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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-01-01 · Heft 1 (1.1.1849) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 1 (1.1.1849)
Date
1849-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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s Sprache zu verlesen sei, und diese Frage bis vor den Kaiser gebracht wurde, und dieser sich für die griechische Sprache entschied, wenigstens es völlig frei gab, sie auch in dieser am Sabbat zu verlesen, und die dies wollten, mit aller Macht zu schützen gebot-da erst wollte kein Jude sie mehr in griechischer Sprache lesen, und sie lasen Alle sie im Urtext. Aber das können wir uns nicht verhehlen, daß in vielen Gemeinden hartnäckige Streitigkeiten, Parteiungen rc. entstehen werden, welche die religiöse Entwickelung überaus hemmen, und die gemeindlichen Institute der Ohnmacht überantworten werden. Da nun die bei Weitem meisten Gemeinden nur so zahlig sind, daß sie keinen materiellen Abbruch, keine Theilung zulasten, ohne so gut wie aufgelöst zu sein, so werden daraus traurige Konflikte hervorgehen, unter denen alles höhere religiöse Streben daniederliegen wird. Man wird an vielen Orten darauf reduzirt werden, daß sich die einzelnen Familien einen Schächter halten, höchstens auch noch einen Chasan. An Religionsunterricht, Predigt, Verbesterung des Gottesdienstes rc. wird wenig zu denken sein, weil die Mittel dazu aus der gespaltenen Masse nicht zu ziehen sein werden. An manchen Orten werden die Reformen wieder verfallen, weil die Gegner freies Spiel erhalten; wahrend an anderen Orten wieder, wo die Reform bis jetzt völlig unterdrückt war, diese jetzt schärfer, aber auf dem Boden der Spaltung, hervortreten wird. So erscheint uns das Bild der jüdischen Gemeinde Ln nächster Zeit; daß es nicht ganz aus der Luft gegriffen, dafür liegen uns schon Belege vor. Wir wollen unsere Gedanken unseren Lesern nicht vorenthalten. Wir gestehen offen, würden diese Zustande vermögen, unsere Glaubensgenossen mit größerer Kraft aus der bisherigen Lethargie zu reißen, würden sie im Stande sein, die Streitelemente, die längst vorhanden sind, in Bewegung zu setzen und dadurch die Entwickelung mächtig zu fördern: so würden wir diese Zustände nicht einmal bedauern. Es muß einmal in der Menschheit Alles durchgefochten werden, von selbst macht sich gar Nichts. Was wäre hierzu aber nothwendig? Mit wenigen Worten: der Geist der Vereinigung, daß die Juden aus ihrem beschränkten und beschränkenden Lokalgeiste heraustreten, und sich über ganze Landstriche hin zu vereinigen streben. Bis jetzt standen die Gemeinden Israels als lauter einzelne Körper da, die nur für sich sorgten, nur an sich dachten, und außer sich Nichts kannten. Aus dieser Zersplitterung müßten sie herauskommen. Die Juden müssen sich durch ganze Länder als freie Religionsgesellschasten vereinigen, und dazu müssen gerade die sich auflösenden, zersplitternden Gemeinden den Stoff dazu hergeben. Dies wäre der Weg der Freiheit, wie er zu einem segensreichen Ziele führt. Wir sprechen heute diesen Gedanken nur so aus. Er wird oft und vielfach erörtert werden müssen. Jedenfalls eröffnet er uns einen Blick in die Zukunft, der statt trostloser Zerrüttung einen erhebenden Aufschwung, eine neue Verbindung auf höherer Stufe verkündet. Aber die Verwirklichung scheint uns durchaus nicht unmöglich, vielmehr so nothwendig, so im natürlichen Gange der Entwickelung zu liegen, daß wir an ihr gar nicht zweifeln. Angebahnt ist er durch die politischen Kämpfe, welche die einzelnen Gemeinden zu vereinigten Anstrengungen oft genug zwangen, angebahnt durch die Konsistorialverfassung in einigen Ländern, angebahnt durch die Rabbinerversammlungen, Reformgenossenschasten, Synodalversuche. Ferner ist nicht daran zu denken, daß sich solche große Vereinigungen aus aller Juden Kopf für Kopf bilden werden und zu bilden brauchen. Mag immerhin die Reformpartei, immerhin die orthodoxe Partei, oder bloß eine allein vorerst solche große Vereinigungen bilden: wenn nur aus den zerfallenden Gliedmaßen der einzelnen Gemeinden sich neue größere Körper bilden, und so an die Stelle der einzelnen Gemeinden große Gesammtgemeinden treten, wenn also auch mit verschiedener Tendenz nebeneinander. Ihre abermalige Vereinigung wird dann im Schooße der Zukunft liegen. Ja, wir sehen gar nicht ein, wie es anders kommen soll; denn wenn noch irgend Lebenskraft im Judenthume vorhanden ist — und wer will hieran zweifeln — so sind ja die Stücke der zerfallenden Gemeinden von selbst genöthigt, sich dadurch zu retten, daß die einzelnen Stücke wieder eine Einheit, und nun eine weitere, höhere Einheit suchen, in der sie leben können. Um so nothwendiger ist es aber jetzt schon, diesen Gedanken in die Masse unserer Glaubensgenossen zu bringen, und so das Heilmittel, ja die höhere Stufe vorzubereiten, während der Krankheitsprozeß, die Krise mit aller zerstörenden Kraft hervorzubrechen sich anschickt.

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