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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-13 · Heft 51 (13.12.1847) · p. Seite 751

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 51 (13.12.1847)
Date
1847-12-13
Page
Seite 751 (sequence 11)
Language
German
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751 war, Du Sp., der Du immer ein gütiges Lächeln, ein freundliches Wort für den Jüngling hattest, desien Leid Dein Forscherblick, den immense Gelehrsamkeit für Deine Mitmenschen nicht abgestumpft, wohl durchschaut hatte? Und stehst Du nicht vor mir, ehrwürdiger Greis, den ich einst zum Grabeshügel seines einzigen Sohnes geleitet, in verhängnißvoller Stunde? Ja, sie war für mich verhangnißvoll, so unscheinbar sie war, denn ohne Deine Hilfe, Deine immer von selbst in entscheidenden Momenten gekommene Hilfe hatte ich das Studium nicht vollenden können, sondern wahrscheinlich abbrechen müssen. Und wenn Du Dich auch mir nie genannt hast, wenn Deine Gaben immer durch die dritte Hand kamen, ich kenne Dich doch, ich kenne Dich gerade daran.... Denk' Dir, mein Tagebuch, und ich glaube Dich vernünftig erzogen zu haben, denke Dir noch zuletzt den Tag vor meinem Doktorexamen. Ich hatte mich gemeldet, denn das Ende war da; der Tag war anberaumt; ich fühlte mich genügend vorbereitet, um ein ehrliches Examen zu bestehen ... aber die anderthalbhundert Thaler, die ein barbarischer Gebrauch vor der Prüfung außer der Wiffenschaft noch verlangt ... kein Pfennig war da. Meine letzten Thaler hatte ich auf Porto verwandt, um an reiche Männer zu schreiben um Hilfe, um Beistand, aber keine Antwort.... Ich war in Verzweiflung. Meine Mutter war herübergekommen, um den süßen Triumph, ihren Sohn mit dem Doktorhut geschmückt zu sehen, zu genießen. Wie ward er vergällt!... Die Stunden schlichen hin, wie auf der Folter. Schon war ich entschlossen, zum Dekan zu gehen, um die Prüfung abzubestellen.... Siehe da, da klopft's.... Hereintritt der Postbote, und brachte mir die ganze, benöthigte Summe, keinen Pfennig mehr, keinen weniger.... Von woher? Vom Himmel? Aus dem Paradiese?... Nein! aus einer Stadt, in der ich keinen Bekannten, in der nicht einmal ein Glaubensgenosse wohnt.... Ohne Namen, nur mit den Worten: „Zum Examen!" Fürwahr, der Sender mußte in diesem Augenblicke mitten im heiligsten Himmel sein.... Auf die Knieen fallen, die Hände zum Herrn erheben, Thränen, Thranen der süßesten Wonne weinen ... das war der Inhalt dieses Augenblicks. Und ich sage jetzt, wohl dem, der solche Augenblicke durchlebt hat... „Und so ist es denn gegangen. Ich habe mich durch eine enge Felsschlucht hindurchwinden müssen, aber ich bin nun in's Freie gelangt. Ich habe nun, worauf ich mich für mich und meine Familie im Leben stützen kann um selbstständig Ansprüche an's Leben zu machen. Mein Bruder Jakob macht gedeihliche Fortschritte auf dem Gymnasium. Mein Bruder Moritz ist soeben aufs Gymnasium übergegangen. So ist denn Alles in Erfüllung gegangen, was ich still in der Brust als Entwurf gehegt. .. „Da f)eif3t es nun: unermüdet vorwärts!... Die Blüten haben sich zu befruchteten Samenkapseln gewandelt, so muß auch die Frucht gedeihen und reifen...." „Und ich weiß es nun: der starke Wille, sobald er den Weg des Rechten einhält, führt zum Ziele...." „Aber dieses allein? Nein, noch viel mehr. Ich weiß: der alte Gott lebet noch! Der Gott, der „seine Engel vor Jakob hergesendet, und ihn geweidet von seiner Jugend an" — er lebet noch! Er leitet noch die Waise, er schützet noch den Fremdling, er segnet noch den Sterbenden! Ihm sei die Ehre, denn sein ist die Herrlichkeit!.. „Und so habe ich vor Allem Dir, Vater im Himmel, zu danken, daß Du durch frühzeitige Ereignisse ernster Art, durch Druck der Kindheit und Bürde der Jugend, mich vor den Irrungen des Jünglings gnädig geschützt hast. Nein, es geschiehet Nichts vergebens in dieser Welt, es ist Nichts Zufall, es ist Alles — Erziehung... „So werde das Band niemals lofe, das mich an meinen Gott, das mich an den Glauben, der mich ihn erkennen lehrte, knüpft ... niemals lose, niemals zerreiße es ... sein Gedanken geleite mich auf meinen Wegen, erleichtere mir meine Arbeit, halte mich aufrecht in den bangen Stunden, wo meine Kunst mich verlassen wird, in den noch bangeren Stunden, wo ich von Sterbelagern statt vom Lager der Genesung gehen werde, und gefegne, was ich mit Demuth vor ihm unternehmen werde... Und so, lieber Leser, überlasse ich Dir diese kleine Schilderung — denn dies ist sie mehr als Erzählung — und bitte Dich, sie nicht ganz ohne Befriedigung aus den Händen zu legen. Bitte Dich? Ja, denn wohl weiß ich, daß alle Kraft des Erzählers zu Schanden wird vor der Schärfe der Kritik, und nur besteht, wenn der Leser — mit Liebe liefet. Vielleicht daß ich Dir noch einmal ein Blatt aus diesem Leben aufschlage; denn daß es mit Obigem nicht vollendet ist — siehst Du selbst ein. Lebe wohl, und es sei Dir leicht....

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