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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-08 · Heft 2 (8.1.1849) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 2 (8.1.1849)
Date
1849-01-08
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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25 Moses H. — in Laibach an, und die Firma ward: Gebrüder Hermann. Am 25. Juli 1810 kaufte A. H. das Haus No. 277 in der Spitalgasse für 19200 Ft. Im Jahre 1811 machte A. H. eine Reise nach Klagenfurth, um dort seine bei sich gehabten Bankozettel gegen Münze zu verwechseln. Kaum angekommen ward er arretirt, weil von Wien Steckbriefe nach einem Moses Heimann wegen dort verübten Betrugs nach Klagenfurth gekommen. Vermuthend, daß der laibacher Moses H. der Verfolgte sei, ward der Bruder A. arretirt, um ihn nur gegen Stellung des Moses freizulassen. Von Seiten der österreichischen Behörden war die Verfolgung der illirischen Unterthanen an der Tagesordnung. Moses H. fürchtete, daß selbst wenn er sich auch stellte, ungeachtet seiner Unschuld, beide Brüder eine Zeit lang arretirt blieben. Umsonst waren die Schritte der wiener Korrespondenten und der französischen Regierung. Das Zeugniß des französischen Polizeidirektors Toussaint, daß beide Brüder seit sechs Monaten nicht in Wien waren, daher nicht die mittelst Steckbrief Verfolgten sind, ward ebenso wenig berücksichtigt als des Marschall Marmonts Forderung, den französischen Unterthan nebst Anklageakten auszuliefern, um ihn nach französischen Gesetzen zu richten/ Endlich nach drei Wochen Arrest kam die Anzeige, daß der verfolgte Moses H. in Ungarn erwischt worden. Abr. H. ward frei. Wahrend dieser drei Wocken sank der Kurs der Bankozettel von 630 auf 1300 per 100 Fl. Abr. H. verlangte Ersatz des an den bei sich gehabten Bankozetteln erlittenen großen Verlustes. Der klagenfurther Stadthauptmann v. Fradenek erwiderte: das Gericht giebt keine Entschädigung, seine Satisfaktion sei die gerichtliche Erklärung seiner Unschuld. Kurze Zeit hernach ließen Gebrüder H. einen Bauer aus Krainburg arretiren, der ihnen drei falsche Bankozettel k 50 Fl. brachte, wodurch der Verfälscher, ein Maler aus Krainburg nebst Frau und Schwager, arretirt wurden. Nach österreichischen Gesetzen hatten Gebrüder H. 10,000 Fl. Belohnung bekommen sollen; sie machten jedoch keinen Anspruch; wol aber der französische Polizeikommissar Kremnitzer erhielt von Wien 500 Fl. 1812 gingen beide Brüder H. mit der französischen Armee als Lieferanten nach Rußland. In Smolensk errichteten sie eine Warenniederlage und machten glanzende Geschäfte. Abr. H. war in Polen als der Rückzug von Smolensk begann. Moses H. ließ sein Warenlager im Stiche. Einen Wagen mitvier Pferden bespannt übergab er einem Garde-Magazin Namens Groß. Dieser ward von Rüsten erschossen und von ihnen der Wagen erbeutet. An der Beresina, wenige Stunden vor der von Napoleon angeordneten Abbrechung der Brücke angekommen, ließ er seinen mit werthvollen Sachen beladenen Schlitten stehen. Im Gedränge fiel er zwei Mal von der Brücke in den Fluß; eine Flintenkugel durchschoß seine aufgehabte Pelzmütze, die er mit nach Laibach gebracht. Nach vielen Leiden kam er mit aufgefrorenen Füßen, mit den Kleidern am Körper und circa 900 Louisd'or in den Taschen in Wilna ohne Paß an. Dort fand er seinen Schwager Moses Wolf Löwengard aus Hohenems, der des andern Tages nach Deutschland abzureisen hatte. Dieser versprach ihn mitzunehmen, reiste jedoch ohne Abschied ab. Moses H. erkrankte in Wilna. Ein jüdischer Metzger nahm ihn in's Quartier auf. Wenig Tage nachher kam er und sein Sohn als Kosacken verkleidet zum kranken M. H., droheten ihn zu ermorden und plünderten ihn bis auf 100 Louisd'or, die es ihm zu verbergen glückte. Bei erlangter Gesundheit verklagte Mof. H. seinen Hausherrn und Sohn. Die Rabbiner verurtheilten sie zum Eide, den die Schurken geleistet. Mit den übrig gebliebenen 100 Louisd'or unternahm er in Gesellschaft eines gewissen Picard aus dem Elsaß eine Lieferung sür's französische Spital in Wilna. Picard kassirre das Geld ein und ging durch. Somit blieb dem Moses H. von feinem in Smolensk gehabten großen Vermögen kein Kreuzer. Durch Hilfe und Unterstützung des Jüdel Alchemister in Lemberg kam Moses H. am 6. Februar 1814 in Wien an, wohin ihm zur Anschaffung von Kleidern und Fortsetzung der Reise nach Laibach von seiner dort gebliebenen Frau Geld geschickt wurde. Im September 1813 wurde Krain wieder österreichisch. Das Zeugniß der Mairie d. d. Laibach, 12. Marz 1814 lautete: „Von Seite dieser Mairie wird hiemit den Hrn. Gebr. Moses und Adr. H. hiesigen mittelst Patenten befugten Handelsleuten und Hausbesitzern beurkundet, daß ihr Betragen sowol in merkantilischer als privater Hinsicht seit ihrer Ansiedelung in dieser Stadt, welche im Jahre 1809 statt hatte, bis zur Stunde von der empfehlungswürdigen Art war, daß man sich ein Vergnügen daraus macht, Ihnen darüber die volle Zufriedenheit durch Gegenwärtiges von Amtswegen zu bezeugen." (Fortsetzung folgt.) 2*

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