Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-01 · Heft 1 (1.1.1849) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 1 (1.1.1849)
Date
1849-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225606-3225608--09908-3239924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 wie ich Dich getroffen, und Du meiner vergissest, daß Dir kaum die Erinnerung bleibt. Jetzt hast Du nur des Handschlags zu gedenken, den Du mir gegeben." „Gut, ich vertraue Dir. Morgen um Mitternacht treff' ich Dich an der Platana." Abraham warf den Mantel wieder um, und bald hatte er den Jüngling auf die Alamada zurückgeführt. Noch einen Händedruck, und die Gestalt war verschwunden. Mose eilte nach Hause, und richtete schnell und geschickt die Aufträge aus, die ihm geworden. 8. War es weise von dem Helden unsrer Erzählung, daß er dem jungen Mädchen noch einmal jene vielsagenden Worte des Psalmisten Ln das Herz warf? Man hüte sich, mit Feuer um sich zu schleudern. Oft schützt es vor der Erstarrung der Glieder; oft zündet es die verheerende Feuersbrunst an, deren man nur schwer wieder Herr wird. Vielleicht daß durch jene Worte gerade die Gefühle angeregt wurden in Hulda's Herzen, die der geheimnißvolle Warner vermeiden wollte; daß gerade durch sie die Gefühle des Mädchens eine Richtung nahmen, von der sie abgelenkt werden sollten; daß sie sich dieser schon jetzt klar wurde, die noch Ln ihr schlummerten. Jndeß, so wahr dies ist, so läßt sich doch nicht absprechen, daß es besser ist, den Feind in uns so früh wie möglich zu erkennen, bevor er heimlich, unter dünner, bei erster Gelegenheit zerbrechender Rinde, einen weiten Raum eingenommen, und seine Kraft riefenhast gestärkt hat. Ist unS einmal von der Vorsehung ein Kampf beschieden, dem wir nicht entgehen können: so ist es weiser, daß wir ihn frühzeitig und selbst eröffnen, und ihm völlig gerüstet entgegentreten, als daß wir uns überraschen und entwaffnen lassen. Dies mochte die Absicht sein, die unfern Abraham leitete, damals schon, bei der Unterredung im Walde, als die Warnung noch keinen bestimmten Gegenstand hatte, und jetzt, da die Gefahr bereits eine sichtbare Gestalt angenommen, und zwar die verlockende Gestalt des Ritters Arthur. Der scharfsinnige Geist des jungen Mädchens drang sofort in die Tiefe der Warnung. Sie durchschaute den Sinn derselben bald. Der Schlummer besuchte ihr Lager in dieser Nacht erst sehr spät. Ihr Herz sagte ihr, daß die Warnung nicht ohne Ursache wäre; ihre Verhältnisse gingen an ihr vorüber; sie suchte einen ernsten Entschluß zu fassen, und ihr Betragen einer bestimmten Regel zu unterwerfen. Ihr Vater, ihr angebeteter Vater stand vor ihrem Lager, und richtete seinen ernsten, in seiner Sanftmurh so vielsagenden Blick auf sie. Dann aber gesellte sich auch das Bild des unbekannten Warners hinzu; sie gedachte jener Szene im Walde. Die hohe Achtung, die ihr der Retter ihres Lebens eingeflößt, trat unverschleiert wieder hervor. Ja, sie legte die Hand auf ihr pochendes Herz, und sprach zu sich selbst: „Du sollst nicht vergebens zu mir gesprochen haben, hoher Mann! Ich schwöre es Dir, hörst Du auch meinen Schwur nicht!" Dann sprach sie einen frommen Abendspruch aus einem Liede, das ihr. Vater versaßt, und entschlief. Aber ihr Schlummer war unruhig. Es wogte in ihrer Phantasie. Bald traten der junge Ritter und ihr Retter vor ihr auf. Sie maßen sich mit feindlichen Blicken; Jeder ergreift ihre Hand; der Ritter zog sein Schwert, und schwang es voll Kampfeszorn; Abraham hob die unbewehrte Rechte; da gerieth Arthur in Wuth, und zückte das Schwert gegen den unbewaffneten Mann; schon nahete sich die Spitze der unbeschützten Brust des Verehrten, der seinen Gegner nur mit dem großen Auge maß; da warf sie sich vor ihn, und das Schwert des Ritters fuhr in ihren Busen, dem ein Heller Blutstrahl entquoll; sie versuchte zu schreien, aber sie vermochte nicht; sie sah sich schon verbluten, als Abraham die Hand auf die klaffende Wunde legte, Balsam, kühlenden, hineintraufelte, daß sich die Wunde schloß und sie gestärkt sich aufraffte; Arthur war verschwunden, sie stand selig beglückt zwischen ihrem Vater und Abraham. Jetzt verdämmerten die Bilder; sie erwachte, und auf ihr Lager siel schon der lichte Strahl der Morgensonne. — Im Laufe des Vormittags ließ sich Arthur von Beaumont bei ihr melden, und sie konnte den Besuch nicht ablehnen. Aber das Nachdenken, bevor sie eingeschlafen, und die wirren Traumbilder hatten einen Eindruck hinterlassen, der dem jungen Ritter nicht sehr günstig war. Doch die Sitte erforderte ein freundliches Entgegenkommen, und was hatte am Ende der schöne Jüngling verbrochen? Hatte er Schuld an ihren Träumen? Ec trat ein, und ein reizender Blumenstrauß zierte seine Hand. Nachdem er über ihr Wohlbefinden nach dem gestrigen Balle Erkundigung eingezogen, trat er ihr näher, und bat sie in den holdesten Worten den Strauß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.