Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1847)
- Date
- 1847-12-06
- Page
- Seite 735 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225548--09028-3239876- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
735 15. September d. Js. wurde nach eingeholter Genehmigung hoher Landesregierung, die gern alles Gute fördert, die erste Konferenz der Lehrer abgehalten. Zu der Versammlung, die in Limburg stattfand und von Herrn vr. Wormser mit einer kurzen, herzlichen Ansprache eröffnet wurde, worin er eine Parallele zwischen dem frühern und heutigen Zustande der Synagoge und Schule zog, waren die Herren Lehrer: Bernheim von Holzappel, Burger von Wied-Selters, Dickstein von Heringen, Freund aus Hahnstätten, Hofmann von Limburg, Kahn von Hadamar, Rosenau von Hachenburg, Schloß von Langendernbach, Schnattinger von Mogendorf und Wormser von Diez, gekommen. Die Leitung der Verhandlungen wurde Herrn vr. Wormser und das Sekretariat dem Lehrer Hofmann übertragen. Man entwarf die Statuten, denen zufolge die jährlich wiederkehrende Konferenz gemeinschaftliche Angelegenheiten der Schule und Synagoge bespricht (§. 1), die Orte Limburg, Diez, Hadamar, Hachenburg, Montabaur und Selters zu abwechselnden Konferenzorten bestimmt wurden (§. 6), eine Konferenzkaffe gegründet (§. 7), von jedem Lehrer jährlich ein pädagogisches oder liturgisches Thema schriftlich auszuarbeiten und von der Konferenz zu besprechen ist (§. 9), subjektive Fragen aus derselben entfernt bleiben und nur objektive zur Verhandlung kommen (§. 10) und ein Leseverein gegründet wurde, dessen Objekte jüdischreligiöse und literarhistorische Zeitschriften sind (§§. 11, 12 und 13). Dies der kurze Ueberblick der Statuten, soweit sie hierher gehören. Die Verhandlungen zeugten von einem lebendigen Streben nach geistigem Fortschritte, wovon schon die diesmal vorgelesenen Arbeiten Beweis gaben. Die Hauptresultate der Konferenz waren: Die Einführung deutscher Uebersetzung und Erklärung der n-iusn, die Beschlußnahme zur Zirkulation eines deutschen Gebetbuchs Behufs späterer Einführung und die Einführung einer Leichen ordnung. Was die Schule betrifft, so wurde namentlich der Mangel passender biblischer Geschichten für Kinder von 8—10 Jahren beklagt, und da das bisher eingeführte Flehingersche Werkchen als ungenügend erkannt wurde, aus den Vorschlag eines Mitglieds eine Kommission, bestehend aus den Lehrern Freund, Rosenau und Hofmann, gewählt, die ein von Herrn vr. Wormser verfaßtes Manuskript mit Erklärungen aus der h. Schrift entsprechend für die Schule umzuarbeiten und der nächsten Konferenz vorzulegen haben. Vor Allem thut nun eine sofortige Besetzung der vakanten Lehrerstellen Noth, deren es in dem hinsichtlich der Seelenzahl im Vergleich zu den übrigen Rabbinaten bedeutendsten Rabbinatssprengel Diez dermalen leider nicht weniger als sieben giebt. Woher dieser Lehrermangel? wird Mancher fragen. Wir können nur das antworten, daß weder Regierung noch Gemeinden der Aufnahme von Lehrern abhold sind, ja es wird deren Mangel, und dies besonders von Seiten der Herren Rabbinen — denn auch in den anderen Rabbinatsbezirken des Herzogthums sieht's zum Theil nicht viel besser aus — tief beklagt. Möchte dieser Uebelstand zum Heile der Gemeinden bald beseitigt werden! 8. Oesterreich. Preßburg, Mitte Oktober. (Ungarische Briefe. VI.) Bei der Halbheit und Begriffsverwirrung, welche wir oft genug bei unseren westlichen Nachbaren wahrnehmen, kann es uns kaum befremden, daß diejenigen unter uns, welche an der Verbesserung unserer sittlichen Zustände mit Ernst und Eifer arbeiten, noch immer nicht einsehen wollen, daß an eine Koalition der Bessergesinnten mit den eigentlichen, entschiedenen Rabbaniten nimmer zu denken sei. Dieser Mangel an Einsicht zeigt sich in seinen nachtheiligen Folgen besonders bei Besetzung der Rabbinate. Nur zwei Gemeinden, Großkanischa und Arad, scheinen es zu fühlen, daß gerade die tüchtigsten, begabtesten Rabbinatskandidaten von den Mützen-Geonim keine Diplome (rvnnt-i) erhalten können; die übrigen Gemeinden, selbst die strebsameren, machen noch immer die Befähigung zu ihren Rabbinaten von orthodoxen Zeugnissen abhängig, wiewol es notorisch ist, daß z. B. der in jeder Rücksicht ehrcnwerthe Schwab sich nie für ein Rabbinatszeugniß bezahlen ließ, während die Orthodoxie einem nur einigermaßen gebildeten Kandidaten noch nie ein Zeugniß zu ertheilen geneigt war, wenn sie nicht durch baares Geld oder einen andern Vortheil dafür entschädiget wurde. So haben die Freunde des braven Daniel Pillitz (vormaliger Rabbiner zu Szegedin, jetzt amtlos) den temesvärer Rabbiner Hirsch Oppenheim durch Geld und gute Worte bewogen, Ersterem ein Zeugniß zu geben. Pillitz's