Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225608--09907-3239923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 es, erscheint oft bei Hofe; sie erregt dort immer Aufsehen durch ihre Anmuth sowol, wie durch den Reiz ihres Geistes; sie wird viel umschwärmt, viel gefeiert. Mose, das Herz des Menschen ist schwach, das Herz eines kaum zwanzigjährigen Mädchens sehr schwach..." „Ist es dies Alles, und Nichts weiter, Nichts mehr? „Wohl, es ist noch mehr, Mose. Ihr kennt den jungen Ritter Arthur von Beaumont. Es giebt nicht leicht einen schönem, einen tapfern, und, was sehr schlimm für uns, selten einen bessern und reinem jungen Mann. Und was das Schlimmste ist: dieser Arthur hat schon eine tiefe Neigung für Hulda gefaßt, oder wird sie fassen — ganz sicher. Denn man braucht oft nur zwei junge Wesen zu sehen, um vorauszuwiffen: diese werden sich lieben; weit Atter, Schönheit und Geist völlig zu einander passen. Also, Mose, wird Hulda da fest stehen, fest zu stehen vermögen? Wenn ihr nun Arthur seine tapfere, schöne und reiche Hand bietet, wenn er alle Unterschiede des Standes zu überwinden verheißt, wenn er vor ihr steht, und um das Glück seines Lebens wirbt, bittet, fleht ... wird Hulda widerstehen? wird sie seinem Opfer nicht das ihrige schuldig zu sein glauben? He, Mose?... Du bist fast noch ein Knabe, aber ich muß so mit Dir reden, das Geschick zwingt mich.... Sag, Knabe," und die Stimme Abraham's erhob sich zu gewaltiger Stärke, „sag, Knabe, werden wir sie dann verlieren?... ." Moses schwieg abermals; dann schlug er sich mit der Hand vor die Stirn. „Und was bewegt Euch,'" hob er an, „diese Frage an mich zu richten, Euch in diese Familienangelegenheiten zu mischen, von Furcht, Hoffnung, Verlust mit Bezug auf meine Base zu sprechen? Abraham sah den jungen Menschen betroffen an. „Gut, Mose. Ihr seid sehr besonnen geworden. Ihr seid schnell, wie im Augenblick, zum Verstände des Alters gekommen." Mose fuhr mit der Hand zum Herzen. „Doch seht," sprach jener weiter, „darüber brauch' ich Euch Nichts mitzutheilen. Dies ist meine Sache. Ihr könnt ja schon begreifen, daß in unsrer Zeit, in diesem Lande, wer es treu meint mit Israel, wer die Entwickelung der Verhältnisse nicht dem bloßen Ungefähr überlassen, sondern nach seinem innern Berufe einwicken und eingreifen will, nicht gleichgiltig bleiben kann über das Schicksal dessen, der jetzt die Spitze des hispanischen Judenthums ist, Juda Hallevi's, nicht schweigend zusehen kann, wenn sich in dieses treuen Sohnes unsres Stammes eigenem Hause Verwirrung und Schwanken anspinnet. ... Doch, Mose, kommen wir zur Sache. Lassen wir das Hin- und Widerreden. Ich glaube Dich erkannt zu haben, theurer Jüngling. Ich weiß jetzt, wie Du denkst und fühlst. Hinter Deiner reinen Stirn, hinter Deinem glänzenden Auge, hinter diesem frischen Munde lauert keine Verstellung, kein Verrath. Da ist noch die lautere Hingebung und Selbstaufopferung heimisch, die das Herzblut einsetzt für das Heil der Seinen. Wohlan, laß uns Verbündete sein, um Hulda zu retten, um ihr und ihrem großen Vater Kämpfe der schrecklichsten Art zu ersparen, deren Ausgang, wenn er auch unzweifelhaft Sieg für uns, für unsere Sache bringt, doch nur zerrissene Herzen und bitteres Weh sein können. Gieb her Deine Hand, theurer Knabe, schlag ein in die Hand eines vielgeprüften, doch treu gebliebenen Mannes. Zweifle und deutle nicht. Laß uns zusammenstehen... Während dieser, mit aller Kraft der Seele gesprochenen Wortehatte sich Mose von seinem Sitze erhoben; sein Körper war den Worten Abraham's unwillkürlich gefolgt; seine Gestalt richtete sich empor, seine Hand erhob sich, und siet kräftig in die Rechte des Redenden. „So," fuhr Abraham fort, „wir haben uns nun kennen gelernt, und vertrauen uns. Aber wir dürfen uns nur hier kennen. Niemand darf unfern Bund ahnen. Begegnen wir uns draußen, so kennen wir uns nicht. Ich werde immer schon Gelegenheit finden. Dich zu mir zu rufen. Aber es gilt auch zu handeln. Zwiefaches verlang' ich von Dir. Zuerst: heut Abend ist Hulda auf einem Balle der Königin. Wenn sie nach Hause kommt, muß sie diesen Pergamentstreifen auf dem Tische ihres Zimmers finden, ohne im Geringsten zu wissen, wer ihn dahin gelegt. Du kannst ihn lesen. Sie wirddie Worte schon verstehen. Dann aber muß ich je eher, je lieber eine Unterredung mit Juda Hallevi selbst haben. Und diese muß in der Stille der Nacht vor sich gehen. Du mußt daher dieses versiegelte Schreiben Deinem Ohm übergeben; es ist darin Alles bestimmt. Morgen um Mitternacht findest Du mich an der Platana vor dem Nachbarhause. Du wirst mich dann auf einem heimlichen Gange geräuschlos in das Studierzimmer Deines Ohms führen, Niemand darf mich kommen. Niemand mich gehen sehen. Mose, Du bist verständig; es ist viel in Deine Hand gegeben. Willst Du?..." „Ja, ich will. Wie Hab' ich Dich aber zu nennen?" „Ich heiße Abraham. Mose, es wird entweder die Zeit kommen, wo Du mich ganz erkennst, und Dir Alles klar ist, oder wo ich Dir ebenso still entschwinde,