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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-20 · Heft 52 (20.12.1847) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 52 (20.12.1847)
Date
1847-12-20
Page
Seite 760 (sequence 8)
Language
German
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760 Städten hängt aber der Jude noch zu sehr an seiner alten Tracht, als daß nicht Alles versucht wird, um sie beizubehalten. Pesth, im November. (Privatmitth.) Wie ich schon oft Gelegenheit zu bemerken hatte: die Heroen der ungarischen Literatur sind eben nicht sehr judenfreundlich. Und wenn sie hie und da en passant den Juden berühren, so ist zehn gegen eins zu wetten, daß es eher ein Feindesstoß als ein freundschaftlicher Händedruck sein wird. Um so angenehmer ist aber die Ueberraschung, wenn Einer derselben seine frühere Ansicht im Laufe der Jahre ändert und aus einem kalten Judenfeind — ein warmer Judenfreund wird. Diese erfreuliche Veränderung nehmen wir soeben wahr an Alex. Fönyes, dem auch anderwärts rühmlich bekannten Geographen, Statistiker und Nationalökonomen Ungarns. In seinen früheren größeren Werken (Geographie Ungarns in 6, Statistik in 3 starken Bänden) wußte er selten etwas Gutes von den Juden zu erzählen, dagegen Vieles von ihrem Wuchergeiste, von dem Brandweintrinken, zu dem sie das Volk verleiten und es dadurch moralisch, wie körperlich ruiniren, von dem Hausiren, das ihnen zum Spioniren und dadurch zu Diebstählen u. s. w. Anlaß biete, von der Gemeinschädlichkeit der Emanzipation in einem Lande wie Ungarn u. s. w. u. s. w. Ganz anders in dem soeben erschienenen: Magyarorszag leirasa (Beschreibung Ungarns. 2 Bände. 8. 200 und 520 S.). So sagt er z> B. bei Klassifizirung der Einwohner nach Sprache und Abstammung (Th. I. §. 6. S. 32): „Die Juden, mit Ausnahme einiger Familien, benützen unter sich die deutsche Sprache. Wir können sie aber deswegen noch nicht zu den Deutschen zählen; ein besonderes Volk machen sie aber auch nicht, da sie jetzt nur wegen ihres verfolgten Glaubens abgesondert sind. In neueren Zeiten lernen sie mit großem Eifer die ungarische Sprache und lassen auch ihre Kinder in dieser unterrichten.... Was die Emanzipation der Juden betrifft: die findet jetzt wenig Sympathie bei dem großen Haufen, aber mit Unrecht, da auch die Christen, die Geld und Getreide haben, in ebendemselben wo nicht noch größcrm Maaße, den Geld- und Getreidewucher treiben, dessen man ausschließlich den Juden beschuldigen will. O Herr, wann kömmt endlich dein Reich! Wann kömmt die Zeit, wo der Mensch seines Glaubens willen nicht mehr verfolgt wird! — Wann werden doch die Christen, speziell die Söhne Ungarns einsehen, daß die den Juden zugeschriebenen Fehler, wenn und inwiefern sie wahr sind, nur durch die Emanzipation radikal geheilt werden können!..." So bei Angabe der Schülerzahl in der neuerrichteten „Josephs-Industrieschule" (das. §. 81. S. 171): „In Betreff der Religion sind 30 Römischkatholische, 27 Juden, die übrigen Protestanten und Griechen. Diese bedeutende Zahl der jüdischen Zöglinge widerlegt zur Genüge jene irrige Behauptung, als wollten sie blos Handel treiben und jede andere Lebensweise vermeiden. Daß schon im ersten Jahr so unverhältnißmäßig viel Israeliten ausgenommen wurden, hat seinen Grund auch darin, daß die Juden hier in Pesth, in Preßburg, Arad, Kanischa u. a. O. schon längst solche vierklassige Realschulen besitzen, wie sie nach dem neuen landtäglich ausgearbeiteten Plan bei den Katholiken errichtet werden sollen, in dem Vorbereitungsjahr der Industrieschule vorzüglich solche Individuen ausgenommen werden, die in den höheren Realschulen die zwei Jahr dauernde vierte Klasse beendigt haben...." Unter der Ueberschrist: „Schulen bei den Juden" (das. §. 92. S. 180. 81.) sagt der Verfasser: „Eine lobenswerthe Eigenschaft der Juden ist, daß er sein Kind gern und mit großen Kosten unterrichten läßt. Darum findet man selten einen Juden, wenn er noch so arm, der nicht schreiben, lesen, besonders aber rechnen weiß. Da aber die Juden ihre Kinder größtentheils von Privatlehrern unterrichten lassen, läßt sich die Zahl der lernenden Kinder nicht mit Gewißheit angeben; jedoch wenn wir aus je zehn Juden einen Schüler, und demnach in ganz Ungarn 24,000 unterrichtgenießende Judenkinder zählen, fehlen wir vielleicht nicht bedeutend. Uebrigens besitzen die stärkeren Gemeinden auch öffentliche Schulen, unter diesen auch wohlgeordnete Normalschulen, die von der betreffenden katholischen Oberschuldirektion abhängen. Unter den öffentlichen Schulen, die ohne Ausnahme eine reale Richtung haben, sind die vorzüglichsten die pesth er, altofener, großkanischaer, arader und preßburger...." Gebe Gott, daß alle ungarischen Judenfeinde so radikal bekehrt werden! Und deren Zahl ist eben nicht gering; sie ist eher im Abnehmen als im Wachsthum begriffen!... Charakteristisch für die

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