Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Gift hervorströmt, und diese Quellen sind ihm zu verdächtiger Natur. Jndeß hat man mit Recht bei der Regierung dagegen Einspruch gethan, und es wird sich zeigen, ob diese jene höllischen Machinationen begünstigt, oder nicht, ob sie in der Muckerpartei ihre eigene Unterstützung sucht, als daß sie sie verletzen sollte, als daß sie ihr gegen die Juden Zaum und Zügel anlegen sollte, oder ob sie alle Parteien in ihrem Uebermaß, in ihrer Entartung meistern will. Sollte es der Muckerpartei ja gelingen, etwas Gewaltthatiges gegen die Juden zu Stande zu bringen — wohl, so hätte sie sich sicherlich das Todesurtheil geschrieben und den Tag ihres gänzlichen Sturzes nur um so näher gebracht. Aus dieser Saat würde ihr eine furchtbare Vergeltung entspringen. —. Am Sonnabend ist in der Plenarversammlung des Kammergerichtcs endlich der erste Jude als Beamter eingeführt worden. Es ist der Auskultator vr. Jonas. Den Diensteid hatte er zuvor in der Synagoge abgeleistet. (Rat. Ztg.) Schwerin a. d. Warthe, im Dezember. (Privalmitth.) Wenn ich Ihnen erst heute von einem Unternehmen berichte, für welches bereits zwei Monate eifrig gestrebt, und nunmehr schon ein Grund gelegt worden ist, so geschah dies, weil es allerdings in unserer Zeit am Geeignetsten ist, erst dann mit einem Projekte in die Oeffentlichkeit zu treten, wenn es nicht mehr in das Gebiet der bloßen Entwürfe gehört, wenn ihm vielmehr die Verwirklichung schon nahe gebracht ist. Das Wort wird vernommen und vergessen, die Lhat steht sichtbar vor den Augen und bleibt bestehen. Die Ereignisse des ablaufenden Jahres haben viele Folgen, namentlich für die Juden im Großherzogthum Posen, hinterlassen. Es sind da viele Wunden geschlagen worden, die geheilt werden müssen, aber nicht durch irgend eine vorübergehende Unterstützung, sondern durch ein dauerndes Werk. Diejenigen Männer, welche Verluste erlitten haben, sie können sie, und wären sie noch so groß gewesen, auf irgend eine Weise wieder ersetzen. Aber die Kinder? die Waisen? die nach ihren Vätern rufen, und finden sie nicht? nach ihren Müttern schreien und erreichen sie nicht? die nicht blos ernährt, sondern erzogen sein wollen? erzogen für eine neue Zeit, welche die alten materiellen Erwerbsmittel beseitigt hat, und neue Richtungen der Thätigkeit verlangt? ... für diese muß gesorgt und gestrebt werden. Wer da weiß, wie schwer es gerade in unserer bewegten Zeit ist, die materiellen Mittel selbst zum wohlthätigsten Werke zu erhalten, der wird den Muth ermessen, der dazu gehört, sich einem solchen zu widmen. Es ist daher doppelter Anerkennung werth, wenn der hiesige Rabbiner vr. Schwabacher den Vorsatz faßte, eine Waisenanstalt für die, durch die polnischen Jnsurrektionskämpfe elternlos gewordenen jüdischen Kinder der Provinz zu schaffen, eine Waisenanstalt, mit der zugleich insbesondere eine Ackerbauschule verbunden sein soll, die vielleicht über den Kreis der Waisen hinaus eine segensreiche Wirkung auf die Erziehung der Kinder unseres Glaubens erlangen könnte. Ihn trieb dazu der Jammer über die Roth und Verwahrlosung dieser Waisen; als weiteres Motiv kann man das mit neuem Eifer erwachte Streben der Missionäre ansehen, die für ihre Bemühungen auf diesem Leichenfelde eine neue Ernte an jungen Seelen, die Israel zugehören, zu erlangen suchen. vr. Schwabacher drückte seine Absicht in folgendem Aufruf näher aus: „Die Jnsurrektionsschlachten der Polen in der jüngsten Zeit haben die Provinz Posen zum Schauplatz grausenvoller Thaten gemacht, — Szenen hervorgerufen, die wir mit Entsetzen erlebt, das Ausland mit Schauder gelesen hat. Lassen Sie mich schweigen von Thatsachen, die der Barbarei des Mittelalters würdig, besser aus den Annalen der Gegenwart gestrichen, von ewiger Vergessenheit bedeckt würden, — aber die Folgen sind da, dauern noch, die Wunden bluten fort. Ich spreche nicht nur von unzähligen Familien, die um Hab und Gut, an den Bettrlstab gebracht, sondern auch, und ganz besonders, von unzähligen Waisen, die ihrer Väter und Versorger beraubt, hilf- und trostlos einer verzweifelten Zukunft entgegensetzen; die ohne Brod und Obdach, ohne Erziehung und Unterricht, der Verwahrlosung und dem Elende zum Opfer werden müssen. Edle Menschenfreunde! ich spreche hier von den Waisen jüdischen Bekenntnisses zunächst, (denn für die christlichen sorgen bereits bestehende Anstalten) deren Väter als Opfer für die deutschen Interessen unserer Provinz gefallen, und ich darf wol meine