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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-08 · Heft 2 (8.1.1849) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 2 (8.1.1849)
Date
1849-01-08
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 aus kein Erfreuliches zu nennen, man hat bei den Kandidaten weniger auf Intelligenz gesehen, alS darauf, daß Gewcrbsleute in die Kammer kommen, damit wir um keinen Preis Gewerbefreiheit erhalten. Unter diesen Umständen hat die freisinnige Partei ihre Hoffnung auf das volksthümliche Ministerium Lerchenfeld gerichtet. Aber auch diese Hoffnung wurde uns auf einmal genommen, weil L. seine Entassung forderte und erhielt, warum? Darüber waltet ein Dunkel, aber soviel scheint man mit Gewißheit aussprechen zu dürfen, daß die von L. vorbereiteten Gesetzentwürfe dem König zu volksthümlich waren. Es ist dieses Ereigniß um so trauriger, als Abel, der bekannte Zeitgenosse des Fürsten Metternich, jetzt Abgeordneter (!) der bairischen Ständekammer, durch Handbillet vom König früher hierher berufen worden sein soll, und schon einige Mal beim König gespeist hat. So haben sich die Zeiten seit dem März geändert; man denkt nicht nur an ein Ministerium Abel, sondern spricht davon, wenn auch etwas leise. — Das sind die Auspizien für den nächsten Landtag, doch ich zage nicht, wenn auch die Reaktion so plötzlich ihr Haupt erhoben hat, so wird sie nur um so stärker stürzen, denn nicht vergessen wird das Volk, daß die Souveränität, so es nur will, bei ihm ist. Sie sehen, Herr Redakteur, daß es in Baiern wieder etwas finster zu werden beginnt, ich will daher für heute abbrechen, um Ihnen das nächste Mal vielleicht etwas Erfreulicheres berichten zu können. — Lerchenfeld ist ebenfalls Abgeordneter. Aub, 0. zur. Frankfurt am Main, im Dezember. (Privatmitth.) Erlauben Sie, geehrtester Herr Redakteur, indem ich beim Schlüsse des ewig denkwürdigen Jahres 1848 das Neueste aus den Tagesbegebmheiten Ihnen mittheile, dabei zugleich an ein Ereigniß anzuknüpfen, welches zwar im Jahre 1847 stattfand, aber doch in innigster Beziehung zu dem in diesem Jahre von uns Erlebten steht. Es unterliegt gewiß keinem Zweifel — und Sie, hochverdienter Herr Redakteur, werden es am Wenigsten bezweifeln — daß die religiöse Bewegung die politische vorbereitete. Der menschliche Geist mußte sich erst in den Kämpfen um Glaube und Dogma üben und stärken, ehe er reif und befähigt sein konnte, die ihm nunmehr gestellte politische Aufgabe vorzunehmen, und an deren Lösung zu arbeiten. Daher wird der künftige Geschichtschreiber dieser großen Zeit, will er anders seinen Gegenstand gründlich behandeln, von jenen mehr theoretischen, auf die Religion und deren Reinigung gerichteten Bestrebungen des Geistes auszugehen haben, um die Konsequenzen des sich immer mehr geltend machenden Prinzips der Freiheit auch aus politischem Gebiete nachzuweisen. Wird dies zugegeben, so folgt nothwendig, daß alle diejenigen Männer als rühmenswerthe Vorläufer der großen Revolution von 1848 zu betrachten sind, welche durch Wort oder Schrift mittelbar zu einem bessern Zustande der Dinge beigetragen haben. Zu diesen Männern gehört auch der Dichter Ludwig Wi hl, dessen in diesen Blättern nicht selten gedacht wurde. Seine im Jahre 1847 bei Hoff in Mannheim herausgekommenen „Westöstliche Schwalben" verkündeten in der That einen neuen Völkerfrühling voll Licht, Wärme und Freiheit. In diesen schönen Liedern, welche die wichtigsten Fragen der Menschheit poetisch behandeln, zeigt sich bereits die Morgendämmerung eines neuen Tages der Arbeiten und Kämpfe, aber auch der Siege und Errungenschaften. Sie gehören mit zu den merkwürdigen Ahnungen, welche der Genius der Neuzeit hatte, und die erst zur Zeit der Erfüllung ganz verstanden werden. Nur von diesem allgemeinen Gesichtspunkte aus läßt es sich erklären, daß diese trefflichen Dichtungen mehr Beachtung und Anerkennung in denjenigen Kreisen fanden, auf welche sie ursprünglich weniger berechnet waren, als in denjenigen, für welche sie der Dichter zunächst bestimmt hat. Derselbe Dichter, dessen Muse früher auf religiösphilosophische Fragen vorzüglich gerichtet war, hat nun auch, von seiner „poetischen Warte" auf „die Zinnen der Partei" sich begebend, den tragischen Tod Robert Blums in einem Liede besungen, dessen volksmäßiger Ton auch gleich einen Komponisten in dem Herrn Heinrich Hecht gefunden hat. Schön und einfach wie das Lied ist auch die Komposition. Was endlich Robert Blum betrifft, dessen Verdienste um religiöse und politische Freiheit selbst von seinen Gegnern anerkannt werden, so sei es erlaubt die Notiz für diejenigen, denen sie vielleicht noch nicht bekannt ist, hinzuzufügen, daß er sein Mandat für das Vorparlament von der jüdischen Gemeinde zu Leipzig gehabt hat. Für seine so wie auch für Auers-

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