849)
Date
1849-01-29
Page
Seite 69 (sequence 13)
Language
German
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69 Juda Hallevi führen sollte. Daß dieser das Gesuch einer Unterredung bewilligen würde, bezweifelte er nicht. Wenn man vor einem Augenblicke steht, den man nicht herbeigewünscht, der aber trotzdem gekommen/ vor einer Stunde voll entscheidenden Inhalts — und diese Stunde ist eine Stunde des Nachts, umhüllt von dem Schleier der Dunkelheit, den nur die Augen der Sterne durchschimmern: welche Gefühle bewegen da das Herz des Sterblichen, des Menschen, der in all seiner erträumten Stärke so schwach ist. An die Platane gelehnt, dicht in den Mantel gehüllt, blickte Abraham zurück in sein vergangenes Leben, und die mannigfaltigen Gefühle und Geistesbewegungen, durch die er geschritten, gingen vor seiner Seele vorüber. Folgen wir ihm, denn unsere Leser mögen wol längst wünschen zu erfahren, was einen so bedeutenden Mann fern hielt von dem bedeutendsten Zeitgenossen unter seinen Glaubensbrüdern, daß er erst durch die Umstände gezwungen werden mußte, sich ihm zu nähern. Abraham war zu Toledo geboren aus einer Familie, die dem jüdischen Stamme in Spanien bereits mehrere glänzende Namen, sowol für die Literatur, als auch durch Reichthum und Stand gegeben hatte. An seiner Wiege standen die Fülle und die Erwartung; jene an irdischen Gütern, diese, ob er das in dem Geschlechte wie vererbliche Talent von der Vorsehung ebenfalls erhalten habe. Er war das einzige Kind seiner Eltern, und der schon etwas bejahrte Vater Änd die noch jugendliche Mutter fühlten die innigste Seligkeit im Besitze des reizenden Knaben. Wem aber das Glück zu viel in die Wiege gelegt, traun! dem nimmt es viel. Abrahams Vater war sehr reizbarer Natur. Stolz auf den Glanz seiner Familie, duldete er ungern einen Nebenbuhier. Und sein Stern war im Untergange begriffen. Es war ihm ein Schiff mit kostbarer Ladung von afrikanischen Seeräubern genommen, und der Umfang seiner Mittel dadurch geschmälert werden. Dabei hatte sein Gebieter seine Gunst ihm abzuwenden begonnen, und beauftragte den eben aufstrebenden Juda Hallevi mit mehreren bedeutenden Geschäften. Das kränkte den ehrgeizigen Mann. Juda kam freiwillig zu ihm, und mit aller Zuvorkommenheit eines edeln Herzens bat er, mit ihm gemeinsam das Unternehmen zu betreiben: es werde ihm (Juda) dies doppelten Gewinn bringen, da seine Unerfahrenheit und seine ungenügenden Kräfte dadurch gesichert würden. Aber der Vater Abrahams wies ihn schnöde ab; er wandte sich vielmehr geradezu an den Fürsten; frug diesen, wodurch er Ursache zum Mißtrauen gegeben, und erinnerte etwas ungeschmeidig an geleistete Dienste in der Zeit der Gefahr. Wie unvorsichtig! Der Fürst zuckte mit der Achsel, meinte, Rechenschaft brauchte er Niemandem zu geben, und — verbot ihm den Hof. Das stürzte den Mann. Die Nachricht von seiner Ungnade verbreitete sich bald überall hin, Alles verließ ihn, sein Kredit sank. Um desto unvorsichtiger trat er hervor; er wollte das launischeGlück mit Gewalt feffeln; um desto größer« Glanz breitete er um sich aus, das erschöpfte sein Besitzthum. Er ward arm. Ha! wie das in dem leidenschaftlichen Manne wüthete, welcher Haß gegen den unschuldigen Juda, der vergebens sich ihm wiederholt zu nähern versuchte, in ihm glühte. Ach, sein edles Weib strebte vergebens ihn zu trösten, hielt umsonst ihm seinen, herrlich sich entwickelten Knaben entgegen — er wies Alles zurück, er frug höhnisch, was der Sohn des Bettlers in dieser Welt des Trugs und Scheines solle? Darüber brach ihr das Herz. Ihr letzter Blick war auf den, an ihrem ärmlichen Lager knieenben zehnjährigen Abraham gerichtet, ihr letztes Wort: „liebe Gott und deinen Vater!" ihre letzte Bewegung ein Segensdruck auf sein Haupt. Von da ab war Abrahams Vater ruhiger; er ging nur wenig aus; er beschäftigte sich allein mit dem Unterricht seines Sohnes; sein ungeheures, umfassendes Wissen theilte er ihm mit, aber mit Strenge und nach einem genau berechneten System, in welchem er keinen Punkt nachgab, und kostete es Tage und Nächte. Der Knabe schritt riesenhaft fort. Kein Gebiet des damaligen Wissens blieb ihm unbetreten. Nicht nur das ganze reiche Feld des Talmuds, der Midraschim und Rabbinen, auch das große Gebiet der arabischen Literatur und Wiffenschaft, das damals so herrlich blühte und so eifrig angebaut ward, und dahin selbst Griechenlands und Roms Schöpfungen durch Uebersetzungen übertragen waren, wurde durchwandelt. Selbst in die Tiefen der Astrologie weihete er ihn ein, und eröffnete ihm die Mysterien der Zahl. Aber keine Freude über die Erfolge seines Sohnes kam in das stelze Herz des Vaters; jede gemüthliche Regung blieb ihm fern; und wenn der Knabe einmal eine Frage an ihn richtete über die Verhättniffe seines Lebens, so hatte e'r nur eine kurze Antwort, und die lautete: Juda Hallevi ist daran Schuld! Es war, als ob er auch dazu zu stolz war, geflissentlich Haß gegen Hallevi

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