Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1849)
- Date
- 1849-01-08
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 so preiswürdige Verfassung, welche Tyrol die Aufzwingung öffentlicher unkatholischer Religionskulte zum Angebinde brächte, auf Volksthümlichkeit nie und nimmer großen Anspruch machen könnte, vielmehr jener angeerbte patriotische Eifer, der bisher für Staat und Kaiser so bereitwillig und freiwillig Gut und Blut hinopferte, höchst wahrscheinlich erstarren würde. Wien, 25. Dezember. (Privatmitth.) Obschon jetzt hier die Zeit des Schweigens ist, und das Schweigen überhaupt die höchste Lebensklugheit ist, da man beim Reden nicht sicher ist das Leben zu behalten; so kann ich mir es doch nicht versagen, bevor das so bedeutungsvolle Jahr 1848 zu Ende gehet, einem meiner Freunde, dessen Verlust nicht nur Israel sondern jeder freisinnige Mann bedauern, und die Art und Weise des Verlustes jeden rechtlichen Mann mit Grauen füllen muß, ein Zeichen der Erinnerung zu setzen. — Ich meine die Hinrichtung des in Gott selig ruhenden Herrn vr. Hermann Jellinek. — Obschon jüdische Journale dieses Stoffes sich bemächtigt, so glaube ich doch den geehrten Lesern Ihres Blattes einen nicht unwillkommenen Dienst zu erweisen, wenn ich hier die letzten Stunden des Seligen beschreibe, wie ich sie aus den besten Quellen erfahren. Ich will nur früher in einigen Worten Jellineks Wirken in Wien beschreiben, denn zu einer eigentlichen umfassenden Kritik ist wol hier der Ort nicht. Die Ideen der neuen Zeit haben wol die.Revolution in Wien hervorgebracht, die Permanenz der Revolution jedoch wurde — ich möchte es sagen — von dem Gefühle der Wiener geleitet. Sie haben geahnt von den schönen glücklichen Zeiten, ohne im Stande zu sein einen Umriß von dem zu entwerfen, eine genau anpassende Form dafür zu bestimmen. Jellineks rastloses Bemühen war es, dieser regellosen Masse, die nach Form und Gestalt gerungen, eine zu geben, wie sie die Wissenschaft fordert; er hat die Wissenschaft hier in's Leben eingeführt und das war sein Verdienst, das von späteren Historikern gewürdigt werden wird. Er hatte hier sich erst ein Publikum zu bilden, und auf die Massen konnte er wenig wirken, da ihnen seine Sprach- und Denkweise nicht so zugänglich war. Denn nur Wenige waren es, die ihn verstanden. Keiner, der seine Persönlichkeit und Geistesthätigkeit gekannt, dachte, daß er verurtheilt werden könnte, denn abgesehen von dem, daß er geschrieben als es die gesetzlichen Behörden, Reichstag und Gemeinderath, für gesetzwidrig gefunden das Schreiben zu verbieten, so war eben sein Schreiben nicht für den Pöbel berechnet, auf den damals gewirkt werden konnte. Jellinek versuchte es gar nicht sich von Wien zu entfernen; da er sich blos vor dem Preßgerichte verantwortlich glaubte. Zum Verhör gerufen protestirte er dagegen, man müsse ihn seinen Richtern, dem Zivilgerichte, überantworten. Aber die Herren verurtheilten ihn nach §. 53 des Gesetzbuches, während bereits im Pillersdorff'schen Preßgesetze vom 1. April die §§. von 52 bis 58 als ausgehoben erklärt sind. — Am Tage vor der Hinrichtung bekam der hiesige Herr Rabbiner L. Horwitz eine Zustellung von der Militärbehörde, um beim Jellinek zu erscheinen; der Rabbiner glaubte aus körperlicher Schwäche dem Begehren nicht Nachkommen zu können, da er vermeinte ihn auf den Richtplatz begleiten zu müssen; er forderte daher Herrn Brandeis *) auf, seine Stelle zu vertreten, da er es Herrn Religionslehrer Breuer nicht zumuthete, und der Auftrag im Vornhinein an den Herrn Rabbiner kam, weil Herr Mannheimer seinen Deputirtensi'tz in Kremsier einnahm. Herr Brandeis sollte Jellinek den letzten Trost bringen, aber Herr Brandeis mußte auf Jellinek einen schlechten Eindruck machen, da er ihn kurz abfertigte. Herr Brandeis wurde, als die Vertreter davon Kunde erhielten, zu Herrn Breuer geschickt, der es zusagte, zu - Jellinek zu gehen, und zwar nicht aus Pflicht, sondern aus Humanitätsgefühl. Die letzte Stunde seines Todes zu beschreiben, erlaube ich mir einen Auszug aus einem Briefe Breuers, der auf Aufforderung Jellineks Bruders für den Vater Jellineks bestimmt war, anzuführen. „Sehr geehrter Herr! Mit tiefem Schmerze und innigster Theilnahme ergreife ich die Feder, um dem Wunsche Ihres Herrn Sohnes Adolf zu genügen, *) Ich muß hier auf eine Unrichtigkeit Hinweisen. Man nannte Herrn Brandeis den Stellvertreter Mannheimers. Herr Brandeis ist hier Lehrer an der Kleinkinderbewahranstalt; feine sonstige Befähigung ist auch sehr unbekannt. Voriges Jahr, nachdem der Coup mißlungen war einen zweiten Prediger zu nehmen, wo man bei der Regierung di« Nothwendigkeit darin begründete, daß man für die Sträflinge Jemanden brauche, der ihnen Exhorten halte, wurde Herr Brandeis dazu bestimmt. Nur Herr Religionslehrer Breuer vertritt Herrn Mannheimer. Korresp.