Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1849)
- Date
- 1849-01-15
- Page
- Seite 39 (sequence 11)
- Language
- German
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39 churim, die Simonie, Nepotismus und das Pfaffenregiment zurück. Es geht doch Nichts über Pfaffenanmaßung! NB. Es giebt bei uns Pfaffen mit und ohne Kutte! —) 3) Zum Behuf der Handwerkerlernung armer Kinder und die Unterstützung der Armen überhaupt Betreffendes soll jeder Bezirk mittelst gleicher Beitrage nach dem jüdischen Steuerkataster (Lreeb) eine Kasse errichten, dieselbe von Einsichtsvollen jener Gegend verwalten und verabreichen zu lassen. — (Wird spärlich genug ausfallen, und die edlen Proletarier im Geiste und in der Wirklichkeit werden herrlich gedeihen. —) 4) Soll Niemand befugt sein, in religiöser Beziehung neue Einrichtung zu treffen, wenn nicht die ganze Gemeinde damit einverstanden ist und auch dann nur, wenn Solche von anerkannten, religiösen Rabbonkm Deutschlands (wie patriotisch!) als zulässig erkannt sind. — (Dies wäre das Todesurtheil der geistigen Regsamkeit unserer ehrlichsten Brüder und bedarf weiter keiner Glosse.) 5) Soll dahin gewirkt werden, daß der Oberrath, welcher schon 30 Jahre unterließ, und sich auch jetzt noch weigert, öffentlich Rechnung abzulegen, durch die hierzu geeignete Behörde aufgefordert werde: unverzüglich seine Rechnung zu stellen und nachdem dieselbe geprüft worden, zur Verantwortung gezogen werden, warum er die Ueberschüffe des Oberraths bei einem Bankhaus anlegte, wodurch 3jt des Kapitals verloren ging, während es doch ein ausdrückliches Gesetz ist, daß er jede Verrechnung nur aus Obligationen ausleihen darf. Wenn nun den Juden des Landes dieses vergütet werden müßte, könnten wir hiermit mehrere Jahre unsre unvermögende Jugend Handwerke lernen lassen und dabei noch unsre Armen selbst unterstützen; da wir aber zu unserm größten Leidwesen von ihnen noch gar keine Antwort erhielten (Sehr bezeichnend, wie das einfache Landvolk solche Glücksapostels-Traktächen aufnimmt—) so erlauben wir uns, die dringende Bitte zu stellen, gefälligst unverzüglich zu besorgen, daß die Ihnen zugeschickte Schrift laut unsres Schreibens vom 21. Elul v. I. von den einzelnen Gemeindegliedern Ihres Bezirks unterschrieben wird; es ist übrigens genug, wenn sich nur ein großer Theil der Gemeindeglieder Ihrer Gelegenheit^?) unschreibt. (!?) Sollte es Ihnen wider Vermuthen unmöglich sein, unsrer Berathung anzuwohnen , so wollen Sie uns l>) die Ihnen zugeschickte Schrift an's Ministerium zusenden und dabei angeben, welche Vorschläge Sie für die künftige Einrichtung gut finden oder ob auch mit den aufgestellten 5 Punkten (die wir jedoch nicht als definitiv aufgestellt, sondern der reiflichen Prüfung der Versammlung unterstellen) einverstanden sind; in jedem Fall müssen wir Sie ersuchen, unverzüglich unter der Adresse des Herrn A. A. Ettlinger in Karlsruhe gefälligst Antwort zu schreiben, ob Sie unserm Wunsch gemäß die Unterschrift besorgt haben, und wie weit die Sache (?) bei Ihnen gediehen ist, damit wir uns bei der Berathung darnach zu richten wissen. Wir bitten daher schließlich, daß Ihr uns jedenfalls einer Antwort würdigen möchtet, in deren Erwartung verharret mit Achtung das Komitö. III. Nachschrift. (Oder: Hilf zu, Samiel! —) Waswir längst geahnt undwelchemwir Vorbeugen wollten, ist leider jetzt schon eingetroffen, indem wir soeben in Kenntniß gesetzt wurden, daß der Oberrath an alle Bezirkssynagogen den Beschluß ergehen ließ, „es soll eine Synode einberufen werden, dessen Aufgabe, unsre Religionsverhältnisse auf eine zeitgemäße Weise zu veredlen; das will sagen: die bis jetzt von uns befolgte Religion ist unter — vererb ■na 'piß —. (O Loyal«, Schutzpatron der Jesuiten! freue dich über deine jüdischen Zöglinge, denen ich jedoch die Worte des Propheten zurufen muß: Wehe denen, die da nennen das Böse gut und das Gute böse, sie machen Licht zu Finsterniß und Finsterniß zu Licht, sie machen Bitteres zu süß und Süßes zu Bitter. Wehe denen, die weise sind in ihren Augen und sich für vernünftig halten — ja da bewährt's sich's wieder: Die Wahrheit und das Licht taugt für Maulwurfsaugen nicht.) Dem Sinn dieses Beschlusses nach müssen daher der größte Theil unsrer Religionsgebräuche abgeschafft oder umgeschaffen werden; das wahre Ziel dieses Vorhabens ist aber, die Grundpfeiler unsres Glaubens zu untergraben (o niederträchtige Lüge!), damit wir nV'Vn in unfern Religionsgrundsätzen und Ausübung derselben denjenigen des Oberrathspersonals gleichgestellt werden. (Das ehrwürdige