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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-06 · Heft 50 (6.12.1847) · p. Seite 737

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 50 (6.12.1847)
Date
1847-12-06
Page
Seite 737 (sequence 9)
Language
German
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737 gebildeten Rabbinen besetzt werden, so muß man dazu nicht die Hilfe jener Leute in Anspruch nehmen, welche die Unwissenhut und Albernheit aus Grundsatz protegiren müssen; sondern sich an Männer wenden, die das Bedürfniß und die Aufgabe der Gegenwart verstehen, und ihrem Amte und Berufe in Ehren vorstehen. Die Befolgung dieses Rathes wird uns viele Skandale ersparen, unter denen das Ekelhafteste das ist, daß manches studirte, aber gesinnungslose Kandidätlein sich wie ein polnischer Chasid gebärdet, auf der Kanzel winselt und jammert, — ein wahres Bild unsittlichen Jammers, ohne dadurch das Vertrauen der Orthodoxen und die Achtung der Gebildeten zu gewinnen. Nichts ist schmählicher als die Bettelei, zu welcher sich unsere Fortschrittsmänner bei den rabbaninschen Ignoranten erniedrigen; und Nichts ist gemeiner als die Bereitwilligkeit der orthodoxen Rabbinen, den Gebildeten zu willfahren, sobald es ihnen gut bezahlt wird, oder sobald sie auf irgend eine Weise ihre Rechnung dabei finden. Unserm seligen Rabbiner hat die Eigennützigkeit seiner Amtsgenossen mehr als eine Klage erpreßt; denn ihm — der Alles erfuhr, was im ungarischen Israel vorging — konnte es nicht unbekannt sein, was der Zauber des Mamons für eine Gewalt auf seine Kollegen ausübe, und es sind in dieser Rücksicht Geschichten im Lande bekannt, die trotz ihrer traurigen Seite sehr ergötzlich sind. Doch will ich mir dieses anziehende Thema auf eine andere Gelegenheit Vorbehalten. Bon der Donau, im Oktober. (Privatmitth.) Ihr geschätztes Blatt hat schon aus so manches verborgene Talent in Israel aufmerksam gemacht, so manchem verdienstvollen Manne ein Brod verschafft, und manchem Gemeindebedürfnisse Abhilfe geleistet, daß Sie es mir erlauben werden, bei dem täglich reger werdenden Bedürfnisse ungarischer Gemeinden, ihr Gemeindewesen zu regeln und geregelt zu führen, und bei der häufig laut werdenden Klage, daß es an tüchtigen Individuen fehle, welche Gemeindenotariate bekleiden könnten — auf einen Mann aufmerksam zu machen, welcher die nöthige Bildung hiezu besitzt, ein vorzüglicher Stylist in der hebräischen, deutschen und ungarischen Sprache ist — und die Feder eben so schön als gut zu führen verstehet. Dieser Mann, welcher eine Zierde einer großem ungarischen Gemeinde wäre, heißt Heinrich HedwigHönigsbeer, ist gegenwärtig Distriktsnotär in Homona, zemplimr Komitat, und ist, da seine Gegend ungewöhnlich verarmt ist, gegenwärtig auf Reisen mit der Sammlung von Subskribenten auf ein von ihm in den genannten drei Sprachen verfaßtes Merkchen beschäftigt. — Gemeinden, welche diese glückliche Akquisition machen wollen, mögen sich unter angegebener Adresse an Herrn Hönigsbeer wenden. x. y. z. Preußen. Posen, 13. November. Die neueste Nummer des Amtsblattes der posener Regierung enthält eine Verfügung in Betreff der Juden in unsrer Provinz, nach welcher die naturalisirten Juden des Großherzogthums Posen bei der Verlegung ihres Wohnsitzes nach einer andern Provinz des Staats nicht mehr einer Genehmigung des königl. Ministeriums des Innern bedürfen, sondern nur der Polizeibehörde des Ortes, wo sie sich niederzulassen beabsichtigen, nachzuweisen haben, daß sie die Naturalisation für die hiesige Provinz erlangt und ihre Korporationsverpflichtungen gegen die Synagogengemeinde, welcher sie bisher angehörten, abgelöst haben. Aus Oberschlesien, 16. November. (Privatmitth.) Viel Neuigkeiten giebt es bei uns nicht. Wir haben eine eisenfeste Natur, und was Andere in siebrische Wallungen versetzt, das läßt uns kalt und theilnahmlos. Man kann diese Zähigkeit nicht begreifen, wenn man sie nicht tagtäglich vor Augen hat. Als wären wir von einer chinesischen Mauer umgeben, die jedem Eindringen von Außen abwehrt, so bleiben wir unbeweglich bei dem Anstoße der Zeitideen. Während das religiöse Leben im Judenthum fast überall in neuen, kräftigen Schwingungen sich hebt, und ein frischer, jugendlicher Geist zu neuen Schöpfungen treibt, schleichen wir auf dem hartgetretenen Wege der Alltäglichkeit einher, träumen sanft von den harmlosen Spielen der Kindheit, und ergötzen uns an den Seifenblasen unserer Phantasie. Nicht einmal das Judengesetz vom 23. Juli — gewiß ein wichtiges Lebensmoment — konnte uns aus unserer Versunkenheit aufrütteln, und wenn nicht das breslauer Obervorsteherkollegium eine Versammlung von Gemeindedeputirten zu Stande gebracht hätte, die unter sich eine Konformität in Hinsicht der zu entwerfenden Statuten 50*

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