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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-12-06 · Heft 50 (6.12.1847) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 50 (6.12.1847)
Date
1847-12-06
Page
Seite 730 (sequence 2)
Language
German
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730 „Eine der ersten Fragen, die das englische Parlament bei der Eröffnung der Sitzung zu behandeln haben wird, wird die Wahl Herrn Lionet Rothschilds sein. Wir haben schon oft Gelegenheit gehabt zu bemerken, daß wenn in den englischen Gesetzen das Prinzip der Freiheit mehr entwickelt zu sein scheint als in den unsrigen, so ist in ihnen das Prinzip der Gleichheit weit geringer ausgebildet. Wahrend in Frankreich alle öffentlichen Aemter allen Klaffen von Bürgern offen sind, ohne Unterschied der Religion und der Meinungen, so bleiben die Kammern in England immer noch gewissen Klassen und Glaubensparteien verschlossen. Es sind kaum 20 Jahre, daß das britische Parlament den Katholiken und Dissenters zugänglich ist; und noch heutigen Tages giebt es noch eine Klasse Dissidenten, die von demselben ausgeschlossen sind, nämlich die Juden. Im verflossenen Jahre hat Lord John Rüssel einen Gesetzentwurf einbringen sollen über die Abschaffung der Unzulässigkeit der Juden (jewish disabilities). In $JliU ten der Wirren der Bildung eines Ministeriums und der Schwierigkeiten einer allgemeinen Wahl wurde dieser Entwurf vertagt. Aber wir glauben, daß die Wiedererwahlung Lord John Russells in der City von London großen Theils von seinem Beschluß, diesen letzten Einwurf aus der englischen Gesetzgebung schwinden zu lassen, abhing. Der Premierminister wird nächstens zur Erfüllung seines Versprechens angegangen werden, denn es scheint nicht thunlich, daß die Frage anders geschlossen werden kann, als mit Uebereinstimmung der drei Mächte der Gesetzgebung. Schon seit langer Zeit haben in England die die Israeliten betreffenden Gesetze eine große Veränderung erlitten. Wenn z. B. die Juden nicht wählbar sind, sind sie doch Wähler; wenn sie keine Deputirten sein können, können sie welche ernennen. Außerdem giebt es viele öffentliche Aemter, zu denen sie zugelassen sind, wie z. B. die der Sheriffs und der Munizipalräthe. Sie können das Gesetz verwalten, aber nicht machen. Es ist also nur die gesetzgebende Macht, die ihnen verschlossen ist. Dieses Verschlossensein besteht in der Verpflichtung eines jeden neuen Parlamentsmitgliedes den Abschwörungseid zu leisten, in welchem sich diese Formel befindet: „Auf den wahren Glauben eines Christen." On the true faith of a Christian. Diese Formel ist durch eine Akte Wilhelms III. eingesetzt und durch eine Akte Georgs I. bestätigt. Wenn das erwählte Mitglied diesen Eid zu leisten verweigert, ist seine Wahl annullirt, und der Sprecher schreitet zu einer neuen Wahl. Ein sonderbarer Umstand, wie ein englisches Journal bemerkt, ist, daß Nichts in dieser Eidesformel in Betreff der Juden enthalten war. Der Abschwörungseid war Anfangs den Katholiken und dann den Jakobiten auferlegt. Dies war also in letzterem Falle eine politische und keine religiöse Ausschließung. Die Gesetzgebung hat nur die Stuartschen Parteigänger vermeiden wollen, und die Worte: „auf den wahren Glauben eines Christen" waren nur in die Formel eingeschaltet, um ihr mehr Feierlichkeit und Nachdruck zu geben. Niemand dachte damals an die Juden. Heutigen Tages haben die Juden sicherlich Nichts dagegen einzuwenden, den Stuarts zu entsagen; aber es ist ihnen unmöglich, dies auf den Glauben eines Christen zu versprechen. Es ist also nur diese Formel aus der Legislatur zu streichen. Wenn unter Wilhelms VI. Herrschaft die Israeliten zu den Aemtern der Sheriffs; unter der jetzigen Regierung zu den Munizipalämtern zugelassen sind, so hat man aus dem Eide die Worte, die sie bis jetzt ihn zu leisten verhinderten, gestrichen. Dasselbe bleibt noch zu thun übrig, um sie zum Parlamente zuzulassen. Man hat einige Zeit gemeint, daß es nicht nöthig sei, eine Bill über diesen Gegenstand einzureichen, und daß das Unterhaus die Macht habe, allein diesen Punkt zu regeln. Man zitirte bei dieser Gelegenheit als Vorgang, was sich zutrug als ein Quäcker zum ersten Male im Parlamente zugelassen wurde. Alle Welt weiß, daß die Religion der Quäcker den Eid verbietet. Der erste im Unterhause aufgenommene Quäcker, der Herr Pease hieß, verweigerte den Eid und verlangte die Ernennung eines Komitcs zur Jnterpretirung des Gesetzes. Außerdem gab es eine Parlamentsakte, welche berechtigte, für die Quäcker eine Affirmationsformel statt der gewöhnlichen Eidesformel zuzulassen, und auf Grund dieser Akte wurde Herr Pease zugelassen. Aber für die Quäcker besteht die Akte im Allgemeinen; während sich für die Juden die Ausnahme nur auf gewisse bestimmte Aemter, wie das des Sheriffs oder Munizipalrathes, beschrankt, und sich nicht auf das eines Parlamentsmitgliedes ausdehnt. Es wird also nothwendig sein, eine Bill eknzureichen, und Herr v. Rothschild wird sich in derselben Lage befinden, wie OConnell im Jahre 1829. Man wird wissen, daß OConnell von der Grafschaft Cläre erwählt wurde, als das Gesetz noch die Katholiken vom Parla-

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