Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1847)
- Date
- 1847-12-06
- Page
- Seite 731 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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731 mente ausschloß. Die Emanzipationsakte erschien alsdann und OConnell beanspruchte seinen Platz. Aber das Parlament erkannte, daß die Akte keine rückwirkende Kraft habe und die Wahl wurde kassirt. Dies wird wahrscheinlich der Verlauf von Rothschilds Wahl sein. Man kann eine sehr lebhafte Diskussion über diese Frage im Unterhause erwarten. Wenn wir zeigen wollen, bis zu welchem Grade der Thermometer der protestantischen Leidenschaft in dieser Beziehung gestiegen, so haben wir nur einige Stellen aus den Journalen dieser Partei wiederzugeben. Der Standard erklärt B.: „Wenn man alle auf religiöse Ursachen bezügliche Ausschließungen aufheben wolle, so muß sich England darein ergeben, von Priestern des Jaggernaut, oder von Lehrern der höllischen Verehrung des Bouddha oder des Satans beherrscht zu werden." Dann wieder sagt der Morning-Hecald: „Entweder ist das Christenthum Alles in Allem, oder cs ist Nichts von Allem. Man kann nicht an einem Tage im Jahre erkläre», daß Christus der Sohn Gottes sei, und zu gleicher Zeit die Hände derer bewaffnen, die dies leugne» und verspotten. Eine christliche Nation kann Niemanden, der Christus leugnet, in ihre Legislatur zulassen, ohne dem Christenlhume zu entsagen. Sind wir bereit dies zu thun? ... Wie! Lord John Russell glaubt, er wird's euch sagen, wenn ihr ihn befragt, daß das Heil, das zukünftige Leben nur durch die Verdienste des Heilands und durch den Glauben an ihn erlangt werden kann, und dennoch nimmt er einen Mann in das Parlament auf, der nicht allein diese Thatsache leugnet, sondern der bereit ist, die auf diesen Glauben errichteten Institutionen umzustürzen! Welches Beispiel für das Volk! ... Die Königin, die Lords, die Gemeinen müssen erklären, daß das Christenthum eine Betrügerei sei, bevor der Triumph des Judenthums vollständig sein kann." Diese Art Einwände werden im Parlament, in vernünftigeren Ausdrücken ohne Zweifel, aber doch gemacht werden und sehr ernstlich. Wir glauben übrigens nicht, daß sie irgend eine Chance, die Zulassung Rothschilds im Unterhause zu verhindern, haben werden. Nicht allein die Häupter der liberalen Partei, Lord John Russell, Sir Robert Peel werden für das Prinzip, das diese Wahl begünstigt, stimmen, sondern selbst in der Torypartei werden die wichtigsten Männer für dasselbe stimmen. Denn Lord George Bentinck hat sich immer zur religiös-liberalen Partei gehalten; und was Herrn d'Jsraeli betrifft, so braucht man nur seinen Namen zu nennen, um zu sehen, aus welcher Seite er stimmen wird. Vielleicht entflammt er das Publikum bei dieser Gelegenheit durch eine jener geistreichen und glänzenden Phantasien über die kaukasische Rare, die er reichlich in Coningsby und Tankred ausgestreut hat. Sidonia wird seine Stelle im Unterhause einnehmm. Vergebens appellirt der Morning-Herald an die Lordskammcr und die Bank der Bischöfe, vergebens sagt er: „Die Bischöfe sind dazu da. Sie können nicht zurückbleiben, denn sie werden nicht zurückzubleiben wagen. Sie sind in der Lordskammer, um die Interessen der Kirchen zu wahren, sie müssen ihre Schuldigkeit thun. Wenn ein Einziger unter ihnen für die Zulassung eines Juden in das Parlament mit gutem Gewissen stimmen kann, kann er sein Amt nicht mit gutem Gewissen behalten. Die Bischöfe können verschiedener Meinung über die Korngesetze sein, aber sie können nur einer Meinung über ihren Meister und seine Lehren sein." Vergeblicher Widerstand! Mau sprach dasselbe im Jahre 1828 und 29, als die Grafschaft Cläre OConnell in das Parlament schickte trotz dem Gesetze. Das Gesetz wurde verändert; und heute noch ist dasselbe Prinzip in Frage, und wird triumphiren, nämlich die Gewissensfreiheit. Ohne Zweifel wird es nicht ohne Kampf siegen. Der Ausgang des Kampfes, sicher im Unterhause, ist noch zweifelhaft in der Kammer der Lords. Aber dies kann nicht lange dauern. Die City von London wird von Neuem ihren Repräsentanten, den sie sich freiwillig, und sehr wohl die Hindernisse ihrer Wahl voraussehend, gewählt hat, zum Parlament schicken. 1829 gab das protestantische England aus Furcht vor einem Bürgerkriege nach; 1847 wird es den Fortschritten der Aufklärung und dem Geiste der Toleranz und Gleichheit weichen." So weit das Journal des Debats. Die Entscheidung ist nahe. Zeitungsnachrichten. Großbritamen. London, 16. November. (Privatmitth.) sWir theilten vor Kurzem einen Artikel des L’Univ. israel. mit, welcher mittellose junge Israeliten verwarnte, ohne Aussicht nach Paris zu wandern (No. 46). Wir haben heute in ausgedehnterm Maße eine Warnung von London aus mitzutheilen, indem wirfol-