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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-06 · Heft 50 (6.12.1847) · p. Seite 732

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 50 (6.12.1847)
Date
1847-12-06
Page
Seite 732 (sequence 4)
Language
German
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732 genden, an uns gerichteten Brief in Uebersetzung geben. Redakt.j Mit tiefem Bedauern, wie Solches jedes Mitglied des jüdischen Glaubens, dem es Ernst ist um die Würde unsres Stammes und die Erhaltung unsres Glaubens, empfinden muß, habe ich seit langer Zeit das Unglück, die traurige Zustände unsrer ausländischen armen Brüder, die hier in England einwandern, beobachtet. Das fortwährende Einströmen mittelloser Individuen nach unserm Lande, die mit ganz falschen Vorstellungen hierherkommen, ist seit lange eine Quelle des tiefsten Schmerzes für alle die geworden, welche das grenzenlose Elend unserer bedürftigen Religionsgenossen kennen zu lernen Gelegenheit gehabt, und eine gebieterische Pflicht heischt es, das Stillschweigen über die Ursachen dieses wachsenden Uebels zu brechen. Es ist bekannt, wie sehr die Lage unserer Brüder in vielen Ländern noch immer eine traurige, so vielen Beschränkungen unterworfene ist. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß sie auf alle Weise streben, sich aus diesen drückenden Verhältnissen zu befreien. Wer hätte hierfür kein Mitgefühl? Maßregeln, ungerecht in ihrem Prinzipe, werden durch die Art ihrer Ausführung, Ehre und Brod entziehend. Solche Maßregeln haben in gewissen Ländern ein unsägliches Elend bei einer großen Klasse unserer Brüder seit langer Zeit begründet. Was ist daher natürlicher, als daß diese ihren Blick nach solchen Gegenden der Erde werfen müssen, wo sie von ihrem Druck erleichtert frei aufathmen können, und eine Zuflucht finden mögen für sich und die Ihrigen? Und unter diesen, was bietet sich leichter dar, als das gesegnete britische Eiland? Hier ist es, wo ganz besonders der Genius der bürgerlichen Freiheit herrscht, hier blühen Handel, Gewerbe, Manufakturen; hier ist es auch, wo sie ein offenes Feld für ihre Thätigkcit zu finden hoffen, wo sie auf irgend einem Wege der Industrie ein hinreichendes Stück Brcdes zu erwerben glauben. Und wenn diese Hoffnung fehl schlagen würde, so hegen sie die höchst irr.ge Meinung, daß sie in den Untcrstützungsfonds der Gemeinde eine Hilfe finden werden, die zur Aushilfe armer Brüder bestehen. Daher schreibt sich der verderbliche Jrrthum, verderblich für sie selbst, wie für die Juden, die bereits ihren Aufenthalt in diesem Lande gefunden, daß sie keine Gefahr der Dürftigkeit oder des Mangels hier zu fürchten hätten. Aus welchen Weltgegenden sie auch kommen mögen, wie zerrüttet auch ihre Vermögensumstände, wie entblößt sie auch von aller Hilfe seien, sie bilden sich ein, wenn sie einmal sicher an Englands Küste gelandet sind, so wird all ihrem Mangel bald abgeholfen, alle Schwierigkeit beseitigt, alles Bedürfniß befriedigt, alle zukünftige Noth entfernt. Dann aber sehen sie sich nach kurzer Zeit gänzlich und grausam enttäuscht, und das Uebel, dem sie verfallen, ist um so bodenloser, je freundlichere Hoffnung vorausgegangen. Um so nothwendiger ist es, allen Verwaltern von Unterstützungsfonds, namentlich in den Seestädten, wo dergleichen Leute sich einschiffen, auf's Ernstlichste an's Herz zu legen, die bedauernswürdigen Opfer dieses Jrrthums von ihren falschen Vorstellungen zu überzeugen, sie zu verwarnen, sich mit der Ueberfahrt ihrer Familie nach England nicht zu übereilen, wo geradezu Verhungern ihr Loos sein würde. Denn sind sie hier angelangt, so ist ihre Lage die bedauernswertheste von der Welt, sie werden die Opfer der schrecklichsten Armuth und Entblößung; es bleibt ihnen Nichts übrig, als auf Unterstützung aus den Gemeindefonds zu rechnen, und diese sind, trotz allem Streben, nicht im Geringsten mehr im Stande, den Anforderungen auch nur einigermaßen zu genügen. Abgesehen, daß dadurch den eingeborenen Armen fast Alles entzogen wird, ist Alles umsonst, da die vorhandene Hilfsleistung mit den Bedürfnissen auch nicht im Entferntesten in Einklang, oder nur in Verhältniß steht. Dann ist es oft der Fall, daß ihre Hilflosigkeit sie in die Arme der Missionäre führt, welche das Unglück der bedauernswerthen Opfer benutzen, um sie ihren Glauben abschwören zu lassen um schnöden Sold. Diesen Stand der Thatsachen habe ich für eine schmerzliche, aber unvermeidliche Pflicht gehalten Ihrer Erwägung anheim zu geben, und Sie zu allem möglichen Nachdruck auszufordern, um dieser schrecklichen Kalamität Einhalt zu thun, die immerfort im Wachsthum begriffen ist, und durch dieses Wachsen sich wiederum verdoppelt. Es ist schrecklich, den Unglücklichen ihr letztes Asyl zu entziehen, aber was hilft es, wenn dieses Asyl nur ein um so tieferer Abgrund für sie wird? Bringen Sie diese wahre Schilderung zur Kenntniß unserer Brüder auf dem Kontinente, bitten Sie Alle, dieselbe immer weiter zu verbreiten, damit die irrigen Vorstellungen von Grund aus und allgemein aufgehoben werden. Möge der Allgütige jeden

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