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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-29 · Heft 5 (29.1.1849) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 5 (29.1.1849)
Date
1849-01-29
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 beispiellosen Wühlereien zu untergraben trachten, und die den spitzfindigen Gedanken ausgeheckt haben, daß man die Abgeordneten bei ihrer Wahl zu einem Protest gegen die Verfassung, mithin zu einer Vernichtung derselben und zu einer neuen Revolulionirung des ganzen Landes verpflichten könne. Aus den Provinzen hört man bereits durch die Zeitungen, daß in gewissen Gegenden, wo die jüdischen Bevölkerungen dichter nebeneinander stehen, nur demokratische Kandidaten vom besten Wasser Aussicht haben werden für die Kammern aus den Wahlen hervorzugehen. Wo man in den Provinzen auf Emissärs stößt, welche jetzt in Umsturzangelegenheiten, das heißt nach ihrer Weise in Wahlangelegenheiten, das Land durchstreifen, kann man darauf rechnen, daß die Geschicktesten und Verschmitztesten unter ihnen Juden sind. Ein so überwiegendes Talent dem Staate zu schaden und gefährlich zu werden, wie cs sich vorzugsweise bei dem jüdischen Theil unserer Bevölkerung auszubilden angefangen, muß uns in der That stutzig machen und Betrachtungen aller Art wach rufen. Man hatte früher geglaubt, daß die politische Emanzipation die Juden eher konservativ als revolutionär machen werde: eine Ansicht, welche auf das betrieb- und erwerbsame Wesen des jüdischen Charakters vorzüglich basirt sein konnte. Aber die Erfahrungen der letzten Zeit scheinen diese Annahme zu Schanden machen zu wollen. Es versteht sich, daß der neue Staat sich in seinen konstitutionellen Verpflichtungen, welche er auch gegen die Juden übernommen, dadurch keinen Augenblick beirren lassen darf. Es ist vielmehr seine Aufgabe sich so unverrückbar fest auszubilden und hinzustellcn, daß er auch gegen die neuen Feinde, welche er sich durch seine Wohllhalen und durch seine Anerkennung der Volksrechte erworben, unangreifbar gesichert sei. Den jüdischen Agitatoren und Wühlern aber, in welchen Zentral-, Lokal-, Provinzial- und Bezirkskomitös sie auch ihren Sitz haben mögen, geben wir zu bedenken: daß sie nicht blos gegen den Staat (denn nach dieser Seite hin wollen wir schon mit ihnen fertig werden) sondern auch gegen die Gesammtheit ihrer jüdischen Glaubensgenossen eine schwere Verantwortlichkeit auf sich laden, indem sie die alten Vorurtheile der christlichen Bevölkerung gegen das Judenthum von Neuem aufreizen dürften. Der Staat kann sich nachsagen, daß er seinerseits zur Ueberwindung und Abwendung dieser Vorurtheile Alles gethan! —" So weit der Artikel in der Voss. Zeit. Wir können nicht leugnen, daß dieser geschicktest abgefaßte Artikel uns tief ergriffen hat. Aber er ist da, und muß beachtet werden. Das, was den Artikel ganz besonders charakterisirt, das ist freilich ein altes Lied, das jetzt nach einer neuen Weise gespielt wird. Es ist die Solidarität, die man immer wieder von einigen Juden auf alle Juden wälzt, und das alte Vorurtheil, welches man immer wieder von Neuem schärfen will.— Zuerst muß man vom Abfasser dieses Artikels den Beweis der Wahrheit für seine Behauptungen fordern. Wir geben zu, daß sich Juden an der Agitation betheiligt haben und betheiligen. Nun, warum sollen Juden nicht darunter sein? Unter einer großen Masse finden sich Leute jeden Schlages. Wie aber, wenn sich solche jüdische Agitatoren auch unter denen, die für die Aristokratie werben, befinden? Es wird dies behauptet. Wir kennen die Agitatoren beider Art nicht. Wir halten aber diese Behauptung so lange für ebenso wahr, wie das Gegentheil nicht erwiesen wird. Wir .haben wenigstens unter konservativen Wahlprogramms ebenfalls jüdische Namen bemerkt. Wenn sich also Agitatoren aus jüdischem Stamme unter beiden Parteien finden, wie will man es zum Verbrechen stempeln, wenn sie nicht allein der konservativen Seile angehören? In einer Zeit, wo das Volk, das ganze, in zwei schroff gespaltenen Parteien sich gegcnübersteht, wie will man da von den Juden verlangen, daß sie Allesammt auf der einen, auf der beliebten Seite stehen? ja, daß sie Allesammt auf der Seite stehen sollen, welche die Juden zu aller Zeit am Schlechtesten behandelte und am Meisten zurückstieß, welche, wenn sie es vermöchte, noch heute deren angebornes Recht ihnen vorenthalten würde? Des Pudels Kern ist: wir haben die Juden emanzipirt, und erwarteten nun, daß sie auf unserer Seite stehen würden — dann hat man die Juden so niedrig angeschlagen, daß, mit der Erlangung ihrer bürgerlichen Rechte sie sofort alle anderen Bestrebungen, jede andere Ueberzeugung wegwerfen und zu den „Befriedigten" gehören würden. Die Gleichstellung hat bei den Juden das nicht überwunden, was in ihnen lebte, und so gehören sie — beiden Seiten an. Der Abfasser des Artikels droht: zwar der Staat kümmere sich nicht darum, aber die Bevölkerung würde das alte Vorurtheil erneuen. Wie? sind denn die

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