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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-15 · Heft 3 (15.1.1849) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 3 (15.1.1849)
Date
1849-01-15
Page
Seite 36 (sequence 8)
Language
German
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36 Menschheit entgegenzutreten. Redakt. d. Mg. Ztg. d. Judenthums.j Wien, 27. Dezember. Der Fürst Windischgrätz hat, nach der Besetzung Preßburgs befohlen, daß alle Personen zu verhaften seien, die an der Judenverfolgung in Preßburg (im April) Theil genommen haben. Wien, 2. Januar. Die gestern mitgetheilte Nachricht über die künftige Weglassung des Religionsbekenntnisses in Pässen hat sich bestätigt und ist deshalb ein Zirkular vom Minister des Innern an die politischen Behörden ergangen. Sowol hieraus, als auch aus anderen Demonstrationen läßt sich mit Bestimmtheit abnehmen, daß das Ministerium auf gänzliche Gleichberechtigung aller Religionsbekenntnisse anträgt. Krakau, 27. Dezember. Die zum größten Theil katholische Einwohnerschaft hat den Rabbiner Herrn Meiseles zum Abgeordneten nach Kremsier gewählt. (D. Bl.) sWer den Zustand, in welchem noch vor Kurzem die Juden in Krakau, aus den früheren Berichten in diesen Blättern kennt, muß davon höchst überrascht sein, und wir wünschten dringend, einen genauen Bericht über die gegenwärtigen Verhältnisse zu erhalten. Redakt. d. A. Z. d. Jud.j Prag, 3. Januar. Das Konstitutionelle Blatt für Böhmen sagt: Beunruhigende Gerüchte über die Wendung, welche die nun bald am Reichstage zur Berathung kommende Judenfrage nehmen dürfte, sind seit einigen Tagen hier im Umlaufe; das Unbekannte, das sich entwickeln will, steht wie ein verhülltes großes Unglück in der zweifelhaften Besorgniß vieler ängstlichen Gemüther. Wie man auch immerhin das Verhältniß der Judenheit in dem neuen konstitutionellen Kaiserreiche auffaffen will, sei es nun als das, was es wirklich ist, einer konfessionellen Gesammtheit, oder als das imaginäre von den Juden negirte einer Nationalität, nimmermehr wird sich eine exzeptionelle Stellung derselben rechtfertigen lassen. Denn sind die Juden in Oesterreich Staatsangehörige, dann berechtigt kein Motiv in der Welt, sie auch nur von einem der der Gesammtheit konstitutioneller Staatsbürger zukommenden Rechte auszuschließen. Aus Oesterreich, 3. Januar. Die drei Bischöfe des Erzherzogthums Oesterreich haben einen energischen Protest gegen die Religionsparagraphen der Grundrechte eingelegt. Sie behaupten, die römischkatholische Kirche müsse die vorzugsweise vom Staate begünstigte bleiben; sie verwahren das Eigenthum der Kirche vor jeglichem Angriffe, verwerfen die Zivilehe und vindiziren dem Klerus das Recht, auch fernerhin auf den öffentlichen Unterricht Einfluß zu nehmen. Dieser Schritt wird ähnliche Schritte auch in anderen Provinzen veranlassen. Man sieht, der katholische Klerus verliert die Fassung und Ausdauer so wenig als irgend eine politische Macht; es ist nur die Frage, ob das heutige Oesterreich noch so gut der Boden dazu ist, als Baiern und die nordwestlichen Theile Deutschlands. Man täuschte sich in Bezug auf diesen kirchlichen Punkt im andern Deutschland bisher sehr über Oesterreichs Zustände. Aus Baiern, im Januar. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir einige Worte über das jüdische Kultuswesen in Baiern in der A. Z. d. Jud., da ja für eine freie Zeit ein freies Wort sich geziemet. Dem israelitischen Schulkanditaten ist es, gleich dem christlichen, zur Bedingung gemacht, ein Schullehrerseminar zu besuchen, und hat er in demselben seine Prüfung mit gutem Erfolg bestanden, so ist derselbe anftellungsfähig. Da jedoch diese Anstellung nicht unmittelbar von der königl. Regierung, sondern die Präsentation von der Gemeinde ausgeht, so hat der angehende Schulmann sich über die Befähigung als Lehrer und Vorsänger bei der Gemeinde auszuweisen. Da jedoch größtentheils in den bairischen Kultusgemeinden ein guter Ohrenschmaus in den Synagogen einer guten Erziehung und Bildung vorgezogcn wird, so hat derselbe nur eine Prüfung als Vorsänger zu bestehen. Versteht nun der in Rede stehende Kanditat eine» schönen Operngesang dem ''iii anpaffend zu machen, und etwa hie und da auf den heiligen Text eines jüdischen Gebetes einen muntern lebhaften Schottisch einzuflechten, so hat derselbe gesiegt und ist nicht nur Vorsänger, sondern wird auch, kann er gleichwohl nur nothdürstig lesen, von der Gemeinde als Lehrer vorgeschlagen. Will nun die Gemeinde recht vorsichtig sein, so werden Erkundigungen bei dem Rabbiner zu Würzburg (für die unterfränkischen Lehrer) eingeholt, und wehe dem Schuldienst-Exspektanten, der nicht bei jedem Trunk Wasser die übliche Segensformel gesprochen hat. So

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