Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1849)
- Date
- 1849-01-29
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 am Strengsten verschlossen hielt, wir meinen die unbedingte Aufnahme der Juden in die Reihen unserer Volks- und öffentlichen Lehrer. Wir haben somit unserer jüdischen Bevölkerung den bisher ausschließlichen christlichen Staat in allen seinen Räumen eröffnet, wir haben den Juden nicht nur die allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte und den konstitutionellen Antheil an der Gesetzgebung und an der Mitwirkung zum Staat gewährleistet, sondern wir haben ihren Händen auch die heiligsten Pfänder unserer Gesittung und Nationalbildung, die Volksschule und den wissenschaftlichen Unterricht zu vertrauen angefangen *). Ich frage, ob der neue Staat vorurtheilsfreier und hingebender handeln konnte gegen einen Theil seiner Bevölkerung, dessen reiche Gaben und Vorzüge man nie verkannt hat, der aber selbst auf das Zäheste und Widerstrebenste eine nationale Ausnahmestellung in unserm Staate festzuhalten strebte und dessen angesehenste Vertreter noch bis in die letzte Zeit hinein uns oft genug wiederholt hatten: daß das eigentliche Vaterland der Juden Jerusalem sei und bleibe, und daß die Zukunft der Juden auf eine Wiederherstellung des Königreichs Jerusalem gerichtet sei!**) Die Verfassungsurkunde des 5. Dezember, welche in der treuen Erfüllung des königlichen Wortes zugleich eine große und allseitige Versöhnung aller Richtungen und Elemente des Staatslebens bezweckte, konnte auch die gleichgestellte Zugehörigkeit der Juden zu unserm Staat in keiner Weise wieder in Frage setzen wollen. Der neue Staat mußte annehmen, daß er die Juden, denen er den bürgerlichen Heerd gesichert, denen er ein Vaterland gegeben***), die er mit den Heimaths- und Vcrtrauensbanden der Nationalität an sich zu schließen gesucht hat, nun auch unter den Reihen seiner besten Bürger künftig erblicken werde! ff) Es ist eine befremdliche und alle Berechnung der Politik wie *) Das „wir" bezeichnet die Quelle des Artikels. Redakt. **) Welche schamlose Lüge! Wer sind die Vertreter des Judcnthums, die Solches versichert haben? Die ehemaligen Staatsministec Thile und Eichhorn auf dem vereinigten Landtag! Redakt. ***) Ein Vaterland giebt Niemandem eine Verfassung, das giebt Jedem — Gott! Redakt. ff) Was nennt dieser Artikel „beste Bürger"? Und warum sollen gerade alle Juden lauter solche beste Bürger sein? Wer kann dies fordern? Redakt. der Humanität niederschlagende Thatsache, das dies keineswegs in dem überwiegenden Grade, in dem man es erwarten durfte, eingetroffen zu sein scheint. Das eigenthümliche korrosive Oppositionsgift, welches früher vorzugsweise mit dem Beinamen des jüdischen bezeichnet zu werden pflegte, scheint dem Staat und der Gesellschaft auch jetzt nicht erspart werden zu sollen. Viele unserer jüdischen Mitbürger glauben, nachdem sie unbedingte Aufnahme in den Staat gefunden, ihre ersten Bürgerthaten wieder darin suchen zu müssen, daß sie die Existenz des preußischen Staats aus das Spiel setzen helfen, und sich bei allen möglichen Schritten und Versuchen betheiligen, welche nur dazu dienen können, die Grundfesten unseres Staatslebens abermals anzunagen und zu zerfressen. Schon den Sommer über hatte die berliner Straßendemokratie, und was mit ihr zusammenhing und aus ihr folgte, gerade an Juden ihre Träger und Organe gefunden. Für den wohlgesinnten, an dem neuen Staatsverbande und dem König aufrichtig Hangenden Juden mußte es eine schmerzliche Erfahrung sein, gerade seine Glaubensgenossen überall da in der vordersten Reihe thätig zu erblicken, wo es sich darum handelte, den Staat aus seiner ordnungsmäßigen Bahn wieder herauszuwerfen, seinen gesetzlichen Wiederaufbau zu hindern und seinen Stand von jenem gefährlichen Volte-Schlagen der anarchischen Parteien abhängig zu machen! Wenn jüdische Agitatoren ein besonderes Talent entwickelt haben, auf die Zerrüttung zu spekuliren und den moralischen und politischen Staatsbankerott herbeizuführen, so konnte dies eine zufällige, mit dem jüdischen Charakter gar nicht zusammenhängende Erscheinung sein. Die Erscheinung hat sich aber auch jetzt wieder in einem überraschenden Maaße gezeigt, nachdem die Verfassungsurkunde des 5. Dezember den Abgrund der Revolution geschlossen und auf der breitesten und unzweifelhaftesten Grundlage die Rechte des Volkes in allen Kreisen des Staatslebens verbrieft hatte. Die Wahlkomitös, welche sich seitdem besonders in der Absicht gebildet, der Giltigkeit der Verfassung und ihrer Einführung entgegen zu wirken, sind in der Hauptstadt sowol, wie in den Provinzen vorzugsweise voll Juden gestiftet worden, wie die bekannten Namen, welche sich unter ihren Manifesten und sogenannten Programmen unterzeichnet finden, offenkundig aufzeigen. Jüdische Agitatoren sind es, welche auch das Verfassungswerk des 5. Dezember durch ihre