Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 auch anfänglich nur aus Neugierde. Nicht minder können die Versammlungen sich nach Bedürfniß in fortgesetzter Reihe wiederholen, was am fremden Orte nicht der Fall ist, wo mit einer oder zweien Sitzungen Alles vollendet, aber auch vielleicht ebenso bald wieder vergessen sein wird. Durch fortgesetzte Versammlungen am Orte jedoch wird das Interesse dauernd erhalten. Wenn auch viele Orte nicht reich sind an Männern, welche thätigen Antheil an einer parlamentarischen Debatte zu nehmen oder eine solche gar zu leiten verstehen, wenn auch viele solche Männer gänzlich entbehren mögen: so bedenke man, daß überhaupt bindende Beschlüsse weniger gefaßt werden, als daß solche Versammlungen nur zu religiösen Besprechungen und zur Erweckung des religiösen Interessen dienen sollen. Im äußersten Nothfall, oder wo es für besser erkannt wird, mag man sich freilich den nächsten Gemeinden anschließen. Wenn einzelne hervorragende Städte hierin mit gutem Beiipiele vorangehen, so werden sie ohne Zweifel im ganzen Lande Nacheiferer finden. Möchten daher in diesem Sinne die nöthigen Aufforderungen ergehen, Vorversammlungen in den einzelnen Ortschaften und Gemeinden abzuhalten. Möchten alsdann auch die Hauptstädte des Landes und der Provinzen zu diesem heiligen Zweck die Initiative ergreifen. Es würde sich alsdann sehr bald das allgemeine Bedürfniß nach der erstrebten Berufung einer Gesammtsynode Herausstellen. Und das Volk ist fähig, Alles zu erreichen, wenn es nur dazu willig ist.*) Ur. Rothschild. Hamm, 14. Dezbr. (Privatmitth.) Aus meinem Artikel über das Verhältniß der Rabbiner zur Schule und Synagoge (No. 49 v. I.) greifen Sie in Ihren Bemerkungen einseitig die Schulfrage heraus. Ich habe demnach hier auch nur Veranlassung, dahin bezüglich zu antworten. — Es ist nicht einmal wahr, daß die Theorie die Errichtung von Religionsschulen, an die allgemeinen Schulen äußerlich sich anlehnend, im Wesentlichen jedoch getrennt von ihnen, anrathe, und nur die Rücksicht auf die Wirklichkeit und praktische Möglichkeit einen solchen Plan unausführbar mache. Im Gegentheil werden vom rein theoretischen *) Was der gesch. Korresp. will, ist keine Synode, sondern Gemeindeversammlungen, denen wir schon im vor. Jahre wirderholt das Wort geredet. Redakt. Standpunkte gerade Konfessionsschulen gefordert, damit das religiöse Element früh anfange, das ganze Leben des Menschen zu durchziehen. Es erscheint dies namentlich nach jüdischen Grundsätzen nothwendig. Wenn auch manche Fächer einer religiösen Beziehung fern zu liegen und oft ihrer ganz zu entbehren scheinen, so wird jene Behauptung der Theoretiker doch noch dadurch gehalten, daß der Unterricht, namentlich in Volks- und Elementarschulen, nicht blos wissenschaftliche Tendenzen verfolgt, sondern einen Hauptzweck auch in der Erziehung des Menschen hat, welche für alle Zeiten hauptsächlich eine religiöse sein soll. Denn der Anfang alles Wissens ist die Furcht vor dem Herrn. Auch ist der Umstand nicht zu übersehen, daß bei der Bildung von besonderen Religionsschulen neben den allgemeinen, oder was ziemlich gleichbedeutend damit ist, bei der Verweisung alles Religionsunterrichtes aus Letzteren, die Gefahr droht, daß die in den Religionsschulen ausgestreute Saat von anders- oder gar ungläubigen Lehrern der profanen Unterrichtsgegenstände ausgerodet und so alle Wirksamkeit der Geistlichen, Rabbiner oder Religionslehrer neutralisirt werde. Es ist dies namentlich eine Furcht, welche die Juden am Meisten, ebenso aber auch andere Religionsgesellschaften zu hegen nöthig haben. Also nicht die Zugrundelegung rein ideeller und theoretischer Prinzipien, sondern die Rücksicht auf die nackte Wirklichkeit und Praxis erheischt Vorschläge, wie wir sie gemacht. Denn der Religionsunterricht wird der großen Mehrzahl nach von Männern ertheilt, welche nicht fachgemäß und vollständig dazu vorgebildet sind. Die Schwierigkeiten eines guten, für Gegenwart und Zukunft reiche Früchte tragenden Religionsunterrichts sind viel zu groß, als daß derselbe, wie bisher, nebensächlich betrachtet und behandelt werden dürfte. — Der Gottesdienst erfordert Reformen, denen ebenso diejenigen, welche ihn bisher geleitet, der großen Mehrzahl nach nicht immer gewachsen sind. — Die finanzielle Lage der wenigsten Gemeinden erlaubt die Anstellung mehrerer Kultusbeamten. — Hierdurch erscheinen unsere Vorschläge hinreichend motivirt. Das soziale Verhältniß der Juden, ihre gleiche Berechtigung im Staate, das Aufgehen derselben im Volke, macht die Ausführung derselben nach unsrer Angabe möglich. Die nunmehr verheißene Erhebung der Volksschulen zu Staatsanstalten, die Unentgeldlichkeit des Unterrichts in ihnen, die Aussicht aus genügende Leistungen