Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Stunde der staatsbürgerlichen Befreiung würdige That vollbringen! Sehr gern würde der Gefertigte, Falls der wohllöbl. Vorstand Bemerkungen zu machen hätte, persönlich zu erscheinen Gelegenheit nehmen, u. rc. rc." Dessau, im Dezember. (Privatmitth.) Nur wer gearbeitet, kann die Früchte genießen. Dieser allgemeine Satz hat, wie alle derartige, bei ganzen Völkern noch mehr Wahrheit, als bei Individuen. Die Freiheit ist vielen deutschen Stämmen wie von selbst in den Schooß gefallen, und sie wissen nun kaum, was sie damit beginnen sollen. Die Freiheit ist nur erst dann nicht blos eine begriffene, sondern in's Herzblut gedrungene, wenn Jeder fühlt, daß seine Freiheit nur in der Freiheit Aller beruht, daß der Angriff auf die Freiheit des Andern auch ein Angriff aufseine Freiheit ist. Dies ist es, was z. B. in den Nordamerikanern lebt, und darum ist deren Freiheit eine unerschütterliche, ein Fels, der nie wankt. In Deutschland ist es noch nicht so. Da hat, wenn nicht jedes Individuum, doch jeder Stand nur sich im Auge, nur seine Freiheit, nur seinen Bortheil, die er auf Kosten der Anderen möglichst erweitern will. Es ist sehr die Frage, ob der Kampf um die Freiheit in Deutschland nicht noch immer mehr ein Kampf gegen die bisher Bevorrechtigten ist, deren Vorrechte man sich gern gefallen ließe, wenn sie Einem selbst zusielen. Jndeß ist dies vielleicht der Weg zur Freiheit, indem natürlich für die Masse keine Vorrechte bestehen können, da sie hier zum Rechte Aller werden. Für jetzt aber ist es doch ein schlimmer Zustand, da die Masse bei ihrem Andrängen nach oben im verflossenen Jahre vom selbstsüchtigen Motive ausging, sich dadurch außerordentliche materielle Vortheile zu erwerben, worin sie freilich von vielen Volksleitern bestärkt worden. Der Bauer dachte sich in den Besitz großer Aecker, der Gewerksmann wieder in den Besitz des ausschließendsten Gewerbebetriebes zu setzen. Jetzt, wo die freieste Verfassung da ist, jetzt sehen jene sich getäuscht, denn die Verfassung konnte nicht mit einem Male ein Kalefornien voll guten Ackers zur Vertheilung Herzaubern, die freieste Verfassung konnte nicht alle Handelsverbindungen abschneiden und eine chinesische Mauer um die städtischen Zünfte ziehen; die still und allmälig heranreifenden Segnungen der Freiheit, die höhere Befriedigung, die dem Manne in der Ausübung seiner durch die Freiheit gegebenen Theilnahme am Staatsleben wird, konnten von der Masse nicht begriffen werden. Nichts ist aber leichter, als der völlige Umschlag der Volksgesinnung, wenn die Freiheit nicht von innen heraus gekommen und zum Lebensprinzip des Volkes geworden. Bald hält man, wenn sich die Vortheile nicht in baarer Münze darlegen lassen, für Unheil, was man als höchstes Heil erkämpft, ertrotzt hatte; ja bald glaubt man, daß es früher viel besser gewesen, als es jetzt ist, eine Meinung, zu der der Deutsche ganz besonders sich hinneigt. Solchen Umschlag gewahren wir bei großen Völkern, bei großen benachbarten Stämmen, warum sollte er bei unsrem kleinen Anhaltinerstamme ausbleiben? Am Empfindlichsten wendet sich dies gegen die Juden. Was die Gleichstellung der Juden bedeute, wodurch dieselbe in einem freien Staate unweigerlich gefordert werde, das war wol der Masse im Frühjahr am Wenigsten klar; die Volksführer, die diesen Akt der Rothwendigkeit verstanden, sprachen das Wort aus, und die Menge, die, was nicht zu leugnen ist, auch gern wohlthut, wenn es ihr Nichts zu kosten scheint, und welche die Juden von denselben unterdrückt sah, die sie bekämpfte, sprach das Befreiungswort nach. Jetzt, wo der Umschlag vor sich gegangen, wendet er sich insonders gegen die Juden. Denn von Selbsterlangtem will man doch Nichts aufgeben, aber die, welche man noch benachtheiligen, welchen man wieder nehmen könnte, die sind es, welche büßen sollen. Hier tritt nun insonders der Gewerksstand als Agens auf. Wer den Handwerkerstand auch noch so sehr in seiner Bedeutung würdigt, wer in ihm den, nothwendig zu erhaltenden Mittelstand des deutschen Volkes würdigt, muß doch zugestehen, daß er in der mittelalterlichen Stellung nicht mehr zu konserviren ist. Die Verbindung des Zollvereins, die hoch gestiegene Industrie, das Maschinenwesen haben dem Handwerkerstande die Sehnen abgeschnitten, und es ist wahrlich nicht der lokale Handelsstand, der ihm jenen Schaden zubringt, sondern die großen industriellen Erscheinungen der Gegenwart, gegen die nur allgemeine Einrichtungen, nicht mehr lokale Abschließung helfen können. Wenn sich auch Dessau vollständig abzuschließen suchen würde, was nützt es, und wie will es sich gegen die Allgemeinheit wehren? Bis jetzt hat das Zunftwesen in voller Kraft in Dessau bestanden, zugleich schloß es bis jetzt die Juden vollständig aus. Kein Jude durfte