Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1847)
- Date
- 1847-12-13
- Page
- Seite 748 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225549--09042-3239891- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
748 steckte reine und mackellose Ziel einen jüdischen Gewerbsstand heranzubilden, Ln der Richtung, die bei jeder Gelegenheit Ln dieser Hinsicht an den Tag gelegt wird. So konnten bei dem hier so sehr beschränkten Raume im Bethause die Lehrlinge einem geregelten, Herz und Gemüth erhebenden Gottesdienste nur sehr selten beiwohnen, da an den heiligsten Feiertagen ihnen der Eintritt dahin nicht gestattet werden konnte. Dies Hinderniß wurde, wenn auch durch nicht unbedeutende Opfer, auf eine Art beseitigt, daß ihr Erscheinen daselbst kontrolirt, und ihr Benehmen überwacht werden kann, was mit äußerster Sorgfalt auch geschieht. Der erbauungsvolle, erhebende, Geist und Herz stärkende Gottesdienst, geleitet von einem Mannheimer, kann wahrlich nur kräftigend und ermuthigend in der Liebe für das Judenthum wirken. Sehr zweckentsprechend schließt sich die von dem für die Menschheit und besonders für das Judenthum leider zu früh verstorbenen Herman Todesco gespendete Stiftung für die Unterstützung zur Etablirung der Meister, dem Vereine an. Die von dem Stiftungskapitale 10,000 Fl. entfallenden Jahreszinsen, 500 Fl., sollen zu diesem Zwecke von dem Vereine an solche Meister, die Vereinszöglinge gewesen, verabreicht werden. Da in Folge dieser Klausel, diese erst nach einem Dezenium eintreten dürfte, so ist dem ersten dazu fähig Erscheinenden jedenfalls zu gratuliren, und eine größere Aufmunterung — fast könnte man sagen Bürgschaft — für die weitere Aufführung von Zöglingen eines solchen Instituts ist wol kaum denkbar. — Wie aus dem Rechnungsabschlüsse des erwähnten Berichtes hervorgeht hat der Verein ähnliche Vorschüsse — da Bittsteller unmöglich Vereinszöglinge gewesen sein können — aus Eigenem geleistet, es wäre doch sehr traurig, wenn durch unliebsame Erfahrungen von diesem Verfahren abgekommen werden müßte, was, da durchaus keine unbezweifelte Garantie für deren Sicherheit stattfinden kann, sehr leicht möglich ist. Einen sehr unangenehmen Eindruck machen die bei diesem Rechnungsabschlüsse sich vorsindenden „Buchschulden". Wer kann denn nur um Gottes Willen ein Geld, das doch armen Waisenkindern, gehört, und in Händen dieses Vereines unberechenbaren Nutzen stiften kann, diesem entziehen?! — Es ist in keinem der früheren Berichte eine ähnliche Rubrik zu finden, diese dürfte daher den in demselben Berichte erwähnten, nur leider zu sehr bekannten nachtheiligen Zeiteinflüssen zuzuschreiben sein, und es steht um so gewisser zu hoffen, daß sie auch im nächsten Jahresberichte nicht mehr erscheint, als sonst das mißbrauchte Vertrauen mit Recht den Verbindungen des Vereins engere Grenzen stecken müßte. Es führte zu weit, wenn auch nur die Hauptpunkte dieses Berichtes umständlich erwähnen zu wollen, es wird gewiß Niemand reuen diesen selbst zur Hand zu nehmen, auf den wir um so mehr verweisen müssen, als sich darin so Manches für unsere jetzigen Verhältnisse vorfinden dürfte.*) In der Lehre befinden sich jetzt 162, wovon der größte Theil als förmliche Vereinszöglinge nebst Genuß der erwähnten Wohlthaten, auch in ihrer Zukunft vielen Vorschub zu hoffen haben; ohne welchen Anspruch die übrigen Wenigen nach Thunlichkeit nur unterstützt werden können, und auch an dem betreffenden Unterricht nach Möglichkeit Theil nehmen, wozu auch Gesellen zugelassen werden. Zu Gesellen wurden gesprochen 32 und zwar: 1 Bäcker, 1 Broncearbeiter, 3 Drechsler, 1 Graveur, 1 Handschuhmacher, 1 Kupferschmid, 1 Lithograph, 1 Manufakturzeichner, 1 Optiker, 1 Sattler, 3 Schlosser, 2 Schneider, 1 Seifensieder, 1 Silberarbeiter, 2 Spengler, 3 Uhrmacher, 5 Weber, 2 Zimmermaler, 1 Zimmermann. Von den im Jahre 1845 verbliebenen 165, haben 29 und von den im verflossenen Jahre 1846 aufgenommenen 78, 19 die Lehre wieder verlassen. Die erwähnten 162 theilen sich in nachfolgende 43 Professionen: 5 Bäcker, 3 Bandweber, 1 Buchbinder, 1 Buchdrucker, 1 Bierbrauer, 1 Broncearbeiter, 15 Drechsler, 1 Eisengießer, 1 Friseur, 4 Gelbgießer, 2 Goldarbeiter, 1 Grobschmied, 2 Graveure, 1 Handschuhmacher, 1 Hutmacher, 1 chirurgischer Instrumentenmacher, 1 musikalischer Instrumentenmacher, 1 Juwelier, 10 Kupferschmiede, 1 Lackierer, 1 Manufakturzeichner, 4 Maschinschlosser, *) So wurde die doch sonst nur unter nicht geringen Schwierigkeiten zu erlangende, mehrjährige Aufenthaltsbewilligung für Israeliten in Wien, für Handwerker in Folge eines frühem Einschreitens von Seiten des Vereins, bedeutend erleichtert. Es wurden nämlich die früher stattgefundenen Berichtstaxen — bei Lehrlingen 45 Kr. und bei Gesellen 2 Fl. 45 Kr. — ganz aufgehoben, und die früher jährlich zu erneuernde Aufenthaltsbewilligung den Ersteren auf je 3 und Letzteren auf je 2 Jahre ertheilt. Eine für die Förderung der israelitischen Handwerker im Allgemeinen, und für den Verein insbesondere gewiß nicht ohne Wirkung bleibende, aufmunternde Anerkennung.