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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-15 · Heft 3 (15.1.1849) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 3 (15.1.1849)
Date
1849-01-15
Page
Seite 37 (sequence 9)
Language
German
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37 wurde ein Seminarist während seiner Seminarzeit auf das Schrecklichste verfolgt, weil er den Bornamen Heinrich zu führen sich erfrechte; einem andern entzog er alle Unterstützung, weil er einmal Weintrauben mit entblößtem Haupte gegessen hatte. Damit nun der angehende Schulmann im Seminar seine künftige. Existenz sichere (denn Rabbiner Bamberger in Würzburg muß am Schlüsse des Jahres seine Note in der Religion geben) sind die Seminaristen genöthigt, Jesuitengesichtcranzunehmen, denn dadurch bekommen sie auch Kosttage, und Gewohnheit wird — zur andern Natur. Von der im Seminar erworbenen musikalischen Bildung darf in vielen Rabbinatsbezirken Untersrankens kein Gebrauch durch Einführung eines Chorgesanges gemacht werden, indem durch diese Neuerung ähnlicher Gottesdienst wie bei den Christen und sonach Beunruhigung bei den Altgläubigen hervorgerufen wird. Diese bildungsfeindlichen Grundsätze erwähnter Rabbiner haben auch bei den Schafen ihrer Heerde Wurzel gefaßt. — In der Gemeinde Sulzdorf, kgl. Landgerichts Königshofen, wurde ich deshalb meiner Stelle entlassen, weil ich dem ns;2iw die rechte Betonung nicht gab und den Paradiesapfel verkehrt anfaßte. Die Gemeinde mußte sich versammeln , sich hierüber zu verständigen, und das Resultat war, daß ich in Erwägung beregter Fehler meine Funktionen fernerhin nicht mehr in dieser Gemeinde ausüben könne. biolens volens mußte ich meinen Bündel schnüren, wo der Gedanke in mir entstehen mußte, um eine gute Unterkunft zu erlangen, alle jüdelnden Triller und Traller auf das Beste zu erlernen. Wenn nun solche Männer als Beförderer des jüdischen Kultus wie viele Rabbiner in bairischen Unterfranken an der Spitze stehen, so läßt sich keiner bessern Entwickelung in Schule und Gotteshaus entgegensetzen; und sollte das jüdische Konsistorium, das von unsrem König zu gründen beabsichtigt wird, aus diesen Männern zusammengesetzt werden, dann rufe ich meinen Amtsbrüdern zu: „Wandert aus Baiern aus, sucht euern Wirkungskreis, wo gebildete Rabbiner als Beförderer des jüdischen Kultus zur Seite stehen, zieht euch heraus aus dem Schlamme veralteter Gebräuche, höret auf, nothwendige Heuchler eurer Vorgesetzten baier. Rabbiner zu sein und ihr werdet durch eure Ehrlichkeit und Offenheit siegen und einem freien Wirkungskreise entgegen gehen!" Simon Hecht, Lehrer. Aus Baden, Ende Dezember. (Eingesandt.)*) Kaum ist noch der Tag angebrochen, an dem uns die goldne Strahlensonne der Freiheit die so lange geknechteten Herzen erwärmte, uns von derTyrannen- und Pfaffenherrschaft erlöste: und — die Hydra des Pfaffenthums erhebt auf's Neue ihr Haupt, um die zarten Keime dieses goldnen Lichts — mit Hilfe der Dummheit und Bigotterie — zu ersticken. Erlauben Sie mir, wackrer Kämpe für Licht und Recht, daß ich-Ihnen kurz die Abschriften mehrerer Sendschreiben dieser jüdischen Jesuiten mittheile und erlassen Sie mir jegliche Bemerkung dazu — ich würde von den bitteren Gefühlen, die solches Machwerk in mir erregt, zu Aeußerungen veranlaßt werden, die besser unausgesprochen bleiben, da ich auf den Ruhm verzichte, als zweiter Don Quichote gegen solche Windmühlen zu kämpfen. — I. Karlsruhe, d. 10. Kislev 5609. Das Könnt« zur Auflösung des Oberraths an löblichen Synagogenrath in N. N. Unser erstes Schreiben vom 21. Elul v. I. und das zweite vom 11. Marcheschwan d. I. haben wir blos an uns bekannte Personen geschickt, mit der Bitte, Sie möchten die Ihnen überschickte an's Ministerium gerichtete Eingabe in jeder israel. Gemeinde Ihres Bezirks unterschreiben lassen. — Weil dieses aber in Ihrem Bezirk unterblieb und es doch die Pflicht eines jeden Synagogenraths erfordert, dahin zu wirken, daß die Abgaben seiner Gemeindemitglieder erleichtert werden, welches bei der jetzigen verdienstlosen Zeit so nöthig ist und was durch Auflösung dieses Oberraths erzielt wird, indem wir dadurch nicht nur von den Abgaben dieses Oberraths befreit, sondern auch noch der Bevormundung desselben enthoben werden, — so wurde bei der am 21. November hier stattgehabten Versammlung beschlossen, daß wir uns an die Synagogenräthe eines jeden Ortes unmittelbar wenden wollen mit dem Ersuchen, inliegende Schrift an's Ministerium von sämmtlichen israel. Gemeinde- *) Wir geben diesen Artikel wörtlich, wie er uns zugekommen. Redakt. 3*

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