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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-22 · Heft 4 (22.1.1849) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 4 (22.1.1849)
Date
1849-01-22
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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52 faffung vom Amte der „Religionsdiencr". Dieser aber tritt zuerst mit vollem Rechte entgegen, daß auch die Religionsdiener vor Allem Bürger sind, und jeder bürgerlichen Pflicht weder entzogen, noch in der Ausübung eines bürgerlichen Rechtes beschränkt sein dürfen. Jener sentimentalen Auffassung tritt aber ebenso die wahre Auffassung vom Standpunkte der Religionsdicner entgegen. Die Lehrer der Religion haben nicht blos die Vergebung der Sünden, sondern ebenso sehr die Erkenntniß der Sünden, ohne welche eine Vergebung nicht möglich ist, zu bewirken; sie haben ebenso sehr die Gerechtigkeit Gottes in der Bestrafung jedes Frevels, wie die Barmherzigkeit Gottes in der Vergebung dem Reuigen und Bußfertigen einzuprägen; sie sollen ebenso sehr Diener des Rechts wie der Liebe sein; und so müssen sie gerade das Schuldig des Verbrechers zu erforschen und festzustellcn suchen, bevor sie das: es ist dir vergeben! verkünden dürfen. Sehen wir aus unsere heilige Schrift, welche die unnatürliche Trennung des Rechts und der Liebe, die falsche Spaltung des religiösen und bürgerlichen Rechts, des menschlichen und göttlichen Gerichts nicht kennt: so sehen wir, daß vorzugsweise die Religionsdiener, die Priester und Leviten, mit der Handhabung des Gerichts betraut waren; allerdings sollten die Aeltesten und die ganze Gemeinde die Richter sein, aber die Diener der Religion, als Träger der Lehre und Kundige des Gesetzes, waren besonders dazu berufen. Es ist Zeit, daß solche Unterschiede zwischen Geistlichen und Laien gänzlich aufhören. Man klagt immer über geistlichen Hochmuth und hierarchische Herrschaft, und ruft sie selbst immer wieder hervor. Frankfurt am Main, 11. Januar. Nachdem in.Württemberg und Kurhessen bereits die deutschen Grundrechte gesetzlich publizirt sind, ist dies heute auch für Frankfurt geschehen. Damit ist die Gleichstellung der Juden ausgesprochen, und so hat uns das neue Jahr bereits mit dieser in den beiden s. g. freien Reichsstädten Lübeck und Frankfurt beschenkt. Soeben geht aus Oldenburg die Nachricht ein, daß auch da die deutschen Grundrechte publizirt sind. München, 7. Januar. (Privatmitth.) Obgleich ich in meinem ersten Berichte schon versprach. Etwas über die hiesigen Gemeindeverhältnisse zu schreiben, so habe ich doch dazu die Zeit noch nicht herausfinden können, weil immer Ereignisse von allgemeinem Interesse die Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, und auch heute müssen Sie mir erlauben, Ihnen das Resultat der Ministerkrise mitzutheilen. Wir haben zwar noch kein Ministerium Abel oder was gleichviel bedeuten würde, Schrenk (weil Letzterer es nicht angenommen), aber ein Ministerium Beisler. Beisler ist ein gemäßigt liberaler Mann, sitzt auf der Rechten in Frankfurt und sein Verdienst ist, daß er ein Feind der Pfaffen ist; er wird kaum während der Dauer des Landtags sein Portefeuille behalten können, da er zwei Parteien, die Ultramontanen und Demokraten, gegen sich haben wird. Wenn ich nun vom baierischen Ministerium zu dem Münchner p“© übergehe, so lachen Sie nicht, cs steht nicht in so fernem Zusammenhänge. Ich will Sie nicht lange mit unserer Synagogeneinrichtung Hinhalten, ich sage Ihnen mit einem Worte, sie ist noch dieselbe wie vor 25 Jahren, und das mag Ihnen genügen, um so mehr, da es buchstäblich wahr ist. Wenn das vor wenigen Jahren bei uns noch so war, so konnte es bei Niemandem Staunen erregen, denn von oben herab wurde jeder Fortschritt gehemmt, und der christliche Staat hatte sich unsere Orthodoxen zu Mitregenten ausersehen, damit wir nicht nur nicht vorwärts gingen, sondern wo möglich zurück. Warum, fragen Sie aber mit Recht, seid Ihr jetzt noch in diesem Zustande, da Euch kein Hemmschuh in den Weg gelegt wird? Daran ist der Jndifferentismus Schuld; es ist das die Fahne, zu der die große Mehrheit unserer Gemeinde geschworen hat. Dieser großen Mehrheit gegenüber stehen zwei kleine Häuflein, die Orthodoxen und die Reformer. Die Elfteren, so gering hier auch ihre Anzahl ist, machen sich dadurch geltend, daß sie bei Abschaffung eines Stückchen roi'v ein großes Jammergeschrei erheben. Die Letzteren, die sich im „Reformverein" vereinigt haben, bestehen aus jungen Gemeindemitgliedern und Gemeindeangehörigen, es fehlt diesem Verein keineswegs an intelligenten Männern, aber an Theilnahme, und obwol er seine Sitzungen öffentlich hält, sind sie doch in der Regel sehr schlecht besucht. Sein Wirken kann daher für München nur darin bestehen, daß er die Verwaltung durch geeignete Vorstellungen zu den nöthigen Reformen zu bewegen sucht, und das hat er jüngst durch eine Eingabe an dieselbe gethan, worin auch beantragt

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