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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-01 · Heft 1 (1.1.1849) · p. Seite 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 1 (1.1.1849)
Date
1849-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 blieb, das Schloß derThüre öffnete, in ein dunkles Zimmer eintrat und eine Lampe anzündele. Jetzt warf der Fremde den verhüllenden Mantel ab, und die kräftige Gestalt Abraham's, mit dem schönen, Ehrfurcht gebietenden Antlitz, stand vor Mose. Für diesen war dies freilich! nicht mehr Aufklärung, außer daß er sich von seinem Gesellschafter angezogen fühlte, und das ihm geschenkte Vertrauen nicht bereuete. „Was wollt Ihr von mir?"' sprach er, als er dem Winke Abraham's zufolge auf einem ärmlichen Sessel Platz genommen. „Bevor ich darauf eingehe, Mose," antwortete jener, „eine Gewissensfrage. Ihr könntet freilich mit Recht mich fragen, was mir das Recht giebt, eine solche an Euch zu stellen. Allein wir sind einmal dahin gelangt, daß gegenseitiges Vertrauen nothwendig ist. Ihr habt zwar das vor mir voraus, daß Ihr mir, dem Unbekannten, der geheimnißvoll an Euch herangetreten, gefolgt seid. Dies ist aber nur etwas Aeußerliches. Ich habe Euch aber anzuvertrauen, was jetzt noch innen, im tiefsten Schreine der Seele ruht, und was ausgesprochen, dem Andern zum beliebigen Gebrauch und Mißbrauch überliefert ist. Und so ist das Mehr des Vertrauens dennoch auf meiner Seite. Darum kann ich nicht anders, als eine Gewiffensfrage vorher an Euch richten, wollt Ihr sie mir beantworten?" „Ich sollte sagen, je nachdem die Frage ist. Aber, wahrlich! Ihr zwingt mich zu Allem.. . ." „Mose, was haltet Ihr von einem Religionswechsel? . . Der Jüngling fuhr auf. „Wie soll ich Eure Frage verstehen?" „So einfach, wie ich sie gebe. Ihr kennet die Stellung der jüdischen Jugend in diesem gesegneten Lande, insbesondere der reichern. Ihr ist hier nicht, wie in den übrigen Ländern der Erde; sie kann zu Ehre und Ansehen gelangen, sie kann Umgang mit den Großen gewinnen, sie kann sich die Wissenschaft zu eigen machen und durch sie Ruhm erwerben; nur die Waffe und deren Glanz ist ihr versagt, vertheidigen muß sie sich lassen, aber nicht vertheidigen darf sie. Nun, junger Mensch! wo es dem Menschen wohl geht, da vergißt er seines Gottes, wo das Leben seine geräuschvollen Bahnen eröffnet, da wird der stille Pfad der Religion verlassen; wo es ein Ruhm ist, keinen Unterschied zu machen zwischen den Menschen um des Glaubens willen, da wird bald auch der Glaube überhaupt als bedeutungslos geachtet; und es ist nicht heute erst, wo wir die Reihen unsrer Glaubensgenossen von Jünglingen verlassen sehen, um persönlicher Absichten willen, oder um, wie sie glauben, den letzten Rest der Schmach zu tilgen, den ihre Religion ihnen auferlegt. . . . Mose, ich urtheile jetzt nicht über diese, ich will wissen, wie Ihr urtheilt... „Herr!" antwortete Mose, indem er die Hand auf die Brust legte, „Ihr hättet so vieler Worte nicht bedurft. Kennt Ihr den Namen meiner Familie? Wisset Ihr, wer mich erzogen hat? Und Ihr könntet in Zweifel sein? Eher würde Juda Hallevi alle seine Reichthümer hingeben, eher würde er seines Blutes letzte Welle fließen lassen, bevor er der Wahrheit, die in seinem Geiste, der Liebe, die in seinem Herzen, dem Eifer, der in seiner Seele glühet, absagte. Und wie er gesinnt ist, so hat er allen Seinigen das heilige Feuer zu entzünden verstanden, und so, Herr, mag Eure Ansicht sein welche sie wolle, die Meinige ist die meines Oheims. So lange diese Lippe sich bewegt, wird sie kein andres Wort sprechen, dieser Arm kein andres bethätigen!" „Nun, Jüngling," erwiederte Abraham, „wohl Dir, daß Dein Herz von so göttlichem Feuer durchglüht ist. Meine Ansicht?, Ja, die kann Euch gleichgiltig sein, so lange wir uns nicht näher kennen lernen. Denn der Einzelne kann nur durch den innecn Werth Bedeutung erhalten. Die Menge ist schon als Solche von Nachdruck. Aber noch willkommner ist mir aus Eurem Munde die Versicherung, daß alle Angehörigen des großen Juda dieser Meinung, dieser Hingebung sind. Dahin gerade führt mich der Zweck Eures Herkommens. Sagt, ist dies mit Hulda Hallevi guch der Fall? Können wir ihrer hierin sicher sein?... Mose, beantwortet mir diese Frage, nicht wie ein feuriger Jüngling, der Alles bewundert, sondern mit kalter Erwägung." Der Jüngling war von dieser Frage wie angedonnert. Er blickte dem Frager starr in's Antlitz, als er schon längst aufgehört zu sprechen, als er selbst schon längst Nichts mehr in diesem Antlitz zu lesen, sein Geist wo anders hingeeilt schien. Diese Frage mußte eine ganz neue Kette von Gedanken überraschend, überwältigend in ihm angeknüpft haben. Und nicht blos Gedanken, sie mußte auch stürmische Gefühle in seiner Brust heraufbeschworen haben, deren er nicht schnell Meister wurde. „Erklärt Euch näher, Mann," stammelte er endlich, „sagt mir, warum thut Ihr diese Frage?" „Gut, dies will ich Euch nicht vorenthalten. Hulda, die schöne Hulda, Mose, die bewunderte Hulda, Ihr wißt

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