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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-20 · Heft 52 (20.12.1847) · p. Seite 756

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 52 (20.12.1847)
Date
1847-12-20
Page
Seite 756 (sequence 4)
Language
German
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756 zu Sitzen im Unterhause an beide Parlamentshäuser zu richten. —. Bis jetzt sind dem Unterhause 18 Petitionen zugegangen, welche verlangen, daß die Ausschließung der Juden vom Parlament beibehalten werde, während blos drei Petitionen im entgegengesetzten Sinne sich aussprechen. —. Lord John Russell hat seine Bill wegen der Zulassung der Juden in's Parlament auf den 16len einzubringen verschoben. Schweden. Stockholm, 19. November. Es heißt, daß unter den Gesetzentwürfen, welche die Regierung dem Reichstage vorlegen wird, sich ein Gesetzvorschlag über die fast vollständige Emanzipation der Juden befindet. Deutschland. Stavenhagen in Mecklenburg-Schwerin, 30. November. (Privatmitth.) Zur Abhaltung des hier in der Synagoge eingeführten, größtentheils deutschen Gottesdienstes, bei welchem auch die rvrb?*) (das sogenannte „Aufrufen") abgeschafft sind, ist uns folgender oberräthlicher Erlaß zugesandt worden. „An den verehrlichen Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Stavenhagen. Die laut Ihres Schreibens vom 22. v. M. eingeführten Veränderungen Ihrer Gottesdienstordnungen werden — da sie nicht nur keine Religionswidrigkeit enthalten, sondern vielmehr einen mächtigen Hebel für die Erhebung des Religionslebens bilden und den leitenden Grundsätzen der deutschen Rabbinerversammlung in Bezug auf Kultus entsprechen — von uns mit dem Wunsche genehmigt, daß der fromme, wahrhaft religiöse Sinn, von welchem jene Veränderungen zeugen, sich zum Preise Gottes in Ihrer Gemeinde erhalten und immer segensreicher entwickeln möge. Schwerin, den 24. November 1847. Der israelitische Oberrath." (Folgen die Unterschriften.) *) Der Religionslehrer spricht nur allein dieN2^2 vor und nach der Vorlesung aus der Tora. Bis zum Erscheinen des Gebetbuches der deutschen Rabbiner wer- Herrn vr. Einhorns Antrittspredigt ist hier in vielen Exemplaren verbreitet und wird die blumenreiche und feurige Beredtsamkeit dieses Redners allgemein bewundert und die Entschiedenheit in seiner religiösen Ueberzeugung hochgeachtet. P. Hamburg, 5. Sejernber. (Privatmitth. von unfern zweiten Korresp.) Wir leben in der Zeit des Fortschritts und so scheint es auch bei uns — nämlich in unsrer Gemeindeverwaltung — Licht zu werden; mit vollem Rechte dürfen wir annehmen, daß die Erwählung des vr. Rieß er in den Gemeindevorstand der erste Fortschritt war, und diesem ersten jetzt mehr folgen werden. Dieses Mal haben wir von einer Umgestaltung der Talmud Tora zu berichten. Ist das Werk auch noch nicht vollendet, so hoffen wir doch, bald Ausführlicheres darüber mittheilen zu können; zuvörderst ist man bemüht, der Anstalt rüstige Lehrer zu geben und da könnte es auch kommen, daß überhaupt einige Lichtstrahlen in diese Dunkelheit dringen. Vielleicht geht man dann zu einer Reform des gesammten Schulwesens über. An Stoff zur Thätigkeit kann es £>ei uns nicht fehlen — möchte nur der Eifer nicht erkalten. Die Beschneidungsangelegenheit ist noch nicht erledigt; die Eintragung des quäst. Kindes in die Gemeindelisten ist vorläufig sistirt, da man sich auf's Neue an den Senat gewandt und um Aufhebung der ersten Entscheidung gebeten hat. Bei dieser Gelegenheit hat die orthodoxe Partei unserm geistlichen Beamten ihr Mißfallen darüber zu erkennen gegeben, daß auch dieser Vorfall ihn aus seiner Ruhe nicht stören konnte, denn er hat in der That für seine Partei Nichts gethan und wie ein Fatalist nur Ergebung gepredigt. Der politisch-soziale Verein hat sich in seiner letzten Sitzung mit den Angelegenheiten der Handwerker beschäftigt und wird im nächsten Jahre hoffentlich mehr zu erstreben suchen, als bisher. Die Ausstellung von Arbeiten jüdischer Arbeiter aber, welche vom Verein ausgegangen und demnächst in's Leben treten wird, mögen wir nicht alseine That bezeichnen, sind vielmehr der Meinung, daß sie besser unterblieben wäre, denn da, wo das Vertrauen fehlt, wird es durch derben einstweilen die Uebersetzungen der Gebetstücke derReformgenossenschast zu Berlin in der Synagoge benutzt.

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