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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-13 · Heft 51 (13.12.1847) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 51 (13.12.1847)
Date
1847-12-13
Page
Seite 744 (sequence 4)
Language
German
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744 Preußen. Berlin» 27. November. Die jüdische Gemeinde in Posen hat sich gedrungen gefühlt, ihrer Dankbarkeit für das segensreiche Wirken des Herrn Polizeipräsidenten v. Minutoli, während seiner fünfzehnjährigen Amtsführung in Posen durch Ueberreichung eines von einer Dankadresse begleiteten Ehrengeschenks einen dauernden Ausdruck zu geben. Eine schön gearbeitete, mit sinnigen Emblemen und dem Wappen des Gefeierten gezierte silberne Fruchtschaale trägt eine Inschrift, die in schlichten Worten die Empfindungen der Gemeinde ausspricht. Der Borstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat heute im Aufträge der posener Korporation durch eine Deputation aus seiner Mitte das Ehrengeschenk nebst der Dankadresse dem Herrn v. Minutoli überreicht. Gnesen, 18. November. (Privatmitth.) Obgleich Ihr sehr geschätztes Organ für die Interessen des Judenthums bislang noch gar keine, oder nur sehr mangelhafte Berichte über die hiesigen jüdischen Zustände gebracht: so sind die mannigfachen Fortschritte, die im Schoße der hiesigen Gemeinde seit einem Jahrzehnd gemacht worden, gleichwol wahrhaft erfreulich und in ihrer Innerlichkeit zweifelsohne beachtenswerther, als die ostensiven Marktschreiereien so vieler anderen Gemeinden, die mitunter das Jntroduziren oder Abrogiren ganz gleichgiltiger Dinge schon als einen Ungeheuern Progreß in die Judenheit Hinausposaunen. — Ich erlaube mir daher im Nachstehenden diejenigen Momente, die sich dem Beobachter der Lokalverhältnisse als erwähnenswerth darstellen, etwas ausführlicher zu besprechen, und hoffe und wünsche, daß Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, deßungeachtet diesem Berichte einen Platz in Ihrem parteilosen Blatte nicht versagen werden. Dem Zwecke entsprechend dürste wol nicht unangemessen mit der Schule, diesem so wichtigen Gemeindeinstitute, die Revue eröffnet werden. — Es besteht dieselbe, von der Regierung als öffentliche anerkannt, in hiesiger Gemeinde seit mehr als 20 Jahren. In dem Stadium der ersten zehn Jahre ihrer Existenz von dem tiefgewurzeltcn Borurtheil der Unwissenheit und stabilen Orthodoxie unter die G'serot hamalchot gezählt, und im Kampfe gegen dasselbe ihr bescheidenes Dasein nur kümmerlich fristend (das damals allgemeine Schicksal dieses Instituts), konnten die Resultate derselben, unter so ungünstigen Konjunkturen und bei der nur geringen Dotation der beiden Lehrstellen, zwar nur unerheblich, doch von einigem Einstuß sein, um eine bessere Folgezeit anzubahnen. Und so wurde sie dann im Jahre 1838, als der Horizont bereits etwas lichter geworden, vorzüglich durch die eifrigen Bemühungen des Buchhändlers Herrn M. Russak intensiv und extensiv dadurch reorganisirt, daß ein erster und dritter Lehrer und eine Lehrerin für weibliche Handarbeiten angestellt und der Neubau eines massiven und freundlichen Schulhauses bewerkstelligt wurde. In dem Maaße nun diese Anstalt sich aus der Dunkelheit emporarbeitete, erweckte sie auch immer mehr Sympathien, und gegenwärtig besteht sie mit vier Lehrern, einer Jndustrielehrerin, und der Kantor, Herr Weintraub, ist zugleich als Gesanglehrer bestellt. Die Leistungen der Schule sind der Art, daß die Schüler der obersten Klaffe, nach zweijährigem Lehrkursus, bei privater Unterstützung im Lateinischen, für die Quarta einer Realschule resp. eines Gymnasiums die Reife erlangen können und auch erlangt haben. Besonders hervorzuheben ist, daß neben den wissenschaftlichen und anderweitigen, sprachlichen Disziplinen, dem Hebräischen so viel Zeit und Sorgfalt zugewendet wird, wie vielleicht an keiner der öffentlichen Schulen unsrer Provinz, wo diese Sprache größtentheils aus dem Schulplane gestrichen und in den Privatunterricht verwiesen ist. Die Lehrer haben bei diesem Zweige des Unterrichts den Endzweck vor Augen: zunächst die Jugend zu befähigen, den Gottesdienst in statu guo genießen zu können und überhaupt Israeliten zu bilden, die im Stande seien, bei den in der Jetztzeit obschwebenden Kultussragen und von der nicht mehr so fernen Zukunft wol zu erwartenden Kultusreformen sich prinzipiell zu betheiligen und Wesentliches von Unwesentlichem, den Kern von der Schale, zu unterscheiden — mit einem Worte Israeliten, wie sie der fortgeschrittene Geist des Jahrhunderts, wie sie das Vaterland, wie sie die Erhaltung unsrer altehrwürdigen aber niemals alternden Religion so dringend fordert. — Doch wo dem Licht der Schatten je gebricht? — Abgesehen davon, daß außer den circa 350 die Schule jetzt besuchenden, noch über 100 schulpflichtige Kinder nicht eingeschult sind und gebieterisch den fünften Lehrer prätendiren, abgesehen hievon sind es vorzüglich zwei Momente, welche

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