Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 und erforderliche Erweiterung derselben macht sie rathsam. — Es wird ferner über die niedrige Stufe der allgemeinen Volksschulen geklagt, welche die jüdischen Gemeinden nöthigen soll, Privatschulen zu errichten und zu erhalten, um ihren Kindern ein größeres Maaß des Wissens, dem ähnlich, welches sie in Bürger- und Handlungsschulen erlangen, zu bieten. Aber der niedrige Standpunkt, welchen unsere Volksschulen einnehmen, ist ein Uebelstand, unter welchem die ganze Bevölkerung leidet. Es hat daher stets nur Sache der betheiligien Eltern sein können, für gemeinsamen oder isolirten Privatunterricht ihrer Kinder zu sorgen. Nimmermehr aber kann es noch fortwährend als eine Aufgabe jüdischer Gemeinden als Solcher betrachtet werden, für Errichtung und Erhaltung solcher Privatschulen Sorge zu tragen. Dazu kommt, daß in den meisten Gemeinden die Kinder andere Schulanstalten: höhere Bürger-, Handlungsschulen, Gymnasien, Töchterschulen rc. besuchen, und da wollte man . die Eltern dieser Kinder oder gar kinderlose Eltern nöthigen, jüdische Privatschulen zu unterhalten? Dazu kommt, daß von nun an für die allgemeinen Volksschulen ohnehin eine gemeinsame Steuer aufgebracht werden wird, aber auch, wo die Mittel der bisherigen Ortsschulen beschränkt sind, der Staat dafür aufkommen muß, um sie in erforderlicher Weise zu erweitern und zu erheben, so daß in Zukunft auch in diesen Anstalten für bessere Leistungen Sorge getragen fein wird. — Ein fernerer Einwand wird davon hergenommen, daß der Geist der Bevölkerung noch zu abstoßend sei, um die Benutzung christlicher Schulen Seitens jüdischer Kinder für beide Theile angenehm zu machen. Wir leugnen nicht, daß an vielen Orten noch Gefahr, die Kinder einem Streben nach Proselytenmachcrei ausgesetzt zu sehen, vorhanden ist; auch ist im Allgemeinen der Judenhaß noch nicht so sehr geschwunden, wie dies gewünscht werden muß. Aber wir müssen auch gestehen, daß diese Zustände vielfach durch die Einrichtung der Pfarrschulen bedingt waren. Dadurch, daß den christlichen Geistlichen als Solchen die Oberaufsicht über die Volksschulen genommen ist, werden mit der Ursache auch die bösen Folgen schwinden. Auch wird die neue politische Stellung der Juden hierzu Vieles beitragen, wie die veränderte soziale Stellung derselben darin schon sehr viel Gutes gewirkt hat. So viel ist jedoch jedenfalls sicher, daß wir den Ueberrest vorurtheilsvollen Judenhasses weniger durch eigensinnig festgehaltene Trennung von der christlichen Bevölkerung, als durch Amalgamirung mit derselben von Jugend auf entgegenarbeitcn. Uebrigens ist unserseits auch nicht behauptet worden, daß alle unter den Juden bestehenden Schulen aufgehoben werden möchten, vielmehr wurde anerkannt, daß die Nothwendigkeit ihrer Errichtung oder Erhaltung möglich sei, nur für viele Gemeinden sei diese Nothwendigkeit schon jetzt, für andere gewiß in baldiger Zukunft nicht mehr vorhanden. Wir beabsichtigten, für diese anzugeben, wie deren Kräfte nunmehr im alleinigen religiösen Interesse des Judenthums zu verwenden seien, da sie demselben auch nur in religiöser Beziehung noch angehören, wie sie in solcher auch nur eine geschloffene Gemeinschaft bilden. — Endlich soll nach gegnerischer Ansicht eine große Klasse der Juden heute noch auf derselben Stufe der Bildung sich befinden, welche dieselben vor 50 Jahren im Ganzen eingenommen, so daß hiernach die Beibehaltung gesonderter Schulen für diese ebenso nothwendig erscheine, wie vor 30 Jahren für fast Alle. Es ist jedoch nicht wahr, daß ein so überwiegender Theil der Judenheit heute noch dasselbe Bild wissenschaftlicher und sozialer Vernachlässigung abgebe, wie vor 50 und 30 Jahren. Wol treffen wir noch Spuren früherer Bildungsphasen an, hier mehr, dort weniger deutlich und ausgedehnt, aber sicherlich hat das Judenthum jetzt und in nächster Zukunft ganz andere Anforderungen an sich und seine Jugend zu stellen, wie in damaliger Zeit, wo seine Vergangenheit und Gegenwart eine himmelweit verschiedene war. Wo die Verhältnisse jedoch dieser Schilderung nicht entsprechen, da bleibt auch nach der von uns aufgestellten Ansicht die Errichtung und Erhaltung gesonderter Schulen nicht ausgeschlossen. Wir bemerken auch noch, daß die weltliche Bildung bei den Juden keineswegs im Interesse ihrer Religion gefördert wurde. Wir sagen das nicht etwa, weil wir Gegner der Aufklärung sind und von derselben Gefahren für die Lehren und das Bekenntniß des Judenthums fürchten. Es ist wol nicht nöthig, dies erst von uns noch näher zu konstatiren. Sondern wir meinen, daß die Pflege und Förderung der religiösen Interessen des Judenthums gegen seine weltlichen und durch dieselben vernachlässigt worden. Diesen Fehler haben wir jetzt wieder gut zu machen, da die Möglichkeit dazu vorhanden ist, — und dahin zielen unsere Vorschläge. Demnach stimmen wir darin