Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1849)
- Date
- 1849-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225606-3225608--09894-3239910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
xni. 3»n«»3. Allgemeine No. 1. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von Dr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig. Leipzig, den 1. Januar 1849. Diese Seitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22f Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungs-Expedition en nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachf. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: War thut dem Judenthume vor Allem Noch? Jeitungsnachricktenl Deutschland: Frankfurt a. M., Hamm, Hamm, Berlin, Schwerin an der Warthe, Magdeburg, Magdeburg, Dessau. Belletristisches r Hispania und Jerusalem. Novelle aus dem zwölften Jahrhundert. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, 26. Dezember. Was thut dem Judeuthume vor Allem Noth? Mit je größerer Befriedigung wir auf die Resultate des vorigen Jahres in staatsbürgerlicher Beziehung sehen können, desto besorgter wendet sich unser Blick für das beginnende Jahr auf die inneren Zustände der Gemeinden. Die völlige Ablösung vom Staate, die unbedingte Selbstständigkeit der Gemeinden und die unbeschränkte Freiheit der Individuums in religiösen Dingen, kostbare Güter, nach denen so lange gerungen worden, müssen für viele Gemeinden kritische Augenblicke herbeiführen. Das Judenthum steht jetzt in einer Konstellation, wie es noch nie gestanden, und Niemand wird verkennen können, daß es auch in seiner äußern Existenz eine neue Bahn betritt. Spreche« wir es unumwunden aus, das Judenthum hat der Freiheit und Hochstellung noch nie gegenübergestanden. Als Israel noch Volk und zugleich von seiner Religion durchdrungen war, involvirte das religiöse Gesetz auch das Staaksgesctz, die staatliche Macht hatte somit das religiöse Gesetz zu bewachen, und dessen Verletzung zu bestrafen. In späteren Zeiten stand das jüdische Individuum doppelter Gewalt gegenüber, der politischen Macht, die der Staat der Gemeinde gab, und die im Mittelalter nicht gering war, und der Banngewalt der Rabbinen. In der jüngsten Periode haben viele Staaten den Juden eine Konsistorialverfassung gegeben, die der Synagoge gegenüber einen hierarchischen Jnstanzenzug und eine hierarchische Befehlshaberei aufstellte, welche wirklich nur durch das im Allgemeinen im Jude» vorhandene Gerecht! gkeits- und Freiheitsgefühl — Gefühle, die eben durch die Unterdrückung in ihm rege sein müssen — vor schlimmerem Gebühren gewahrt wurden. Jetzt, mit einem Male, völlig anders, in Deutschland wenigstens. Das Individuum völlig frei, die Gemeinde völlig frei. Damit ist das Judenthum völlig freier Bewegung übergebenalle Momente, die in ihm ruhen, können zum selbstbestimmenden Durchbruch kommen. Wir sägen es offen: eine Besorgniß für die Existenz des Judenchums hegen wir auch nicht im Geringsten. Dafür bürgt der innere Werth des Judenthums, dafür der Geist, der ungebrochen im jüdischen Stamme lebt, dafür auch der, durch die Geschichte bewährte Charakter desselben — als einst die Juden sich stritten, sich blutig stritten, ob die Tora in der Ursprache oder der griechischen