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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-13 · Heft 51 (13.12.1847) · p. Seite 745

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 51 (13.12.1847)
Date
1847-12-13
Page
Seite 745 (sequence 5)
Language
German
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745 hier so disharmonisch in die sonst schöne Harmonie dieser Bildungsanstalt eingreifen, und deren Beseitigung bisher noch ein pium desiderium geblieben. — Zuvörderst ist der Umstand, daß die Lehrer, im Vcrhältniß zu den enorm theueren Lebensbedürfnissen am hiesigen Orte, eine nur zu geringe Besoldung empfangen, die ihnen seit einem Jahre, wo sich gerade die Bedürfnisse wegen der allgemeinen Theurung noch um ein Bedeutendes gesteigert, nicht einmal rechtzeitig ausgezahlt wird, während in anderen, weit weniger begüterten Gemeinden den Lehrern sogar billigermaßen eine Theuerungszulage geworden. Allerdings kann und darf dieses den gewissenhaften Lehrer nicht abhalten, seine Obliegenheiten getreulich zu erfüllen, ist aber keinesweges geeignet, ihn mit sorgloser Freudigkeit und durch ein Aufgebot allseitiger Kräfte seinem schweren Berufe nachleben zu lassen. Es muß vielmehr unter solchen Umstanden ein großer Theil dieser Letzteren der Schule entzogen und durch den Privatunterricht absorbirt werden, was auch den Nachtheil hat, daß der Lehrer nicht Muße gewinnt sich literarisch sortzubildcn, und wie oft waren nicht schon eben diese leidigen Sonderinteressen an so vielen Schulen die Klippe, woran jedes kollegialische Vernehmen scheiterte! — Der zweite, auf den Organismus der Schule störend einwirkende Moment ist die selbst in den reicheren und intelligenteren Familien noch häufig vorkommende Taktlosigkeit in der Erziehung: über Schule und Lehrer bei geringen Anlässen, rückhaltslos in Gegenwart der Kinder den Stad zu brechen und dabei nicht selten auf das Unwürdigste zu schmähen. Wenn doch die Eltern bedächten, wie sehr dieses das Seelenheil ihrer Kinder gefährdet, wie diese dadurch angeleitet werden, dem Lehrer nicht mit derjenigen Achtung und Liebe, demjenigen Gehorsam entgegenzukommen, welche bei seinem Erziehungs- und Bildungsgeschäfte eine conditio sine qua non sind. Durch ein solches Verfahren aber wird dem Schulzwecke schnurstracks entgegengearbeitet; denn wie sollte, wie könnte auch die Schule in ein entsittlichtes Gemüth Sittlichkeit pflanzen, aus einem versumpften Boden eine lautere Quelle hervorlockcn! Möchten doch solche Eltern recht bald die Sünde erkennen, die sie auf diese Weise an ihren Kindern begehen und in Zukunft lieber sorgfältig den Kernspruch unserer Weisen in die junge Seele impfen: v'.vw tn-ins snia (die Ehrfurcht vor deinem Lehrer sei gleich der Ehrfurcht vor Gott). Alsdann erst, wenn der Widerspruch zwischen Schule und Haus sich gelöst und Beide sich wechselseitig in der Erziehung die Hand bieten, alsdann könnte wol Erkleckliches geleistet und eine edlere Generation aus unsrer hoffnungsvollen Jugend mit Gottes Beistand herangebildet werden. (Fortsetzung folgt.) Oesterreich. Pesth, Ende Oktober. (Privatmitth.) Ja wol, die Stellung des ungarischen Rabbinatskandidaten ist eine jammervolle. Das Bedauerlichste an der Sache ist aber, daß er selbst größtentheils diesen Jammer verschuldet. Vor lü—15 Jahren wußte man bei uns noch kaum Etwas von Probederaschot oder Predigten. Selten kannte die Gemeinde persönlich ihren neuen Seelenhirten, bevor er als bereits aufgenommencr Rabbiner den Einzug in ihre Mitte hielt. Sie wählte ihn dem guten Rufe nach oder auf Anempfehlung eines andern allgemein geachteten Rabbinen. Schienen ihr diese beiden Mittel nicht genügend, so schickte sie an den Kandidaten 2 — 3 Gemeindemitglieder (n^nb^ow.), deren offen ausgesprochener Zweck war: mit dem Rabbinen über die Bedingniffe zur Uebernahme des Rabbinats zu unterhandeln, die aber noch nebenbei den geheimen Auftrag hatten, durch eigene Ueberzeugung wie durch Erkundigung in dem Wohnorte des Betreffenden ihn näher kennen zu lernen. Zerschlug sich die Unterhandlung aus dem einen oder andern Grunde, — so hatte der Rabbiner blos eine Visite von zwei Fremden empfangen und Niemand war bei der ganzen Sache kompromittirt. Doch war cs ein höchst seltener Fall, daß die Gemeinde einen Rabbinen fahren ließ, mit dem sie einmal Unterhandlung angeknüpft; die Weigerung ging gewöhnlich vom Rabbinen aus, dem entweder der Gehalt zu gering war, oder der seine bisherige Gemeinde nicht verlassen wollte u. s. w.... Nahm er aber die angcbotene Stelle wirklich an, da war großer Jubel in Israel und die Gemeinde erschöpfte sich in Auffindung stets neuer Mittel und Beweise, ihm ihre Dankbarkeit, ihre Achtung und Liebe an den Tag zu legen.... Dieses goldene Zeitalter des RabbinenthumS ist heute bei uns verschwunden, verschwunden fast aus allen Gemeinden Ungarns, blos einige größere ausgenommen, die ihre eigene Ehre in der ihres Seelenhirten zu wahren verstehen. Die übrigen alle — d. h. die große

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