Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1847)
- Date
- 1847-12-13
- Page
- Seite 747 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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747 hältnißmäßig kurzen Zeit dadurch gewonnen, unserm geneigten Leser überlasten. Seit gar langer Zeit mußte das Volk Israel in der „Arbeitsscheue"' einen der gewichtigsten Mackel und Vorwürfe ertragen. Es ist der Zweck dieser Zeilen durchaus nicht, den gar nicht schweren Beweis zu liefern, daß ganz andere Verhältnisse Gelegenheit zu diesem so oft und immer wiederkauten geben, da überdies die Leistungen des in Rede stehenden Vereins dies durch praktische Daten — die doch gewiß nicht wegtheoretisirt werden können — zur vollen Genüge thun. Ob und inwieweit es an der Zeit war einen solchen Verein zu gründen, bedarf wol keiner nähern Detailirung. Seit langer Zeit wurde die Erlernung eines Gewerbes unter jungen Israeliten einer besondern Aufmerksamkeit gewürdigt; sowol Geldunterstützungen, wie die großartige Em. Wertheimersche Stiftung, als auch thatiges persönliches Einwirken Einzelner konnten aber nur einiges Wenige leisten. Es handelte sich darum, einen tüchtigen Gewerbsstand unter den Israeliten heran- und fortzubilden, und wahrlich die Lösung einer solchen Aufgabe bedurfte der größten Energie und unermüdetsten Thatigkeit Vieler, wenn das Resultat von irgend einer Bedeutung sein sollte. Die Israeliten Wiens, die bei keiner Gelegenheit, wo es sich um Förderung eines guten Zweckes handelt, je auf sich warten ließen, schritten, den würdigen Jünger Pestalozzi's an der Spitze, zu einem Werke, an das sich gewiß wichtige, wir scheuen uns nicht es auszusprechen, Nationalinteressen innig knüpfen, mit vollster Energie. Es bildete sich nämlich der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, dessen Statuten Se. Majestät im Jahre 1840 allergnädigst zu genehmigen geruhten und dessen sechster Jahresbericht uns eben vorliegt. Aus den Statuten sowol, als aus den jeweilig erschienenen Berichten ist zur Genüge ersichtlich, daß der Gesichtspunkt, von dem aus das Wirken und die Tendenz dieses Vereines aufgefaßt wurde, der einzig richtige ist. Es heißt bei Erreichung eines solchen Zweckes nicht allein armer Leute Kinder versorgen, sondern dieser armen Leute Kinder für das vorgesteckte Ziel entsprechend heranzubilden, wozu die seit Jahrhunderten eingenisteten Vorurtheile nicht sehr die Hand boten. Natürlich müssen die vollkommen gesunde physische Tauglichkeit, und die nöthigste Vorbildung in den erlernten zwei Elementarklassen um so mehr die Hauptbedingungen zur Aufnahme bilden, als die schwereren, unter den Israeliten bis jetzt seltener vorkommenden Handwerke am Meisten im Augenmerk gehalten werden — und merkwürdig genug, nach den Jahresberichten immer die größere Zahl bilden, obwol die freie Handwerkswahl dem Kandidaten doch immer selbst überlassen bleibt — auch der eingeleitete, dem jeweiligen Handwerke entsprechende Unterricht, die erlernten Elementargegenstände, als unumgänglich nothwendig voraussctzt. Nur dem persönlichen thätigen rastlosen Einwirken von Männern, wie sie dieser Vereinsvorstand zu den Seinen zählt, konnte es gelingen, die beim Untecbringen der Zöglinge wenn auch nur im Einzelnen sich entgegengestemmten Vorurtheile zu bekämpfen, — wobei die mit gebührender dankbarer Anerkennung zu erwähnende löbliche Unterstützung unserer hohen Behörden dem Ganzen gewichtigen Vorschub leistet — und sich so eine Bahn zu ebnen, deren weiteres Fortschrekten gewiß von den siegreichsten Erfolgen gekrönt wird. Es bedurfte aber auch im Anfänge einer mehr als gewöhnlichen Geduld und Ausdauer, die bei den ihre Kinder zur Aufnahme bringenden Eltern eingewurzelte Scheu vors. g. schweren Handwerken zu überwinden, und es stellt sich die überzeugende Anerkennung derart genügend, daß deren Wunsch meistens jetzt selbst dahin abgeht. Die Zöglinge werden bei entsprechenden geschickten Meistern untergebracht, mit diesen die Art des Lehrverhältnisses abgeschlossen, wobei das Feiern des Neujahrs-, Versöhnungs-, Ostern- und Pfingstfestes zur unumgänglichen Bedingung gemacht wird. Dieselben erhalten die nothwendige vollkommene Bekleidung, und Bestreitung der jeweiligen Taxen, Werkzeuge rc., werden wahrend ihrer Lehrzeit streng moralisch überwacht, in dem Lehrverhältniß gesetzlich vertreten; genießen nebst dem Religionsunterrichte auch den in der Fortsetzung der Elementargegenstände, so wie der Modellir- und Zeichenanstalt, welche als Privatgewerbsschule gewiß ihres Gleichen sucht, da nicht nur durch Originalien und Vorlegeblättec für jede Gewerbsart genügend gesorgt ist, sondern der dieser entsprechende Unterricht von geschickten Meistern systematisch geleitet — nicht nach dem gewöhnlichen Schlendrian — behandelt wird. Der erwähnte Jahresbericht ladet alle verehrlichen Mitglieder und Gönner zu deren Besuch ein, der gewiß Niemand reuen wird. Am Deutlichsten und Klarsten stellt sich das sehr lobenswerthe Streben dieses Vereins, und das sich ge-