Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 überein, daß, wo gesonderte Schulen unter den Juden für nöthig erachtet werden, diese auch möglichst zu heben und zu kräftigen sind, müssen jedoch im kirchlichen Interesse des Judenthums darauf dringen, daß die ohnehin sehr spärlichen Kräfte desselben nicht unnöthiger Weise abwendig gemacht oder zersplittert werden. — Unsere feste Ueberzeugung ist es schließlich, daß, so die Aufhebung der gesonderten jüdischen Volksschulen nicht in dem Maaße erfolgen sollte, wie wir dies erwarten und wünschen, sicherlich davon viel auf Rechnung des bereits verloren gegangenen oder doch geminderten Interesses für Religion überhaupt und Judenthum insbesondere zu schreiben ist.*) vr. Rothschild. Berlin, 24. Dezember. (Privatmitth.) Nachdem es der christlichen Muckerpartei nicht gelungen ist, das Heft vollständig wieder in Händen zu bekommen, nachdem die oktroyirte Verfassung die Religionsfreiheit völlig anerkannt hat, und somit die Muckerei niemals wieder herrschend werden kann, weil sie sich niemals im Volke eines bedeutenden Bodens zu erfreuen hat: sucht sie durch allerhand Manöver sich bemerklich zu machen, um zu ihren Zielen zu kommen. Die Juden haßt sie. Sehr natürlich, denn in den Juden ist das der Muckerei todtfeindliche Prinzip repräsentirt. Die Juden haßt sie zwiefach, denn mit der Gleichstellung der Juden ist die Religionsfreiheit vollendet. Sie, die schon über die Konzessionen des Gesetzes vom Jahre 1847 unwillig die Augen verdrehte, die die bescheidenen Forderungen des ersten vereinigten Landtages als Ausgeburten der Hölle brandmarkte, sie soll einem Nebenmenschen gleiche Rechte wie gleiche Pflichten zugestehen, der nicht zu ihrer Partei gehört? Schrecklich. Wie? wenn sie diesem Haffe genügte, indem sie zugleich sich wieder mächtig, das Volk beherrschend, da die Regierung sich ihr nicht beugt, zeigte? Das wäre das glänzendste machiavellistischeste Kunststück, ein Meisterstück. Wie? wenn man einen Pöbelauslauf gegen die Juden bewirkte? wenn man den großen Haufen anstachelte, einmal wieder ein Stück Mittelalter gegen die Juden zu spielen? Das wäre ein unendlicher Sieg. Erstens *) Wir «erden dem gesch. Korresp. ein ander Mal antworten, da uns im Augenblicke Muße fehlt. Redakt. würde man zeigen, daß man auch den Pöbel zu leiten verstehe; zweitens würde man die Juden züchtigen; drittens würde man den Gewalthabern sagen, seht, das Volk verleugnet die Revolution, denn es erhebt sich wider seine Verführer zur Revolution, denn das waren ja bekanntlich die Juden; viertens würde man den Gewalthabern sagen, seht, das Volk steht auf wider die Gleichstellung der Juden, es will diese nicht, also nehmt sie zurück, schon um der Erhaltung der Ruhe willen, es sind schon andere verheißene Rechte beschränkt und, wenigstens zeitweise, aufgehoben worden um der Ruhe willen, warum nicht die Gleichberechtigung der Juden; also geschwind. Denn ist nur erst eine Bresche wieder in der großen Veste der Glaubensfreiheit, so wollen wir schon weiter hineindringen, bis der ganze Platz wieder genommen, und die Besatzung kriegsgefangen ist. Man sieht, das Stück ist fein angelegt. Aber dem Plane muß die Ausführung folgen. Zuerst donnern die groben Geschütze, die „Kreuzzeitung", auch bisweilen der „Staatsanzeiger", gegen die Juden tagtäglich, und lassen Bomben und Granaten wider sie los. Dann eröffnet man ununterbrochen ein Kleingewehrfeuer im „Sonntagsblatt," „Volksblatt" rc., die gratis zu Hundcrttausenden von Exemplaren verstreut, den Kreisblättern im ganzen Lande beigelegt werden. Aber da auch dies Nichts hilft, läßt man Kartätschen spielen, indem man das Pflaster von Berlin mit ganzen Schiffsladungen von Traktätchen bedeckt, welche die furchtbarsten Blasphemieen, die schrecklichsten Verleumdungen gegen die Juden enthalten, welche ohne Scheu zu Plünderung und Todtschlag auffordern, kurz welche den wüthendsten Haß predigen, und, voraussetzend, daß dieser im Volke nur erst unter einer dünnen Rinde noch liegt, zur blutigsten Gräuelthat anstacheln. Die Mucker haben dazu die günstigste Zeit gewählt; denn dieses Gift schadlos zu machen, ihm offen und kräftig entgegenzutreten, ist alle Gelegenheit genommen. Die frommen Seelen haben Vereinigungs- und Preßfreiheit, während sie den Liberalen gegenwärtig versagt sind. Sie können ungehindert ihre Minen anlegen und springen lassen, während Niemand Gegenminen nur versuchen darf. Diese günstige Konjunktur wird mit allen Kräften benutzt. Nun. Wir hoffen ohne Erfolg. Das Volk ist doch gesünder geworden, und die Mucker sind ihm zu verhaßt. Es kennt die Quellen, aus denen das